Spanische Kaderschmieden für die Elite der Weltwirtschaft

31-12-2008  
Wie geht man ein Projekt an? Lehrbetrieb am Instituto de Empresa in Madrid.
Wie geht man ein Projekt an? Lehrbetrieb am Instituto de Empresa in Madrid.  Foto: IESE

MANUEL MEYER Es muss ja nicht immer Harvard, Stanford oder London sein. Mittlerweile schauen internationale Unternehmen vor allem nach Spanien, wenn sie neue Top-Manager suchen oder ihre eigenen fortbilden wollen. Seit einigen Jahren haben sich Spaniens Business Schools zu den besten Manager-Schmieden Europas und der Welt gemausert, wie die Rankings der internationalen Finanzpresse belegen.

MBA-Programme (Master of Business Administration) bieten eine Ausbildung in allgemeiner Unternehmensführung. Dabei sind das Instituto de Empresa (IE) in Madrid, die Escuela Superior de Administración y Dirección de Empresas (ESADE) und das Instituto de Estudios Superiores de la Empresa (IESE, beide Barcelona) an der internationalen Konkurrenz regelrecht vorbeigezogen.

Die jüngste der drei Schulen ist das Instituto de Empresa, dafür aber die erste, die den einjährigen MBA-Studiengang einführte. „Das machte uns sehr attraktiv, da bisher bei fast allen anderen Schulen die Manager zwei Jahre aus dem Berufsleben ausscheiden und natürlich auch mehr Geld bezahlen müssen“, so Julián Trigo, der das Aufnahmeverfahren leitet.

Zudem lägen die Schwerpunkte bei der Firmenneugründung und Projektumsetzung. „So lernen die Schüler nicht nur, eigene Geschäfts­ideen umzusetzen und eine Firma von Beginn an aufzubauen, sondern sind auch in der Lage, in fast jeder Finanzabteilung eines Großunternehmens zu arbeiten.“

Von den aktuell 400 MBA-Schülern stammen 90 Prozent aus dem Ausland, aus 50 verschiedenen Ländern. „Das gibt es nicht oft. Auf den US-Schulen sind beispielsweise weit über die Hälfte der Schüler Amerikaner. Auf den englischen Wirtschaftsschulen handelt es sich bei den ausländischen Schülern meistens um Asiaten. In Spanien ist die Mischung bunter“, sagt Trigo.

Diese bunte Mischung hatte auch die Berlinerin Jana Ackermann dazu bewegt, im September 2007 ein MBA-Programm an der IE zu beginnen. Sie hatte vom Bayer-Konzern, wo sie in der Innenrevision arbeitete, ein Stipendium erhalten. Die 24-Jährige hätte sich zwar weltweit auch für andere Wirtschaftsschulen entscheiden können, die mit Bayer zusammenarbeiten. „Aber der gute Ruf der IE und das internationale Ambiente überzeugten mich“, sagt Ackermann. Dabei habe auch Spanien als Land eine Rolle gespielt. Die Wirtschaft ist stark gewachsen, Spanisch eine Weltsprache – eindeutige Standortvorteile. An der IE gehen jährlich bis zu 5.000 Bewerbungen für einen der 35 Master-Studiengänge ein. Dabei kostet der MBA stolze 48.000 Euro. Doch es scheint sich zu lohnen. 35.000 ehemalige IE-Schüler sitzen heute in 100 verschiedenen Ländern in den Führungsetagen von Großunternehmen. Auch deutsche Unternehmen wie BMW, Beiersdorf oder die Deutsche Bank rekrutieren hier ihre Manager.

Die Zeiten hätten sich geändert, sagt auch José Ramón Pin, Leiter des Executive MBA am Instituto de Estudios Superiores de la Empresa (IESE) in Barcelona. „Die Welt und die Wirtschaft werden immer globaler, und an vielen US-amerikanischen Schulen werden hauptsächlich US-amerikanische Wirtschafts­modelle gelehrt.“ Und die seien ja derzeit etwas diskreditiert. Die IESE belegt laut „Financial Times“ nicht nur den sechsten Platz unter Europas besten Wirtschaftsschulen, sondern steht im Ranking der besten MBA-Programme weltweit sogar an zwölfter Stelle. Zu ihrem guten Ruf kam die Schule bereits 1963 durch ihre Allianz mit Harvard. Die berühmte US-Universität setzte bei der Ausbildung schon frühzeitig auf Fallstudien – und genau dieses System und amerikanische Lernmethoden holte die IESE dann nach Europa. Es war die erste Schule in Europa, die einen MBA-Studiengang anbot und 1980 weltweit die erste mit einem zweisprachigen Programm, auf Spanisch und Englisch.

