Müll statt Doraden: Die etwas anderen Fischer der Insel

04-09-2008  
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Mit einer Art Schaumteppich wird im Ernstfall Öl neutralisiert (oben). Ein Boot der Pelikanklasse säubert vor der Kathedrale das Meer. Karl-Heinz Eiferle

KARL-HEINZ EIFERLE Von 6.30 bis 15 Uhr durchpflügt Winfried Klefisch mit zwei kleinen, hydraulisch in alle Richtungen drehbaren Netzen das Meer. Vom Kap Enderrocat bis zum Hafen von Palma und wieder zurück. Bei Sonnenschein und Regen. Sechs Mal pro Woche, von Anfang Juni bis Ende September. Nur bei Sturm und hohen Wellen fährt er nicht hinaus. Und er ist froh, wenn er nichts fängt. Aber das kommt eigentlich nie vor.

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag, Klefisch ist kein Fischer, sondern im Auftrag der Balearen-Regierung unterwegs, um den ihm zugewiesenen Küstenabschnitt von jeder Art Treibmüll zu befreien. Der 66-jährige Deutsche ist Kapitän auf einem der 39 Müllboote, die die balearischen Gewässer in den Sommermonaten säubern. Steuermann und Matrose ist er in Personalunion auch, denn die Besatzung seines Räumfahrzeugs besteht nur aus ihm. Sein Basishafen ist an der Playa de Palma, nicht weit von seiner Wohnung entfernt.

Seit das öffentliche Programm zur Säuberung der küstennahen Gewässer vor fünf Jahren initiiert wurde, ist Klefisch dabei. „Einer unserer besten Männer", lobt der Chefkoordinator der Flotte, José María Aguiló, den gebürtigen Düsseldorfer, der fast auf den Tag genau seit 40 Jahren auf Mallorca lebt und sowohl des Spanischen als auch des Mallorquinischen mächtig ist.

Zusammen mit seinen Kollegen hat Klefisch bis Ende 2007 fast 1.100 Tonnen Müll aus dem Meer gefischt. 488 Tage waren die Boote dafür auf See. 38.369 Stunden lang. Allein in dieser Saison gingen ihnen etwa 120 Tonnen Treibmüll ins Netz. „In diesem Jahr haben wir nicht ganz so viel zu tun. Es gab ungewöhnlich viel Nord- und Nordostwind, der den ganzen Dreck aufs offene Meer hinaus weht", resümiert Klefisch die aktuelle Lage. Auch Quallen hätten sich schon lange nicht mehr in seinen Netzen verheddert.

Bei dem Treibmüll handle es sich vor allem um Plastikunrat. Manche Etiketten hätten sogar arabische oder japanische Schriftzeichen. „Hin und wieder treiben auch riesige Baumstämme auf dem Wasser, die sind aber für mein nur 5,73 Meter langes und 1,86 Meter breites Boot der Pivot-Klasse zu schwer und müssen abgeschleppt werden."

Aber auch die mit zwei Mann besetzten fast doppelt so großen Pelikan-Boote, die ihren Bug wie eine Zange aufspreizen und den Müll mit einer künstlich erzeugten Gegenströmung aus dem Wasser schlürfen, haben mit richtig großen Objekten Probleme. Dafür können sie mit einer speziellen Schäumtechnik kleinere Ölteppiche neutralisieren oder größere mit schwimmenden Barrieren eingrenzen.

„Einmal habe ich einen halben Wartburg gefunden. Da musste ich doch etwas schmunzeln. Das war mal was anderes als immer nur Plastik, halbe Schafe oder was hier sonst noch so alles herumschwimmt." Klefischs Kollegen berichten sogar von Seenotfällen, bei denen sie selbst eingreifen mussten. Einmal sei gar ein schlafender Urlauber weit ab von der Küste auf einer Luftmatratze entdeckt worden.

Um eine größtmögliche Effizienz zu erzielen, werden die Müllboote von einer Cessna 337 unterstützt. Sobald der Pilot einen größeren Treibmüllteppich entdeckt, schickt er ein Foto mit den Koordinaten an die Zentrale. Auf dem dortigen Kontrollschirm sind alle Bewegungen und Positionen der Müllflotte abrufbar und das Boot mit der kürzesten Entfernung zur Fundstelle wird mit der Säuberung beauftragt.

„Was macht Winfried Klefisch denn die übrigen acht Monate im Jahr?", so die abschließende Reporterfrage. „Dann genieße ich die Insel, meine Rente und freue mich auf die kommende Saison. „Ich liebe und brauche einfach das Meer."

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