Hermine und ihre 9.125 Mallorca-Tage

13-11-2008  
Beim doppelten Jubiläum war auch Hermines 86 Jahre alte Mutter Theresa.
Beim doppelten Jubiläum war auch Hermines 86 Jahre alte Mutter Theresa.  Foto: Karl Hofer

KARL HOFER Im stets im Wandel begriffenen Gastgewerbe von Peguera ist Hermine Reisinger wie ein Fels in der Brandung. Vergangene Woche gab es zweifachen Grund zum Feiern: Die österreichische Wirtin wurde 50, und sie ist seit 25 Jahren auf der Insel. Ihr neuestes Projekt: das Restaurant „Per Vosté – Für Sie“.

Eigentümliches tat sich am vergangenen Donnerstag kurz vor der Geisterstunde am ­Palmira-Strand in Peguera: An die 300 Leute scharten sich mit Cava-Gläsern um weiß gedeckte Tische. Freudig-erwartungsvolles Tuscheln. Dann ein Kanonenkracher. Nun leiteten zwei einstige Mitglieder des legendären Hazy- Osterwald-Sextetts mit Trompete und Posaune den Festakt ein. Aus 300 Kehlen brauste ein kräftig gesungenes Happy Birthday auf, ein zehnminütiges Feuerwerk über dem Strand schloss sich an. Später schaffte sich der Chor des Singkreises Mallorca Gehör, ein Lichterherz im Sand wurde angezündet und ein Heißluftballon in Herzform in den nachtschwarzen Himmel geschickt – dies alles zu Ehren von Hermine Reisinger, jener Frau, die in Peguera seit einem Vierteljahrhundert im Gastgewerbe tätig ist und ein kleines Wunder vollbrachte: Seit zwei Jahrzehnten ist ihr Lokal „Bei Hermine“ die Begegnungsstätte und die gesellschaftliche Drehscheibe im Ort.

Wie sehr diese Frau geschätzt wird, zeigte sich nicht minder eindrücklich an der Multi-Kulti-Party, zu der Hermine zur Feier ihres Doppeljubiläums – 50. Geburtstag und 25 Jahre Mallorca-Tätigkeit – am Samstag einlud. Dermaßen viele Gäste hatten sich angemeldet, dass neben dem Lokal temporär ein Festzelt aufgebaut werden musste. Zahlreiche Stammgäste waren für den Anlass extra aus ihren Heimatländern auf die Insel geflogen. Unter ihnen neben Deutschen, Schweizern und Österreichern auch ein Schwede.

Wer ist diese Frau, die sich im nur zu oft von Wechseln und allerlei Turbulenzen betroffenen Gastgewerbe von Peguera etablieren konnte? Die Österreicherin erzählt mit verschmitztem Lächeln: „Am 7. November 1958 war meine damals hochschwangere Mutter auf einem Feld mit dem anstrengenden Ernten der Rüben beschäftigt. Zur Mittagsstunde platzte die Fruchtblase, die Wehen setzten ein, dreiviertel Stunden später erblickte ich im Dörfchen Rothleiten bei Graz das Licht dieser Welt.“ In diesem Ort wuchs Klein-Hermine denn auch zusammen mit fünf Geschwistern in einfachen jedoch glücklichen Verhältnissen auf und bildete sich nach der Schulzeit im Hotel- und Gastronomiegewerbe weiter. Mit 25 Jahren bekam sie eine Stelle in einem neuen Tenniscenter in Peguera angeboten, griff in jugendlicher Begeisterung sofort zu, ohne den Vertrag genau zu studieren. „Wie so viele andere, die hier im Süden ihr Glück versuchen“, sagt sie in der Rückschau, „zahlte ich viel Lehrgeld.“ Doch Hermine kämpfte, übernahm bald ein eigenes Lokal und arbeitete sich nach oben. Ihre Freundlichkeit, ihre Umsicht, ihre positive Lebenseinstellung und ihr Leistungswille kamen gut an. Ihr Lokal, anfangs nur Treffpunkt und Begegnungsstätte, wurde für viele Stammgäste mit den Jahren zu einem eigentlichen Stück Heimat in der Fremde. Mit viel organisatorischem Geschick bietet die Österreicherin seit eh und je ihren Gästen allerlei Abwechslung an. So richtete sie schon mehrmals Benefiz-Veranstaltungen aus, deren Reingewinne an gemeinnützige Organisationen zu gehen pflegen. Tradition ist natürlich auch das von ihr immer am 6. November eingerichtete Golfturnier, an dem diesmal rund 70 ihrer sportlichen Stammkundinnen und Stammkunden teilnahmen.

Am 3. Oktober hat für Hermine ein neuer beruflicher Lebensabschnitt begonnen. Neben ihrem Lokal eröffnete sie in unmittelbarer Nähe das Restaurant „Per Vosté – Für Sie“ und stellt sich damit dem in Peguera nicht einfachen Kampf um die essende Kundschaft. Dazu Hermine: „Ich besitze dieses Lokal schon seit 16 Jahren, habe also Zeit genug gehabt, mir alles gut zu überlegen.“ Für den Umbau wurde ein Architekt und ein Ingenieur zugezogen, für die Ausgestaltung des Restaurants zeichnet Hermine verantwortlich. Das Lokal ist gediegen eingerichtet, eignet sich für einen festlichen Ausgang, die Preise sind sehr annehmbar. Das Konzept besticht: Auf der Speisekarte gibt es ein verhältnismäßig kleines Angebot, dafür wird alles frisch und in bester Qualität zubereitet. Derzeit kann man aus fünf Vorspeisen, fünf Fleisch-, vier Fischgerichten und zwei Nachspeisen auswählen. Nach gewissen Anlaufschwierigkeiten in der ersten Woche mit einer leicht überforderten Küche und langen Wartezeiten hat sich seither alles gut eingespielt, und auch dieses, bislang wochentags ab 19 geöffnete Lokal scheint zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt heranzuwachsen. Ab Weihnachten ist zusätzlich noch ein Mittagstisch geplant.

Doch zurück zum Jubiläums­wochenende. Die Gäste bewiesen mit vielfältigen Geschenken, wie sehr sie die Österreicherin schätzen. Neben großzügigen Geldspenden erhielt Hermine beispielsweise ein Bild des bekannten österreichischen Malers Karl Moderer, die Stammgäste Monika und Max Kreidel übergaben einen digitalen Bilderrahmen mit einer Bilderfolge aus 25 Jahren. Es wurden Pflanzen zuhauf, Schmuck, Kerzenständer, Gutscheine und Süßigkeiten überreicht, Juwelier Barok spendierte eine schöne Uhr. Ein Porträt von Hermine sticht aus dem Gabentisch ganz besonders hervor. Gemalt wurde es von Karin von Appen, Freifrau aus Hamburg. In der Widmung schrieb sie, sozusagen stellvertretend für alle Stammgäste: „Mit Dank für Ihre Unermüdlichkeit für jeden von uns.“

Eine Unermüdlichkeit, die ihren Preis hat, wie Hermine mit einem lachenden und einem weinenden Auge gesteht: „Ich habe seit der Eröffnung des Restaurants sechs Kilogramm abgenommen.“

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