Talayots: Auf den Spuren der mallorquinischen Vorgeschichte

03.04.2008 | 02:00
Archologie-Studentin Maya Uramowicz ist fasziniert von den imposanten Bauten. Mit Holzkeilen wurden Felsstcke zum Bauen abgesprengt".
Archologie-Studentin Maya Uramowicz ist fasziniert von den imposanten Bauten. Mit Holzkeilen wurden Felsstcke zum Bauen abgesprengt".

Wenn Maya Uramowicz über die Steine der prähistorischen Siedlung Son Fornés in Montuïri geht, dann ist sie immer wieder von den monumentalen Bauten fasziniert, die die Talayots vor rund 3.000 Jahren errichtet haben. „Am meisten überrascht es mich, dass sie so gut erhalten sind", sagt Uramowicz. Die deutsche Archäo-logie-Studentin der Universität Freiburg bietet bis zum September deutschsprachige Führungen in Son Fornés an.

Von Kirsten Lehmkuhl



Es war um 850 vor Christus, als sich die Talayots auf Mallorca ansiedelten. Der Name dieser Kultur geht auf die kolossalen Steintürme zurück, die die Menschen damals errichteten. Der Begriff Talayots wiederum ist von dem arabischem Wort atalaji (Wache) abgeleitet. Doch was war das für eine Gesellschaft, die solche Bauwerke errichten konnte? Und: Welche Bedeutung, welche Funktion hatten diese Talayots? Fragen, die auch die junge Deutsche beschäftigen. Auf den rund 100.000 Quadratmetern von Son Fornés wurden seit 1975 allein drei dieser imposanten runden Gebilde entdeckt, dazu sechs Wohngebäude und Teile einer Mauer. Talayot Nummer eins ist der bedeutendste Bau seiner Art auf Mallorca - und das will etwas heißen: Auf der Insel gibt es rund 480 prähistorische Fundstellen. Der schwerste Steinblock, der in Son Fornés verwendet wurde, wiegt etwa neun Tonnen. Er hat einen Durchmesser von 17 Metern, bringt es auf eine Höhe von 3,5 Metern. „Die Mauern sind bis zu fünf Meter dick", sagt Uramowicz. „Das Faszinierende: Darin befindet sich ein Hohlraum, der vermutlich als Kühlraum genutzt wurde." Und wirklich: Noch heute ist die Luft in dem

Raum deutlich kälter als draußen.



Wie konnten Menschen dieser Zeit solche mächtigen Gebäude errichten? Wie lösten sie ihr Baumaterial aus den Felswänden? Die Erklärung ist sozusagen in Stein gehauen. Es wurden Furchen in den Kalkstein gemeißelt, in die man anschließend Holzkeile trieb, um auf diese Weise Teile des Steins „abzusprengen".



Einmal gebaut, erfüllten die Talayots höchst unterschiedliche Funktionen. Tierknochenfunde legen nahe, dass dort Rinder und Schweine geschlachtet und an die Bewohner verteilt wurden. In einem zweiten, deutlich kleineren Talayot hingegen könnten politische Versammlungen oder rituelle Handlungen stattgefunden haben. Die flachen Dächer könnten als Aussichtsplattform gedient haben, von der man eigene Tierherden und die Umgebung bestens im Blick hatte.



300 bis 400 Menschen haben einst in der Siedlung gelebt. "Interessanterweise ohne ausgeprägte Hierarchien", sagt der Wissenschaftler Marc Ferrer vom Museu Arqueològic de Son Fornés. „In allen Häusern wurden nämlich die gleichen Ausstattungsgegenstände gefunden, kein Bewohner schien privilegierter als der andere. Das allerdings hat sich schon 300 Jahre später in der post-talayotischen Zeit geändert."



Erst zehn Prozent des Terrains sind bis jetzt erforscht. Und wer weiß, welche neue Erkenntnisse zukünftige Ausgrabungen bringen. Im Juli jedenfalls werden Maya Uramowicz und ihre Kollegen wieder an die Arbeit machen.



Führungen in deutscher Sprache durch Museum und Ausgrabungsstätte Son Fornés: 12. April, 10. Mai, 14. Juni, 11 bis 13 Uhr, Kosten: 4,50 Euro. Für Gruppen ab acht Personen werden zusätzliche Führungen angeboten. Telefon: 971-64 41 69, 620-34 17 02.

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