Gota Fría: Die kalte Dusche nach dem Sommer

11-09-2008  
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Im September und Oktober können Sturzregen schon mal bis zu 200 Liter Wasser pro Quadratmeter bringen.  Khe

KARL-HEINZ EIFERLE Die große Hitze ist vorbei. Der Sommer neigt sich seinem Ende entgegen, und die Temperaturen pendeln sich wieder auf Werte ein, die von den meisten Menschen als angenehm empfunden werden. Das Meer ist dabei immer noch badewannenwarm, entspannte Strandtage können bei niedrigen Sonnencremeschutzwerten bis in den späten Herbst genossen werden. Manche von ihnen sind allerdings mit einer heftigen, unfreiwillligen und kalten Dusche verbunden. Gota fría, kalter Tropfen, nennen Einheimische die sintflutartigen Regenfälle, die immer wieder zwischen September und Oktober auf Mallorca niederprasseln. Oft verbunden mit Blitz, Donner und bis zu
taubeneigroßen Hagelkörnern.

Das Naturphänomen basiert auf den stark schwankenden Temperaturen von Meer und Luft. Das noch zwischen 22 und 25 Grad warme Mittelmeerwasser verdampft und steigt bis zu zehn Kilometer hoch auf. Wenn sich dann die ersten atlantischen Tiefausläufer mit feuchtkalter Luft über das Mittelmeer schieben, türmen sich auf breiter Front gewaltige Gewitterwolken auf. Prallen die Luftmassen aufeinander, kommt es zu Sturzregen, bei denen bis zu 200 Liter Wasser pro Quadratmeter gemessen werden können. Binnen kürzester Zeit heißt es dann auf der Insel: Land unter. Straßen werden überflutet, Tiefgaragen und Senken stehen unter Wasser. Die bis dahin ausgetrockneten Sturzbäche, sogenannte torrentes, verwandeln sich in kürzester Zeit in reißende und gefährliche Wildbäche, in denen schon manch Unvorsichtiger ertrunken ist. Durch die völlig aufgeweichte Erde kommt es auch immer wieder zu Erdrutschen, die manche Verbindungsstraße blockieren.

In Spanien sind hauptsächlich die Balearen und die Region Valencia von diesem Herbstwetter-Phänomen betroffen. Wobei es vor allem auf den Inseln extrem schwierig ist, die Sintflut vorherzusagen.

ýMallorca", sagt Augustín Jansà, Chef des Meteorologischen Instituts der Balearen in Palma, ýist eine kleine Welt für sich." Das Tramuntana-Gebirge im Nordwesten erweise sich mit Niederschlägen von jährlich 1.500 Litern pro Quadratmeter als regelrechtes Feuchtgebiet. Im Süden dagegen fielen oftmals weniger als 400 Liter auf einen Quadratmeter pro Jahr, erklärt Jansà, während seine Finger über die topographische Karte auf seinem Schreibtisch huschen. Die großen Schwankungen gelten auch für die Temperaturen, die im Landesinnern wesentlich niedriger sind als zum Beispiel an der Küste.

Alle 30 Jahre eine Katastrophe
Die Insel weise ein eigenes Mikroklima auf, das vom Wind, vom Wasser und von den Bergen beeinflusst werde. ýGewitter sind im Gebirge und im Landesinneren am häufigsten", weiß Jansà aus seiner langjährigen Erfahrung. ýIm Zentrum treffen die Seewinde aus verschiedenen Richtungen aufeinander. Konkrete Wettervorhersagen sind bei solchen Konstellationen extrem schwierig." So könne es durchaus sein, dass Binissalem im Regen versinkt, während am Strand von Alcúdia kein Wölkchen den Badespaß trübt.

Auf den Balearen, so die Statistik, geht alle 30 Jahre eine gota fría mit katastrophalen Ausmaßen nieder. Die schlimmste Unwetterkatastrophe in der jüngeren Geschichte ereignete sich in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 1989, als eine gewaltige Regenflut über dem Osten Mallorcas niederging. In weniger als einer Stunde fielen mehr als 200 Liter Regen pro Quadratmeter. In Porto Cristo ertranken zwei Menschen in ihrem überschwemmten Hotel.

Entgegen der weitverbreiteten Annahme haben die im Herbst auftretenden Wirbelstürme in der Karibik nichts mit einer gota fría zu tun. Ihre Entstehungsgeschichte ist eine völlig andere, wobei auch für sie eine hohe Wassertemperatur Bedingung ist. Feuchtwarme Luft steigt auf. Sobald sich Wolken bilden, setzt die Luft Energie frei, die den Luftanstieg weiter forciert. Die Erdrehung zwingt die aufsteigenden Wolken in eine Kreisbewegung. Das Zentrum des Wirbels, sein Auge, saugt dabei immer mehr Luft an, bis die Luftmassen mit bis zu 200 Stundenkilometern wirbeln. Über Land verliert der Sturm, im Gegensatz zur gota fría, aber rasch an Stärke.

Übrigens: Der "Kalte Tropfen" wurde bereits in spanischen Liedertexten verewigt. Sowohl der kolumbianische Latino-Star Carlos Vives als auch Spaniens Schnulzensänger Julio Iglesias machten die gota fría zum Thema.

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