Der Chefredakteur als Sommerreporter: Kein Freibad in Ullaró

17-09-2009  
Catalina Rebassa mit Fragesteller, Astrid Wolter vor ihrem Landhotel Refugi Son Pons, merkwürdige Gerätschaft im Garten von Ataúlfo de la Plana Pérez, die Neu-Ullaronesen Antonio García und Manuela Hortas, eindeutiger Ortsnachweis (v.li. im Uhrzeigersinn).
Catalina Rebassa mit Fragesteller, Astrid Wolter vor ihrem Landhotel Refugi Son Pons, merkwürdige Gerätschaft im Garten von Ataúlfo de la Plana Pérez, die Neu-Ullaronesen Antonio García und Manuela Hortas, eindeutiger Ortsnachweis (v.li. im Uhrzeigersinn).  Fotos: CK

CIRO KRAUTHAUSEN Zehn Wochen lang hat an dieser Stelle der Chef seine Reporter in die Walachei geschickt. Zum Abschluss unserer Serie wird der Spieß umgedreht.

Reiseziel Ullaró. Endlich bin ich die Mischpoke eine Weile los. Ein paar schöne CDs mit ins Auto, Klimaanlage an, los geht´s. Hoffentlich gibt´s ein Freibad in Ullaró.

Auf der Karte im Handschuhfach ist der Ort nicht verzeichnet. Haben die deswegen so gegrinst? Ich komme trotzdem an. Zwei, drei Häuser, ein Kirchlein, ich biege links ab – und bin schon wieder draußen. Scheint nicht besonders groß zu sein dies Ullaró.

Wenige ­Finca-Einfahrten weiter gelange ich zu einer Urbanisation mit weißen Häuschen: Son ­Borràs. Das schaue ich mir mal an. Ein Mann sitzt auf einem Gartenmäuerchen. Antonio García ist Neu-Ullaronese. Der Rentner aus Palma lebt seit einem Jahr hier. Todo muy tranquilo. Seine Frau Manuela Hortas malt gerade ein Bild. Nein, den Lockenwickler müsse sie fürs Foto im Haar lassen, beschließen wir gemeinsam und lachen.

Auch zwei chalets weiter wird gemalt. Antonio Socias aus dem nahen Sa ­Po­b­la streicht mit seinem Bruder das Haus eines Deutschen. Herr Mühl ist gerade nicht da. Hier würden ziemlich viele Ausländer leben, meint Socias. Aber so richtig Bescheid über die Geschichte von Urbanisation und Ullaró weiß er nicht. Tòfol könne mir sicher weiterhelfen, der mit dem grauen Citroën C15 unten an der Straße.

Ich fahre zurück, sehe den C15 am Straßenrand, halte, steige aus, und mache mich auf die Suche. Ah, Tòfol, erklärt mir eine Engländerin. Der wohne den Karrenweg entlang und dann um die Ecke den Hügel hoch. Ich gelange an ein Gatter, sehe merkwürdige Apparaturen in einem verwilderten Garten und rufe Tòfol, Tòfol. Kein Tòfol erscheint.

Zurück nach Downtown Ullaró. Gegenüber der Kirche eine offenstehende Tür. Ich rufe hola. Catalina Rebassa tritt vor die Schwelle. Eine Einheimische. Sie lebe hier, seit sie zwei ist. Jetzt sei sie 64. Catalina freut sich nicht wirklich, mich zu sehen. Das Essen stehe auf dem Herd, die Kinder seien im Anmarsch. Aber halt, Catalina, ein paar Fragen noch, wen soll ich denn sonst löchern. In Ullaró gebe es noch acht alteingesessene Familien, sagt sie, gut 20 Ullaronesen seien im Rathaus in Campanet gemeldet. Nein, zu sprechen sei um diese Uhrzeit niemand. Bitte, bitte, Catalina, noch ein Foto. Sie willigt ein, es findet sich eine fotografierende Enkeltochter, wir schauen in die Kamera und sagen patata.

Einen Engländer weiter – ­Ernest Bosfield, 66, aus North-Yorkshire, macht seit zwei Jahren auf Opa, Sohn arbeitet auf der Insel, er kümmert sich um das Enkelkind – schlendere ich in die Einfahrt des ehemaligen Herrenhauses Son Pons. Ein Rottweiler kläfft, ich beiße die Zähne zusammen. Ein Türklopfer am Holztor. Es öffnet Astrid Wolter. Zusammen mit ihrer Mutter betreibt sie hier ein Landhotel mit drei ­Doppelzimmern und drei Suiten. Eisen, Stein, Holz: Renoviert und eingerichtet hat den Bau aus dem 13. Jahrhundert ihr Onkel, ein deutscher Professor für Innenarchitektur. Der kann was, der Manfred Tumfart. Astrid Wolter führt mich herum. Wir kommen zum Pool. Es ist ein schöner Pool, lang und ­schmal, mit Natursteinen ausgelegt. Ich traue mich nicht zu fragen, ob ich mal reinspringen darf.

Zu kaufen gibt es in Ullaró nichts. Astrid Wolter schlägt als Mitbringsel eine Flasche Wein aus der Hotelbar vor. Aber wir können doch auch mal trocken bleiben. Vielleicht etwas ernten? Bei Tòfol? Ich gehe noch einmal den Karrenweg hoch. Tòfol ist immer noch nicht da, aber dafür seine Frau, Juanita ­Salas, 83. Sie bittet mich herein. Ach was, sagt sie, ihr Mann habe gar keinen Citroën C15, und er heiße auch nicht Tòfol, was im Übrigen eine Abkürzung für Cristòfol sei. Er heiße Ataúlfo de la Plana ­Pérez. Mit den Deutschen im Ort verstünde sie sich gut, man habe aber auch nicht wirklich viel miteinander zu tun. Cada uno en su casa y Dios por todos. ­Alle für sich und Gott für alle.

Zu ernten gibt es nichts. Ich sehe mich genötigt, noch drei Granat­äpfel vom Baum eines vermeintlichen, aber auf jeden Fall abwesenden deutschen Polizisten mitgehen zu lassen. Und ein paar Zweige ­Rosmarin bei Astrid Wolter zu pflücken. Man will ja nicht mit leeren Händen dastehen vor den Kollegen. Das köstliche Goldma­krelen-Tumbet, das ich mir noch in der Dorfkneipe von Campanet gönnen werde, kann ich ja kaum mit ihnen teilen.

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