Der große MZ-Cava-Test

18-12-2008  
Die Sommeliers Manuel Vogel (li.) und Patrick Paulen kurz vor der Verkostung von sechs Cavas Brut Nature.
Die Sommeliers Manuel Vogel (li.) und Patrick Paulen kurz vor der Verkostung von sechs Cavas Brut Nature.  Foto: Sebastián Terrassa

Beim großen MZ-Cava-Test schneidet eine bekannte Marke am besten ab – doch der teuerste Tropfen landet auf dem letzten Platz

KIRSTEN LEHMKUHL Weihnachten naht – da darf für viele ein Glas Sekt nicht fehlen. Also wurden im Rahmen unserer MZ-Verkostung dieses Mal spanische Cavas unter zehn Euro unter die Lupe genommen, und zwar sechs verschiedene Sorten aus dem Supermarkt Carrefour zwischen 2,90 und 8,45 Euro.

Kriterien bei der Auswahl: Der besseren Vergleichbarkeit wegen handelt es sich bei allen um Brut-Nature-Sekt, der keinerlei Restzucker enthält. Zudem tragen alle das Siegel der Denominación de Origen Cava. Was viele nicht wissen: Ein Sekt mit dieser geschützten Herkunftsbezeichnung kann nicht nur aus Katalonien, sondern auch aus anderen, festgelegten Regionen Spaniens stammen, wie zum Beispiel aus Tarragona, Lleida, Girona, Rioja oder Valencia (siehe www.crcava.es). Jeder andere Schaumwein, der nicht in diesen Gegenden abgefüllt wird, darf sich nicht Cava nennen, sondern nur unter der Bezeichnung Espumoso, Schaumwein, in den Handel gebracht werden.

Cava wird in der Regel aus drei Weißweinsorten hergestellt: aus Macabeo, Parellada und Xarel.lo. Er wird nach der „traditionellen Methode“ (Mètode tradicional) produziert, nach der Champagner-Methode also, ein Begriff allerdings, der aus urheberrechtlichen Gründen auf Etiketten nicht mehr verwendet werden darf. Sie bedeutet: Die zweite Gärung fand in der Flasche statt.

Wichtig ist beim Sekt generell: Er sollte jung getrunken werden, also ein bis zwei Jahre nach der Abfüllung. Die getesteten Cavas wurden von den Sommeliers Patrick Paulen und Manuel Vogel vom Restaurant Malvasía in Palma verkostet. Die Tropfen wurden am Tag zuvor auf die korrekte Serviertemperatur gebracht: auf Temperaturen zwischen sechs und acht Grad Celsius. Bei der Beurteilung der Cavas wurde das Preis-Leistungs- Verhältnis bewertet

Conde de Caralt Brut Nature

Der Conde de Caralt Brut Nature stammt aus dem Hause Conde de Caralt S.A., das zu 100 Prozent zu Freixenet gehört. Er hat einen Alkoholgehalt von 11,5 Prozent. Seine Farbe ist – wie bei allen nachfolgenden Schaumweinen auch – hellgelb. In der Nase zeigt er sich sauber, wenn auch „extrem zurückhaltend“. Im Gaumen ist er etwas ausdruckslos, verfügt aber über eine angenehme Säure und eine gut integrierte Kohlensäure, das heißt, er prickelt nur leicht auf der Zunge. Der Abgang ist kurz. Dennoch – ein sauber gemachter Cava: 11 Punkte.

