WOLFGANG SCHÖNBORN Auf der kurvig schönen Straße von Palma nach Puigpunyent lassen sattes Grün und schroffe Felswände die Erwartungen steigen. Das Weingut Son Puig steht auf der Besuchsliste. Kurz vor Puigpunyent führt eine kleine Straße zum etwas erhöht liegenden Gut. In Son Puig kündigt die Schäferhunddame Chati mit Gebell den Besuch an. Weinliebhaber mit Hundephobie können sich jedoch entspannen. Chati ist ganz lieb. Sofort wird deutlich, warum man in Son Puig postkartengroße Visitenkarten gedruckt hat. Das Weingut vermittelt die Atmosphäre einer heilen Welt. Die Landschaft ist ursprünglich, die Gemäuer mittelalterlich, hier könnte man eine Seifenoper drehen, vielleicht etwas wie „Die Guldenburgs“ auf mallorquinisch.
Zu der gleichen Ansicht kam auch eine Madrider Produktionsfirma, als sie einen Außendrehort für die Telenovela „Llàgrima de sang“ (Träne aus Blut) suchte, eine für das balearische Regionalfernsehen IB3 produzierte Fernsehserie um das Leben einer Winzerfamilie. Doch Raimundo Alabern, der Besitzer von Son Puig, lehnte das Angebot der Fernsehleute ab. „Mit der Ruhe wäre es dann hier vorbei gewesen“, erzählt der 66-Jährige. Die blutige Träne floss schließlich in der mallorquinischen Großbodega Macià Batle.
Auf Son Puig konzentrierte man sich indessen aufs Geschäft. Vier Weine haben Winzer Alabern und seine Tochter Isabel im Angebot. Ein Weißen aus Chardonnay- und Prensal-blanc-Trauben, im Fass gereift, mit einer für einen Weißwein recht dunklen Farbe. Und drei Rote, kombiniert aus Cabernet Sauvignon, Merlot und der heimischen Callet-Traube. Die Preise der Weine liegen zwischen 5 und 12 Euro. 30.000 Flaschen produziert die Familie Alabern pro Jahr, damit zählt man zu den kleineren Weingütern auf Mallorca. Das Doppelte soll es einmal werden, sagt Raimundo Alabern, aber dafür müsste Mallorca-Wein insgesamt an Marktanteilen zulegen.
Damit etwas mehr Verdienst hängen bleibt, ist die Winzer-Familie bemüht, möglichst viel direkt an Kunden zu verkaufen. Dabei ist die Attraktivität von Son Puig eine große Hilfe. Besonders die Ausländer kämen auf das Gut, erzählt Isabel, nicht nur zum Weinkauf, sondern auch um sich alles zeigen zu lassen, von der historischen Kapelle, über ein tief gelegenes Verlies aus Zeiten der Sklavenarbeit, alte Werkzeuge bis zu den neuen, komplett in die alten Gebäude integrierten Anlagen für die Weinproduktion. Früher habe man diese Führungen umsonst gemacht, aber mit dem zunehmenden Besucherstrom sei der Weinverkauf zu stark ins Hintertreffen geraten.
Heute verlangt man auf Son Puig 15 Euro pro Person, einschließlich Weinverköstigung. Sollen auch noch ein paar mallorquinische Häppchen gereicht werden, kostet der Rundgang 25 Euro. Nicht selten sei man mit einer Gruppe drei Stunden beschäftigt, so Isabel Alabern. Manche Gäste hätten schon Wein gekauft, um dann Stunden auf der Terrasse zu sitzen und die Atmosphäre zu genießen.
Das Konzept geht auf. Rund die Hälfte des Umsatzes macht die Winzerfamilie mittlerweile mit dem Direktverkauf. Dennoch wolle man keinen Massenbetrieb, sagt Winzer Alabern. Große Busladungen würde man nicht abfertigen wollen. Son Puig sei ein kleiner Familienbetrieb. Und so soll es bleiben.
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