An der IESE dauert der MBA zwei Jahre und kostet 59.000 Euro. Großer Pluspunkt ist das Absolventen-Netzwerk. 31.500 Schüler aus 98 Ländern haben seit der Gründung die IESE besucht. 12.173 Schüler (41 Prozent) sind heute immer noch mit der Schule assoziiert. Dabei ist auch der Umstand, dass die Eliteschule 1958 von der erzkatholischen päpstlichen Personalprälatur Opus Dei gegründet wurde, nicht ganz unbedeutend. Weltweit hat die Laienorganisation mehr als 85.000 Mitglieder. In vielen Ländern, und vor allem im Gründungsland Spanien, sind viele ihre Mitglieder in wichtigen politischen und wirtschaftlichen Positionen. Seat, Nissan, die spanischen Großbanken Santander und BBVA, Nestlé, Ericsson, Siemens, Henkel oder Bertelsmann suchen hier nach neuen Führungskräften. Zweigstellen der IESE gibt es in Madrid, München, Warschau, China, Shanghai, Indien, São Paulo und in New York.

Auch die vor 48 Jahren von Jesuiten gegründete Escuela Superior de Administración y Dirección de Empresas (ESADE) in Barcelona expandiert mit Ablegern in Madrid und Buenos Aires. Die ESADE ist eine der ersten Adressen für MBA-Studiengänge. 2006 und 2007 belegte sie im weltweiten MBA-Ranking des „Wall Street Journal“ sogar den ersten Platz. „Unsere Stärke liegt in der Teamarbeit“, sagt Franziska von Lippa, Direktorin für Corporate Relations an der ESADE.

Dieser Ausbildungsschwerpunkt überzeugte auch den 29-jährigen Deutschen Dieter Köhler, der seit September an der ESADE studiert. „Teamarbeit wird hier von Beginn an großgeschrieben. Wir wurden sofort in Gruppen mit sieben oder acht Schülern eingeteilt, und Punkte werden größtenteils für die Gruppen­arbeit vergeben“, erklärt der gebürtige Bayer, der zuvor bei der Commerzbank in Frankfurt arbeitete. Daneben spielten für ihn vor allem die Qualität der Inhalte, die gleichzeitige Vertiefung der englischen und immer wichtiger werdenden spanischen Sprache sowie die Mittelmeermetropole Barcelona eine große Rolle.

Auch an der ESADE sind 80 Prozent der Schüler Ausländer. Oder genauer: 115 Studenten aus 33 Ländern haben derzeit einen MBA belegt, der im kommenden Jahr wahlweise als 12-, 15- oder 18-monatiger Studiengang absolviert werden kann. Der Vollzeit-MBA kostet 52.000 Euro. 46.000 Schüler besuchten seit der Gründung die Schule, 35.000 Absolventen sind über die Welt verstreut und können kontaktiert werden. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch deutsche Unternehmen wie die Deutsche Post, SAP oder BASF hier nach neuem Führungspersonal suchen.

Was ist ein MBA und für wen eignet er sich?

MBA steht für Master of Business Administration und bezeichnet einen internationalen akademischen Abschluss in allgemeiner Unternehmensführung. Das englischsprachige Studium beinhaltet Kurse in Betriebswirtschaftslehre, Finanz- und Rechnungswesen; daneben werden Führungsqualitäten wie Kommunikationsstärke, Teamfähigkeit und strategisches Denken trainiert. Als Postgraduiertenstudium setzt der MBA einen ersten Hochschulabschluss und in der Regel mehrere Jahre Berufserfahrung voraus. Vor allem Ingenieure, Natur- und Geisteswissenschaftler sowie Juristen und Mediziner können von den betriebswirtschaftlichen Zusatzkompetenzen profitieren. Aber auch Wirtschaftswissenschaftler bekommen in neueren MBA-Programmen die Möglichkeit, sich auf Bereiche wie Hotelmanagement, Bankenwesen oder Finanzplanung im Gesundheitswesen zu spezialisieren.

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