Schönheitskur für einen Golfplatz

10-07-2008  
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Wie aufgerollte Teppiche liegen die frisch herausgeschnittenen Rasenbahnen auf dem Grün. Sie werden an anderer Stelle wieder in den Boden eingesetzt.  A. John

Ist das denn wirklich notwendig? Da zählt der Golfplatz von Alcanada doch schon zu den schönsten Europas, wurde mehrmals international prämiert. Warum also jetzt noch einmal alle 18 Greens aufreißen? Eine Schönheits-Sommerkur?

ANDREAS JOHN ýWeit mehr als das", sagt ­Direktor Kristoff Both. Ihm selbst sei nicht wohl gewesen, als im vergangenen Mai die ersten Baumaschinen anrückten. Jetzt, rund acht Wochen nach Beginn der Arbeiten, sei er von dem Umbau aber mehr als überzeugt. Und die Pläne dafür hätten schon seit Jahren in der Schublade gelegen. ýAls der Platz vor fünf Jahren eingeweiht wurde, wussten wir, dass wir diesen Schritt irgendwann einmal tun müssten", so Both.

Denn beim Bau von Alcanada kam die Rasensorte ýPaspalum" zum Einsatz. Die kann sowohl der extremen Sommerhitze als auch dem hohen Salzgehalt des Klärwassers auf Mallorca standhalten. Das ursprünglich in der Karibik heimische Warmwetter-Gras braucht nur wenig Wasser und ist so robust, dass es selbst Unkraut von sich fernhält. Es hat aber auch einen Nachteil: Sinken die Bodentemperaturen im Winter unter zehn Grad Celsius, fällt die Pflanze in einen Tiefschlaf, von dem sie oftmals erst im April wieder erwacht. ýDie Pflanze geht dabei zwar nicht ein, verliert aber ihre grüne Farbe", erklärt Both. Und ein Green ohne Grün sei weder für ihn noch für Alcanada-Besitzer Hans-Peter Porsche akzeptabel - nicht bei einem Greenfee von immerhin 105 Euro.

Als Vorbereitung für die Erneuerung des Rasens wurde bereits vor drei Jahren eine moderne hauseigene Entsalzungsanlage in Alcanada gebaut. Im vergangenen Mai begann man schließlich mit den Umbauarbeiten auf den Greens.

Sandanalyse in Schottland
Bevor es damit so richtig losging, ließ Both jedoch erst einmal eine Probe der vorgesehenen Sandmischung für den Untergrund in ein Speziallabor nach Schottland schicken. ýDer Aufbau eines Greens ist eine Wissenschaft für sich. Es besteht aus einem Drenage-System, das rund einen halben Meter unter der Erde liegt. Darauf kommt eine 10 Zentimeter hohe Kieselstein-Schicht und schließlich eine 30 bis 40 Zentimeter hohe Sand-
schicht, eine Mischung aus feinem Kies und Torf. Die muss wiederum eine festgelegte Dichte, Porosität und Körnung aufweisen, damit das Gras darauf wachsen kann."

Nachdem man Both in Schottland die Eignung der Sandmischung attestiert hatte, wurde vor ein paar Wochen die erste der beiden Tankerladungen von jeweils 4.000 Tonnen Sand vom Festland nach Alcúdia transportiert. Auf neun Greens ist das neue Gras bereits ausgesät, bis spätestens Anfang Oktober sollen, so hofft Both, alle Greens wieder in Betrieb genommen werden.

ýWir wollen unseren Gästen mit den neubegrünten Greens in Zukunft ein noch höheres Qualitätsniveau als bisher bieten können", sagt der Direktor. Und dieser Anspruch rechtfertige eben nicht nur den immensen Aufwand, sondern auch die nicht unbeträchtlichen Kosten für den Umbau.

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