Sommerausflug mit dem Ballon: Den Weg kennt nur der Wind

31-07-2008  
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Neulinge werden nach der Landung mit Sekt getauft (links außen). 8.500 Kubikmeter Luft fasst Spaniens größter Ballon. Karl-Heinz Eiferle

Es ist 6.30 Uhr, die aufgehende Sonne tut sich noch etwas schwer, die hartnäckigen Frühnebelfelder in der Ebene von Manacor zu durchdringen. Ein gutes Dutzend verschlafener Gestalten wartet im fahlen Licht der Dämmerung vor einer Art Hangar darauf, dass das große Tor sich öffnet. Heißluftballon-Fahren ist eine verdammt frühe Angelegenheit. Der Thermik wegen.

KARL-HEINZ EIFERLE Keine fünf Minuten später trifft das Team von Mallorca Balloons ein. Ricardo Aracil steigt aus einem der Fahrzeuge, die später die Ballons vom Boden aus verfolgen werden. Denn bei dieser luftigen Reise gibt es nur One-Way-Tickets. Wo der Ballon landen wird, bestimmt maßgeblich der Wind.
ýWir haben halb- und ganzstündige (130 und 150 Euro) Fahrten im Programm. Aber meistens dauern sie dann doch länger", weiß Ricardo aus Erfahrung. Der 43-Jährige ist mit 2.500 Flugstunden einer der erfahrensten Ballon-Piloten Europas und sogar amtierender spanischer Vizemeister im Ballonfahren. 70.000 Passagiere hat er in den vergangenen 20 Jahren bereits durch den mallorquinischen Luftraum befördert.

Bevor es losgeht, lässt Ricardo einen mit Gas gefüllten Luftballon steigen, um Thermik, Windstärke und Richtung zu testen. Zuerst fliegt das rote Bällchen senkrecht hoch und wird dann bei etwa 80 Metern von einem starken Luftstrom nach Westen weggezogen. ýOkay, das klappt. Allerdings bläst es da oben ganz gut. Das wird eine flotte Fahrt."

Ballonhüllen und Körbe werden aus dem Hangar gerollt, Propangasflaschen geschleppt und auch die Passagiere in die Vorbereitungen eingespannt. Große Brenner fauchen lautstark in den erwachenden Tag. Mächtige Ventilatoren blasen die heiße Luft in die Ballons, bis diese völlig aufgebläht in den Himmel ragen.

Dann geht alles sehr schnell. Jeder besetzt seinen ihm zuvor zugewiesenen Platz im Korb. ýSollte es bei der Landung etwas holprig werden, stellen sich die Schweren in Fahrtrichtung nach vorne, damit sie nicht auf die Leichten fallen. Wir nennen das windige Landung. Dabei kann es Bum, Bum, Bum machen, und wir purzeln durcheinander und lachen uns kaputt." Aber das passiere fast nie.

Lautlos schwebt der Ballon empor und wird vom Wind fortgetragen. Die Gruppe ist nun den Elementen völlig ausgeliefert. Fluggefühl stellt sich ein. ýBei guter Sicht sehen wir Menorca und Cabrera", verspricht Ricardo optimistisch. Aber dafür ist es heute zu diesig. Auch die Tramuntana stellt sich nur schemenhaft im Norden dem Fernblick in den Weg. Inzwischen ist auch die zweite Gruppe gestartet. Ihr Korb hängt unter dem größten Heißluftballon Spaniens. 8.500 Kubikmeter fasst der Riese. Auch sie nehmen ruckartig in der oberen Luftschicht Fahrt auf.

Die Sonne entfaltet immer mehr ihre Kraft und der Ballon wird von seinem eigenen Schatten verfolgt. Dutzende Kaninchen unter uns suchen panisch das Weite. Ein Bauer, der ans frühe Aufstehen sein Leben lang gewöhnt ist, füttert die Schweine im Hof. Im schicken Landhotel zur Linken rührt sich nichts. ýDa wohne ich", scherzt Ricardo. Und dann kommt für die meisten Passagiere etwas völlig Unerwartetes. Ronald Barren, ein junger Brite, hält um die Hand seiner Geliebten Luise an, wie es romantischer kaum sein könnte. Und unter dem Beifall aller im Korb haucht sie verliebt: ýYes."
Da hat er gerade noch rechtzeitig seinen Mut zusammengenommen, denn die grandiose Fahrt neigt sich schon ihrem Ende zu. Immer wieder wirft Ricardo den Brenner an, um den Ballon über Bäume und Stromleitungen hinwegzuheben. Im Korb dröhnt das Teil noch wesentlich lauter als am Boden, und die großen Passagiere grillen sich fast ihre Ohren. Über Funk koordiniert Ricardo das Bodenteam und lotst es auf den richtigen Feldweg.

Alles klar zur Landung. Aber ganz klar ist es dann doch nicht. ýWindige Landung!", schreit Ricardo plötzlich. Ronald und Luise bereiten sich verliebt auf ihren ersten intensiven Körperkontakt nach dem Eheversprechen vor. Die anderen sind ein wenig orientierungslos. Wo sollten die Schweren gleich hin, und wer ist hier eigentlich schwer? Dann kommt es genau so, wie Ricardo es beschrieben hatte. Es macht Bum, Bum, Bum. Der Korb kippt, wird über den Boden geschleift, alles purzelt durcheinander, und nach dem Geschleife und diversen ýUffs" wird tatsächlich gelacht. Nicht schallend laut, aber immerhin.

ýWenn wir wieder in der Basis sind, bitte nicht gleich weglaufen. Es gibt noch eine Überraschung." Tatsächlich köpft Ricardo dort eine Flasche Sekt. ýEin bisschen wenig für so viele", sorgt sich ein Teilnehmer um seinen Schluck. Aber geschluckt wird nicht. ýJeder, der zum ersten Mal Ballon gefahren ist, wird nun getauft. Und wehe es drückt sich einer", ertönt Ricardos letzter Befehl, und alle bücken den Kopf. Zum Glück ist es trockener Sekt, der klebt nicht so im Haar.

Mehr Infos zu den Ausflügen im Heißluftballon unter www.mallorca
balloons.com.

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