Bach Extrísimo Brut Nature

Dieser Sekt stammt ebenfalls aus einer sehr bekannten Kellerei: von Cordoníu. Auch dieses ist nicht auf dem Etikett vermerkt, vielleicht, weil es sich um einen Wein im unteren Preissegment handelt, der mit dem Markennamen nicht in Verbindung gebracht werden soll. Dieser Sekt hat einen Alkoholgehalt von 11,5 Prozent. In der Nase weist er eine intensivere Aromatik als sein Vorgänger auf, Noten von grünem Apfel sind auszumachen. Im Mund zeigt sich die Kohlensäure weniger gut integriert, es entsteht „vorn im Gaumen ein regelrechter Sprudeleffekt“. Dafür ist er intensiver im Geschmack, denn auch im Gaumen tauchen die grünen Apfel auf. Im Abgang: sauber, gute Intensität. Fazit: Der Wein ist einwandfrei gemacht. Kein Wunder: Es steht die Technologie eines großen Unternehmens dahinter. Kein großer Cava, aber für den Preis empfehlenswert: 11 Punkte.

Heretat de Lácrima Baccus Brut Nature Reserva

Der Sekt stammt aus dem Hause Cavas Lavernoya, Alkoholgehalt: 11,5 Prozent. Reserva ist auf dem Label vermerkt – und das ist schon in der Nase erkennbar: durch eindeutige Hefe-Noten. Zudem riecht er mehr nach Wein, ist komplexer von den Aromen (u.a. grüner Apfel). Im Gaumen ist er wesentlich weicher, hat mehr Fülle und eine schöne Säure. Im – etwas kurzen – Abgang taucht eine leichte Mandelnote auf. Ein Sekt, der deutlich besser schmeckt als alle bisher Getesteten, er ist aber etwa doppelt so teuer und bekommt daher die Note 12.

Lavit Brut Nature Segura Viudas

Auch hinter diesem Sekt, und damit ist er der zweite im Bunde, steht Freixenet. Es handelt sich um eine Coupage aus Macabeo und Parellada. Alkoholgehalt: zwölf Prozent. In der Nase sind neben Hefe-Noten auch mineralische Töne auszumachen. Im Gaumen entfaltet sich die Säure optimal, die Kohlensäure ist gut integriert. Aber: „Er fängt zwar im Gaumen schön an, ist dann aber sofort weg“, so Vogel. Für das, was er bietet, ist dieser Sekt zu teuer: 9 Punkte.

Cava Brut Nature Carrefour

Der Haussekt der Supermarktkette Carrefour wird von der Bodega Cavas Parés Baltá produziert, eine Bodega, die für ihre Rotweine bekannt ist. Alkoholgehalt: 11,5 Prozent. In der Nase ist er wesentlich expressiver als die zuvor verkosteten Cavas. Was daran liegen mag, dass er Chardonnay enthält, eine Rebsorte, die ebenso vom Kontrollrat der D.O. Cava zugelassen ist. Und das heißt: Der Sekt hat Körper, Präsenz, Intensität und riecht nach weißen Früchten, etwa nach Birne. Zudem entdeckt man Brioche-Noten. Die gleiche Intensität erwartet man im Gaumen. Doch leider hält der Sekt dort nicht, was er in der Nase verspricht. Macht im Ergebnis 7 Punkte.

Freixenet Brut Nature Reserva

Dieser Sekt ist der dritte im Bunde, der von Freixenet erzeugt wird, dieses Mal unter dem Markennamen. Alkoholgehalt: 11,5 Prozent. Mit leichten floralen Aromen in der Nase und mit Hefe-Noten im Hintergrund unterlegt, öffnet er sich im Gaumen – und ist damit der erste Wein, der sich nach dem Ausschenken entwickelt. Dafür schwenkt man mit viel Gefühl das Glas, damit nicht zu viel Kohlensäure entweicht. Auch im Mund zeigen sich florale Noten mit Hefen im Hintergrund, später kommen intensivere Aromen von weißen Früchten hervor. Ausgewogene Kohlensäure, schön integrierte Säure. Komplex, intensiv, eindeutig der beste Sekt der Probe: 15 Punkte.

