Los Cinco del Este: "Mallorcas erste richtige Popband"

Wie fünf Jungs aus Cala Millor in den 60er-Jahren erst die Hotels eroberten und dann um ein Haar auch England und Deutschland. Ein Buch und eine CD erinnern an die Hits und die Geschichte der Band

25.12.2017 | 01:00
Unterwegs in der Kälte: Los 5 del Este bei einem Besuch in London. Pep Alba ist der 2. v. li.

Der deutsche Freund sagte, sie ­sollten sich keine Sorgen machen. Es war im Winter 1971, und die mallorquinische Band Los 5 del Este sollte auf dem Weihnachtsmarkt in Baden-Baden auftreten. Und das ohne irgendeine Art von Heizung. „Vertraut auf die deutsche Technologie", sagte Klaus Drobig, der die Gruppe nach Deutschland geholt hatte. Dann drückte er jedem der Musiker eine Tasse Glühwein in die Hand. „Die sogenannte deutsche Technologie bestand aus warmem Rotwein, der ekliger als Rizinusöl war", erinnert sich Gitarrist Pep Alba in seinem kürzlich erschienenen Buch über die Bandgeschichte.

Damals waren die fünf Musiker große Stars, die „erste richtige mallorquinische Popband", wie der Musikhistoriker Tomeu Matamalas in seinem Buch „Paradise of Love" schreibt. 1962 war die Gruppe auf Bestreben des Hoteliers Joan Llinás in Cala Millor gegründet worden. Kopf der Band war der Pianist Joan Fons. „Ein genialer Händler", erinnert sich Pep Alba im MZ-Gespräch. „Er hat es geschafft, dass wir nie an jemanden gebunden waren. Weder an Hoteliers noch an irgendwelche Manager."


"Ich war ein Schönling"

1964 nahm die Band die erste Single auf, eine Version des klassischen mallorquinischen Folksongs „Sa Ximbomba". Im gleichen Jahr trat Alba der Band bei. „Es gab damals zwei Kategorien von Bands. Die, die aufgenommen haben, und die, die nicht." Als Band mit Platten war man gefragt. „Wir haben sehr häufig im Fernsehen gespielt." Dass die Jungs nicht hässlich waren, hat sicherlich geholfen. „Ich war ein Schönling", sagt Alba. „Einer von jenen, denen die Frauen die Klamotten vom Leib reißen."

Die meisten Auftritte im Fernsehen waren Playback. Nur beim Besuch 1971 in Deutschland, als sie im ZDF auftraten, sollten sie live spielen. „Auch das war aber okay. Wir haben schließlich ständig live gespielt", erinnert sich Alba.
Denn das täglich Brot der Band waren die Hotels. „Das war schon unglaublich damals. Wir hatten jeden Abend bis zu 1.000 Zuschauer." Normalerweise ging die Show von 21 bis 0 Uhr, mit zwei Pausen. Die Band spielte sowohl Cover aktueller Hits als auch eigene Songs. „Auch unsere eigenen Lieder kamen gut an.


Cover-Songs immer nur auf Spanisch aufgenommen

An jeder Hotel­rezeption konnte man die Platten der ,Fünf del Este', wie sie von deutschen Urlaubern genannt wurden, kaufen. Die Cover-Songs nahmen wir auf Spanisch auf. Aus 'Satisfaction' wurde 'Satisfacción', aus 'Yesterday' wurde 'Ayer'. Das machte man damals so", sagt Alba. „Aber nur auf den Alben. Auf der Bühne habe ich immer auf Englisch gesungen." Die Songs aus der Blütezeit von 1964 bis 1967 sind jetzt auf einer Doppel-CD erschienen.


Was an den fünf aus dem Osten so besonders war, dass sie so erfolgreich waren? „Es ist uns einfach alles zugeflogen. Wir haben nicht darüber nachgedacht. Es lief", sagt Alba. Die Band stand zeitweise bei EMI in London unter Vertrag, tourte durch England. „Aber wir haben viele Gelegenheiten ausgelassen", erinnert sich Alba. „Wir waren cap de faves, wie man hier sagt. Also Dösbaddel. Die mallorquinische Faulheit hat dazu geführt, dass wir unter ­anderem die Gelegenheit haben verstreichen lassen, in den Abbey Road Studios aufzunehmen." Es sei ihnen ja auch so gut gegangen. „Allein mit den Tantiemen für unseren Song 'Pepita y Juanita' habe ich 62.000 Peseten verdient. Dafür konnte man sich zu jener Zeit ein Auto kaufen."


Auch Tomeu Penya war dabei

Ab 1973 ging es mit der Band abwärts. „Die Musikgeschmäcker hatten sich verändert. Außerdem kamen statt Engländern mehr deutsche Touristen nach Cala Millor und die hatten nicht so einen Bezug zu unserer doch sehr britisch geprägten Musik." Die Band machte dennoch in wechselnden Formationen bis 1987 weiter, hauptsächlich in den Hotels. Einige Jahre spielte sogar der später als Solokünstler erfolgreiche Tomeu Penya in der Band mit.

„Irgendwann hat es dann einfach keinen Sinn mehr gemacht", sagt Alba, der sich von da an als Gitarrenlehrer verdingte. Es bleibt die Erinnerung an eine verrückte Zeit. Und es bleiben Songs wie „­Noche de verano" (Sommernacht), der vielleicht größte Hit der Band. Er stammt aus einer Zeit, als der Tourismus noch nicht mit Überfüllung und Exzessen in Verbindung gebracht wurde. „Fue una noche de verano/ cuando yo la conocí/ y al tocar su blanca mano/ yo me estremecí" (Es war eine Sommernacht/ als ich sie kennenlernte/ ich berührte ihre weiße Hand/ und zuckte zusammen).

Buch: Pep Alba, Los 5 del Este – Història d'un grup i d'una època, Ajuntament Son Servera, 154 S. CD: Los 5 del Este – Todas sus grabaciones (1964–1967), Ramalama, 16 Euro

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