Arbeiten unter der Sonne

08-07-2008  
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Sonnen ja, baden nein. Wer am Strand arbeitet, hat zur Muße wenig Zeit. Francisco Piza betreibt mit Sohn Miguel einen Chirin-guito in Ses Covetes.  Foto: Terrassa

JUTTA CHRISTOPH Von morgens bis abends am Strand schaffen, sieben Tage die Woche. Ein Traumjob mit Sonnengarantie, oder? Bei einem Spontan-Besuch an der Playa Ses Covetes sind jedenfalls nur fröhliche Gesichter zu sehen. Im chiringuito (Strandbar), am Liegestuhlverleih und im Hochstand der Rettungsschwimmer auch. Aber die Saison hat ja gerade erst begonnen.

Nur José Vicente schaut schon jetzt etwas verkniffen. Der Mallorquiner fährt orangefarbene Gasflaschen aus, seit er denken kann. In der Sommersaison beliefert er die Strandbars an Mallorcas Ostküste. Zwischen den Aufträgen mal kurz im Meer abzutauchen, das kommt natürlich nicht in Frage. Aber ein Kräuterschnaps auf Eis ist immer drin. Auch in Ses Covetes.

Vom Acker an den Strand
„Man kennt sich eben“, sagt chiringuito-Besitzer Francisco Piza und schenkt nach. Seit 15 Jahren betreibt der 58-Jährige eine Strandbar, in diesem Sommer wieder in Ses Covetes. „Die Lizenz wird jede Saison neu vergeben“, erklärt der Familienvater mit Sieben-Tage- Woche. Urlaub zu machen, das ist in der Saison – von Ostern bis Oktober – nicht drin. Und in den übrigen Monaten auch nicht. Im Winter arbeitet Francisco Piza als Landwirt auf den Feldern von Campos.

Doch jetzt ist Mitte Juni und der Winter weit weg. „Das ist ein toller Strand hier“, schwärmt Piza, der schon als Kind mit dem Fahrrad nach Ses Covetes zum Baden gefahren ist. „Es kommen jede Menge nette Leute.“ Und viele hübsche Mädels, fällt ihm Miguel ins Wort.

Mit seinen 24 Jahren ist Pizas Sohn bereits ein alter Hase im Strandbuden- Geschäft. „Seit meinem fünften Lebensjahr habe ich die Sommer im chiringuito verbracht.“ Inzwischen trägt er auch Verantwortung für den Laden, muss morgens um sieben Uhr aufstehen und einkaufen, was tagsüber gebraucht wird. „Meine Mutter kocht alles frisch, vorbereitete Sachen gibt‘s bei uns nicht“, sagt er. Catalina Piza führt das Küchen-Regiment. Ihre Spezialität ist Paella mit Meeresfrüchten. Der Fisch wird morgens fangfrisch in Colònia de Sant Jordi gekauft.

Bis zu zehn Leute arbeiten in der Hochsaison im Juli und August bei Francisco Piza, dann ist die Bar rund um die Uhr von 9 bis 21 Uhr geöffnet. Freitags und samstags sogar bis spät in die Nacht. Dann kommen auch Familienfreunde zum Essen und Plaudern vorbei. „Bei uns geht‘s international zu“, erzählt Piza. Dass Kollegen von einer anhaltenden Krise des Geschäfts sprechen, kann er nicht nachvollziehen. „Es gab doch immer ein Auf und Ab in den vergangenen fünf Jahren, das ist ganz normal.“ Auch der Lkw-Streik habe ihn nicht betroffen. „Wir bieten fast ausschließlich mallorquinische Produkte an, das macht uns unabhängig.“ Abhängig ist seine Familie nur vom Wetter. Am Strand funktioniert eben alles über die Sonne, und wenn die fehlt, fehlen auch die Einnahmen. So wie im Regen-Monat Mai.

Den hat auch Oliver Blumhoff in unguter Erinnerung. Der gebürtige Düsseldorfer lebt seit zwölf Jahren auf Mallorca und vermietet an der Playa Ses Covetes Sonnenschirme und -liegen. Es ist seine zweite Saison, und die kam wegen der vielen Regenfälle im Mai nur schwer in Gang. „Für einen Traumjob bekomme ich am Ende zu wenig Geld raus“, sagt der 44-Jährige. Trotzdem gefällt ihm die Arbeit, sie passt in sein Lebenskonzept. „Auf Mallorca habe ich mehr persönliche Freiheiten als in meiner alten Heimat, die Lebensqualität ist für mich jetzt höher.“ Um elf Uhr spannt er die Schirme auf, in der Hochsaison eine Stunde früher. Mittags isst er bei seinem Chef, der neben Sonnenschirmen auch ein Restaurant in Ses Covetes besitzt. Pünktlich um 18 Uhr verlässt Oliver Blumhoff sein Open-Air-Büro, einen mit Palmenblättern gedeckten Unterstand. „Erst später am Abend räume ich auf, wenn alle Gäste weg sind.“ Praktisch, dass er den Strand vom Fenster seiner Wohnung aus beobachten kann.

Wo bleiben die Frauen?
Wenn Matias Vilar alles im Blick behalten will, klettert er auf seinen hölzernen Hochsitz. Der Argentinier ist ausgebildeter Rettungsschwimmer und seit zwei Wochen am Es-Trenc-Strand. „No pasa nada“, sagt der 20-Jährige und klingt enttäuscht. Immerhin sei sein Job gut bezahlt, rund 1.300 Euro verdiene er monatlich, bei einem Acht-Stunden-Tag mit drei freien Tagen im Monat. Noch ein Unterschied zwischen Ses Covetes und Mar del Plata, dem größten Seebad Argentiniens, aus dem Vilar stammt: „In meiner Heimat ist Mund-zu-Mund-Beatmung üblich, hier habe ich für den Notfall ein Beatmungsgerät im Erste-Hilfe-Koffer.“ Seine Augen blicken in die Ferne, dann zu den Felsen von Ses Covetes rüber, die an einer Stelle bis ins Meer ragen. Auch dort ist alles in Ordnung. Vilar hält auch Ausschau nach jungen Frauen im Bikini. „Die kommen schon noch“, sagt Vilar und zeigt beim Lachen eine Reihe schneeweißer Zähne.

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