Freixenet – 7,90 Euro

Er ist unangefochten der Testsieger, dieser Sekt aus dem großen spanischen Cava-Haus Freixenet. Er ist der einzige Tropfen, der sich nach dem Öffnen entwickelt, dabei zunächst florale sowie Hefe-Noten preisgibt – bevor dann die etwas intensiveren Aromen zur Geltung kommen. In diesem Fall sind es weiße Früchte, wobei unter anderem Anklänge von Birne auszumachen sind. Mitunter wird dieser Sekt im Doppelpack sehr günstig vermarktet, dann kosten zwei Flaschen 10,90 Euro. Es lohnt sich also, auf Angebote zu achten.

Heretat de Lácrima Baccus – 6,35 Euro

Platz zwei geht an den Heretat de Lácrima Baccus, ein ordentlich gemachter Sekt, der sich insbesondere dadurch auszeichnet, dass er ein deutlich längeres Geschmackserlebnis bietet als alle folgenden Schaumweine. „Das ist eben auch das, was man bezahlt“, sagt Patrick Paulen. Ein Sekt mit Komplexität und Fülle sowie einer schönen Säure, allerdings zeigt er sich im Abgang etwas kurz. Auch die Kohlensäure ist nicht optimal in den Sekt integriert. Dennoch für den Preis ein gut gemachter Tropfen.

Bach Extrísimo – 3,45 Euro

Auf der Flasche dieses Sektes sind die verwendeten typischen Cava-Rebsorten Macabeo, Parellada und Xarel.lo explizit erwähnt, was für Schaumweine durchaus ungewöhnlich ist. Es handelt sich hierbei ebenfalls um einen einwandfrei produzierten Sekt. Kein Wunder: Es steht die Technologie eines großen Unternehmens dahinter. Denn was viele nicht wissen, ist dieses prickelnde Getränk ein Produkt der sehr bekannten spanischen Firma Cordoníu, freilich aus einem unteren Preissegment.

Conde de Caralt – 2,90 Euro

Der Conde de Caralt kostet verhältnismäßig wenig, ist dafür aber ein durchaus sauber gemachter Tropfen. „Das“, sagt Paulen, „ist bei einem so preiswerten Sekt schon etwas!“ Die Firma Conde de Caralt S.A., die diesen Cava herstellt, gehört zu 100 Prozent zu Freixenet, was allerdings aus dem Etikett nicht ersichtlich ist. Zwar sorgt er nicht gerade für geschmackliche Höhenflüge, doch hat er eine schöne Säure, und die Kohlensäure ist gut integriert. Fazit: Die Tester waren von diesem günstigen Sekt positiv überrascht.

Lavit Segura Viudas – 8,20 Euro

Der Lavit Segura Viudas ist ebenfalls ein Produkt von Freixenet, also der dritte im Bunde dieser Runde. Doch das kann der normale Konsument anhand der Angaben auf dem Etikett nicht erkennen. Im ersten Moment überzeugt dieser Sekt mit seinem roten Satin-Band durchaus in der Nase. Doch dann kommt‘s: Er enttäuscht im Geschmack. Mit anderen Worten: Er hält nicht im Gaumen, was er in der Nase verspricht. Ein eindeutiges Manko. Da verhilft auch der optimale Säuregehalt und die relativ gut integrierte Kohlensäure nicht zu einer besseren Position in der Rangfolge.

Hausmarke Cava Brut Carrefour – 8,45 Euro

Er ist der teuerste Sekt der heutigen Verkostung und schneidet mit seinen sieben Punkten dennoch am schlechtesten ab. Dabei wird er von einer Bodega produziert, die durchaus für ihre guten Rotweine bekannt ist: die Bodega Cavas Parés Baltá. „Dieser Haussekt der Supermarktkette Carrefour verfügt zum Beispiel über zu wenig Kohlensäure, daher fehlt es ihm eindeutig an Frische“, lautet das Urteil Vogels. „Zudem hat er kein Gerüst, ist von den Aromen her im Gaumen lasch, beinahe wässrig. Und auch im Abgang kommt so gut wie nichts mehr.“

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