15. März 2018
15.03.2018

Videokunst auf Mallorca: Nacktheit als Idylle und als Protest

Im Es Baluard zeigt Videopionier Robert Cahen Arbeiten aus einem Workshop. Auch María Alcaraz war dabei

15.03.2018 | 15:15
Filmemacherin María Alcaraz.

Ein bisschen sei es wie im „Big Brother"-Haus zugegangen, sagt María Alcaraz über den Workshop. „Wir waren die ganze Zeit zusammen, haben gegessen, geschlafen und gearbeitet." Neun Künstler hatten sich im Oktober vergangenen Jahres in einem Haus in Deià getroffen, um vier Tage lang mit dem französischen Pionier der Videokunst, Robert Cahen, zu arbeiten. „Ich persönlich habe mich mit einem Dokumentarfilm beworben, an dem ich gerade arbeite", sagt die Mallorquinerin, die neben Dokus auch Kurz- und experimentelle Filme produziert und als Drehbuchautorin tätig ist. „Ich war vor allem an Cahens poetischer Bildsprache interessiert." Cahen begann in den 70er-Jahren Videoarbeiten zu produzieren.

Eines seiner Markenzeichen sind lange, unbewegte Einstellungen mit Handlung. So, als würde sich ein Gemälde bewegen. Mit den Teilnehmern an dem Workshop wanderte Cahen jeden Tag stundenlang durch die Tramuntana. Auf der Suche nach Einstellungen, nach Material, das sich verarbeiten lässt. Dabei fungierte Cahen sowohl als Lehrer und Mentor als auch als Künstler, der sogar seinen eigenen Bildregisseur mitgebracht hatte. „Er hatte ganz
klare Ideen von dem, was er wollte", sagt Alcaraz.

Ab Donnerstag (15.3.) werden die Arbeiten im Museum Es Baluard in Palma gezeigt. Sowohl die des Altmeisters selbst als auch jene seiner Studenten. Alcaraz ist gleich zweimal dabei. Ihr Dokumentarfilm, mit dem sie sich für den Workshop beworben hat und der über den US-Poeten Robert Creeley handelt, der in den 50er-Jahren von Banyalbufar aus das ­Magazin „Black Mountain Review" herausgab, befindet sich noch in der Finanzierungsphase.

Stattdessen zeigt sie eine dreiminütige Serie an Landschaftsaufnahmen. Es ist eine Studie. „Cahen und ich haben und über meinen Stil ein wenig in die Haare gekriegt. Er schätzt ein absolut stilles Bild, während ich ohne Stativ in die Berge gezogen bin, sodass meine Bilder immer ein wenig verwackelt sind", erzählt die Videokünstlerin, die bereits im Alter von acht Jahren mit der Super-Acht-Kamera ihrer Schwester anfing, Filme zu drehen. „Ich bin es zudem gewohnt, erst zur Kamera zu greifen, wenn ich einen fertigen Text und einen Plan habe. Cahens Ansatz, einfach in die Tramuntana zu ziehen und zu filmen, wenn man etwas sieht, hat mich ein wenig aus dem Konzept gebracht. Ich musste eine Kontrolle aufgeben, die ich gerne habe."

Zum anderen wird sie in dem Beitrag der iranischen Künstlerin Mana Salehi zu sehen sein, der ebenfalls beim Workshop entstand. „Salehi zeigt in ihrem Film zwei Frauen beim Wasser schöpfen. Wir haben uns gegenseitig gefilmt. Sie ist komplett in Weiß gekleidet, ich bin komplett nackt."

„Feministisches Manifest"

Es ist nicht das einzige Mal, dass Alcarazs Körper diese Woche nackt in einer Ausstellung zu sehen ist. Ebenfalls am Donnerstag findet ab 19 Uhr im Kulturzentrum Casa Planas das feministische Minifestival „Pink Riot Fest" statt. Dort zeigt Alcaraz ihre Videoarbeit „Poner el cuerpo" (Den Körper einsetzen). „Während Salehis Arbeit eher eine Idylle zeigt, ist diese Arbeit ein linkes, feministisches Manifest", sagt Alcaraz. „Es ist eine ganz andere Bildsprache. Ich filme mich selbst." Das Video handelt von der Sicht der Gesellschaft auf den weiblichen Körper. „Er wird begehrt, aber gleichzeitig zensiert. Zudem befasse ich mich damit, wie wir Frauen unseren Körper einsetzen. Es ist nicht dasselbe, sich über Whatsapp solidarisch mit einer Sache zu erklären oder sich selbst zu einer Demonstration zu bewegen. Also wie der Titel schon sagt, seinen Körper einzusetzen."

Robert Cahen habe ihr im Laufe des Workshops gesagt, dass sie sich das Leben schwermache, indem sie immer alles intellektualisiere. „Aber ich kann nicht anders. Natürlich gibt es Künstler, die etwas erschaffen, weil sie es schön finden, und gut ist. Aber für mich ist Kunst immer eine Auseinandersetzung mit dem Leben."

Ihren Dokumentarfilm über Creeley, den sie als Kunst­geschichtsstudentin selbst noch 1998 als Gastdozenten an der Balearen-Universität (UIB) erlebt hat, will sie noch in diesem Jahr fertigstellen. „Die langen Wanderungen, die wir während des Workshops in der Tramuntana unternommen haben, waren nicht nur für die visuellen Elemente meines Filmes hilfreich." Sie sei dabei auch dem Protagnisten selbst näher­gekommen. „Robert Creeley inspirierte sich ebenfalls durch lange Wanderungen in der Tramuntana. Das ist auch das, was den Bewohnern von Banyalbufar, die damals schon am Leben waren, als Erstes über ihn einfällt."

Robert Cahen, diverse Künstler. „Paisatges – Reproductibilitat 2.4", Es Baluard, Vernissage 15.3., 20 Uhr, bis 15.4.
Pink Riot Fest, Casa Planas, 15.3., 19 Uhr, Zudem ist bis 17.3. eine Installation von Alcaraz in der Ausstellung „Rebels amb causa" in Sa Quartera in Inca zu sehen.

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