Die Bäckerei Ca‘n Miquel in Palma

09-07-2009  
Ein Laden aus einer anderen Zeit.
Ein Laden aus einer anderen Zeit.  Foto: Terrassa

WOLFGANG SCHÖNBORN Manchmal können Zeitreisen ganz einfach sein. Wer zum Beispiel ins Mittelalter möchte, der begebe sich in die Straße Pelleters Nummer 8 in der Altstadt von Palma. Dort, im Ca‘n Miquel, geht der Bäcker Miquel Pujol seinem Handwerk nach. Pujols Spezialität sind Teigwaren wie Mallorcas Verkaufsschlager, das Fettgebäck Ensaimada, aber auch Croissants oder Coca, eine Art mallorquinischer Pizza. Auf Spanisch nennt man diese Betriebe horno, auf Katalanisch forn, was in beiden Fällen schlicht Ofen bedeutet.

Natürlich heißen sie nicht nur Ofen, sie haben auch einen. Einen heißen zumeist, in diesem Fall aber vor allem einen alten. Der Ofen von Miquel Pujol stammt aus dem Jahr 1565, „mit Papieren“, wie der Bäcker versichert. Man ist versucht zu fragen, ob die Einrichtung des Geschäftes aus dem gleichen Jahr stammt. Für solche Gedanken scheint Pujol ein Gespür zu haben. „Wir haben hier jedes Jahr eine Hygiene-Inspektion“, sagt er. Pujol sieht selbst so aus, als komme er aus dem 16. Jahrhundert. Er ist ein gro-ßer, schwerer Mann. Sein Körper hat die Form einer Boje. Er trägt ein ausgeleiertes, von der Arbeit zerschlissenes T-Shirt und eine knielange Hose, die so schlabberig sitzt, das man meinen könnte, es sei ein Rock. Die Füße stecken in mallorquinischen Sandalen. Insgesamt ein Hingucker. Und zwar in mehrfacher Ausführung. Etliche Porträts des Bäckers zieren die Wände, auf einem Gemälde ist er als Riese mit einer Ensaimada in der Hand zu sehen.

Seit 46 Jahren steht er hinter dem Verkaufstresen. Vorher standen dort seine Eltern, und davor deren Eltern. Ein Kunde kommt herein und sagt: „Hola Miquel, ¿com va? Hallo Miquel, wie geht‘s? Miquel gibt sich einsilbig: „Va“ (geht), sagt er. Besonders gut scheint es nicht zu gehen, zurzeit. Seine wichtigsten Kunden seien die Schulkinder, die sich auf dem Weg zum Unterricht noch mit etwas Leckerem aus dem Ofen eindeckten. Das Essensgeld sei jedoch gekürzt worden, sagt Pujol, die Krise. Urlauber kämen auch kaum in das Geschäft, „höchstens wenn sich mal einer verläuft.“ Das Ca‘n Miquel liegt nicht auf einer der touristischen Wanderachsen zwischen Kathedrale, Rathaus und Plaça d‘Espanya.

Dabei bekommt man im Ca‘n Miquel eine der besten Ensaimadas Mallorcas. Und das zu einem annehmbaren Preis. Richtig was los ist in Pujols Ofen nur am 25. Dezember. Dann kommt die Nachbarschaft und gart dort ihre Spanferkelchen. Drei Stunden für 6 Euro. Im Ofen würden sie richtig saftig, sagt Pujol. Eine Zukunft sieht er dennoch nicht für den fast 500 Jahre alten Ofen. „Wenn ich in Rente gehe, ist Schluss“, sagt er. Da bleiben noch drei Jahre. „Si llegamos“ (falls wir es schaffen).

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