Auf eine Partie mit Herrn Behrend

14-11-2008  
Pokerface, auch beim Backgammon: Horst Behrend
Pokerface, auch beim Backgammon: Horst Behrend Privat

CIRO KRAUTHAUSEN Erst im Mardavall, jetzt im Arabella Sheraton Son Vida: Seit fünf Jahren gibt es sie schon, die Backgammon-Lounge des Hamburger Privatiers Horst Behrend. Grund genug, einmal bei ihm vorbeizuschauen.

Es ist kurz nach halb neun abends an einem Dienstag im Herbst. Horst Behrend hat es geschafft. Der kulturbeflissene Privatier, ausgebuffte Blackjack-­Experte und in allen Lebenslagen leidenschaftliche Spieler hat den Journalisten in seine Höhle, pardon, das Foyer des Golf Hotels Son Vida gelockt. Mit geschliffenen Pressemitteilungen, schmeichelnden Worten, aber auch geschickten Sticheleien und dem einen oder anderen Bluff („Ihre Konkurrenz hat aber …“).

Jetzt steht er also da, der Journalist. Und setzt sich erst mal an einen Tisch.

Nur ein kleines Häufchen Spieler, noch nicht einmal ein Dutzend, hat sich an diesem Abend zur Backgammon-Lounge eingefunden. Vielleicht liegt es daran, dass der fünfte Jahrestag des Treffs gerade mit einem kleinen Cocktail gefeiert wurde, vielleicht an dem regnerischen Wetter. Sonst seien häufig zwischen 10 und 15 Spieler da, manchmal auch deutlich mehr. Die Fluktuation sei groß, es käme immer ganz anders als erwartet. „Da steckt kein System dahinter“, sagt Herr Behrend und wirkt ein wenig unzufrieden.

Ein Anfänger-Pärchen wird gerade von Frau Behrend in die Spielregeln eingewiesen. Der Journalist ist schon ein bisschen weiter, hat vor Jahren häufiger gespielt, kriegt den Aufbau der Steine und die taktischen Grundzüge noch hin. Reichen tut das nicht: Ein freundlicher deutsch-iranischer Pensionär fegt ihn gleich zu Beginn 3:0 vom Brett. Während der eine – der Journalist – die gewürfelten Augenzahlen noch mühsam Zacken für Zacken, Fingerzeig für Fingerzeig auf das Brett übertragen muss, ist dem anderen – dem Pensionär – das Spiel schon so ins Blut übergegangen, dass er die Steine in Sekundenschnelle fortbewegt – und leider auch abräumt.

Geredet wird nicht viel, zumindest nicht, solange die Würfel im Spiel sind. Man muss schon aufpassen. „Backgammon-­Spieler sind Leute, die Freude an der strategischen Herausforderung haben“, sagt Herr Behrend. Und diese Freude ist unabhängig vom Beruf, Geschlecht oder deutschen oder mallorquinischen Wohnort: In der Backgammon-Lounge spielen Ärzte und Künstler, Unternehmerinnen und Immobilienmakler, Filmschaffende und Ökolandwirtinnen. Jeder ist willkommen, alle Spielniveaus sind vertreten – die meisten sind mittel­gute Spieler –, und die einzige Voraussetzung zur Teilnahme ist die Entrichtung von zehn Euro Tisch­gebühr, sozusagen der kleine Obolus an Herrn Behrend, der den ganzen Laden schmeißt und die professionellen Spielbretter stellt. Um Geld gezockt wird nicht. Eigentlich nicht. „Wenn es um gar nichts geht, ist das auch nicht mehr interessant“, sagt Herr Behrend vieldeutig. Ein kleiner Einsatz diszipliniere das Spiel.

Doch die Presse zockt nicht. Nicht, als sie – inzwischen warmgespielt – die Ökolandwirtin besiegt, und nicht, als sie sich mit dem Lounge-Betreiber persönlich misst. Herr Behrend nimmt das zunächst ganz entspannt, unterhält sich beim Würfeln: Backgammon bestehe zu 60 Prozent aus Strategie, zu 40 Prozent aus Glück, sagt er.

Strategie: Es gebe Grundregeln, wie die, dass es zu Beginn 15 mögliche Würfelkombinationen gibt – und nur eine davon nachweislich die beste ist. Oder dass, wenn man schon einen Stein alleine lassen muss, ihn bis sechs Augen möglichst dicht, ab sieben Augen möglichst weit entfernt vom Gegner setzen sollte, um nicht erwischt zu werden. „Wahrscheinlichkeitsrechnung. Da ist System drin“, sagt Herr Behrend und wirkt zufrieden.

Aber da sind ja noch die 40 Prozent Glück. Langsam, aber sicher würfelt sich der Journalist an Herrn Behrend heran. Der wird auch noch im richtigen Moment abgelenkt: Ein unflätiger Schweizer Jass-Spieler muss daran gehindert werden, einen der für die Lounge reservierten Tische zu kapern. Herr Behrend wird zunehmend nervös, macht Fehler. Nicht so der Journalist. 3:3, 4:3, am Ende verhilft ein Fünfer-Pasch dem Anfänger zum Sieg über den Profi.

Aber vielleicht gibt der Journalist Herrn Behrend ja noch mal eine Revanche.

Jeden Dienstag ab 20 Uhr im Foyer des ArabellaSheraton Hotels Son Vida. www.backgammon-lounge-mallorca.de

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