Liebeserklärung an den Porsche 356

07-05-2009  
Echter Klassiker: Porsche 356 vor Mallorca-Kulisse.
Echter Klassiker: Porsche 356 vor Mallorca-Kulisse.  Foto: Nele Bendgens

THOMAS ZAPP Das Geld für seinen ersten Porsche 356 bekam Max Schell von der Familie seiner späteren Frau. 4.000 Mark waren 1959 viel Geld und die spätere Schwiegermutter mutmaßte schon, dass der Max eine kostspielige Partie für ihre Tochter werden könnte. Die Sorge war unbegründet, denn auf der ersten Reise an den Lago Maggiore fuhr das Paar auf der Autobahn dem Vordermann auf. Der Schaden wurde zwar repariert, aber Schell verkaufte den Wagen wieder, ohne sich jedoch von seinem Traum zu verabschieden.

Der junge Max besorgte sich das Lenkrad eines 356 vom Schrottplatz. „Ich schwor mir, dass der Rest des Fahrzeugs wieder dazukommt, wenn ich genug Geld verdient habe."

Solche Geschichten erzählen gesetztere Herren gewöhnlich mit einem milden Lächeln über ihren jugendlichen Leichtsinn. Bei Max Schell ist es anders. Der 59-Jährige besitzt heute nicht nur ein schwarzes 356-Cabrio, mit dem er gelegentlich durch seine Heimatstadt Heilbronn kutschiert, sondern auch eine silberne 356-Rennversion aus dem Jahr 1965. Damit bestreitet er Rennen wie die Rally Clásico Isla Mallorca, die am Mittwoch startet (siehe Kasten). Max Schell holt mit dem langen Getriebe aus den 1.600 Kubikmetern und 135 PS eine Spitzengeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern heraus.

Mit seinem Team aus Co-Pilot Wolfgang Decker (56) und Chef-Mechaniker Walter Schneider (56) nimmt er im Jahr an zehn bis zwölf Rennen statt, meistens in Deutschland, aber auch mal in Wien oder Triest oder eben auf Mallorca. Dem Inselrennen halten die drei schon seit der ersten Auflage vor neun Jahren, als es noch Trofeo de Mallorca hieß, die Treue. Damals wurden sie Sechster der Gesamtwertung, obwohl teilweise Boliden mit doppelt so starken Motoren ins Rennen gegangen waren. „Ich glaube, wir sind die einzigen, die so lange dabei sind. Mittlerweile kennen wir jeden Baum hier", sagt Max Schell.

Warum das so ist? „Die Streckenführung, die Landschaft, das ist schon einmalig, da passt unser 356 wunderbar ins Bild. Solche Rennen auf öffentlichen Straßen gibt es in Deutschland so gut wie nicht mehr", meint er. Was ihn dort auch noch stört, sind die gestiegenen Renngebühren. „Das hängt mit den verschärften Auflagen des Motorsport-Weltverbands FIA zusammen", sagt Co-Pilot Wolfgang Decker. Die FIA habe in den letzten Jahren viele Streckenbetreiber gezwungen, Nachbesserungen vorzunehmen und Geld zu inverstieren. Das werde auf die Hobbyfahrer umgelegt, wenn die sich mal ein Wochenende austoben wollten. In der Freizeit Rennen mit Oldtimern zu fahren, ist ohnehin nicht ganz billig. Die Autos kosten ab 50.000 Euro aufwärts, pro Saison fallen Kosten von rund 15.000 Euro an, für Benzin, Öl, Reifen. Geht mal ein Motor kaputt, schnellen die Kosten nochmal in die Höhe, und auch der Transport kostet. Für die Mallorca-Rallye muss das gute Stück mit einem Truck auf die Insel gebracht werden.

Das Dreier-Team teilt sich die Kosten gerne. Beruflich haben sie es alle zu etwas gebracht. Wolfgang Decker ist Steuerberater, Max Schell selbständiger IT-Unternehmer und Walter Schneider natürlich Kfz-Meister. Von Snobismus gebe es im Fahrerlager aber keine Spur, im Gegenteil. „Wir sind eher Alt-68er, im Fahrerlager laufen die Rolling Stones oder Schlager. Wir glauben auch, dass Elvis lebt", sagt Schell schmunzelnd. Man müsse schon in der Zeit groß geworden sein, als die alten Wagen noch auf den Straßen fuhren und man noch selbst daran herumschrauben konnte, glaubt Schell. Die Generation junger Fahrer sei für dieses Hobby nicht zu begeistern.

Geld und Lebensgefühl sind nicht das Einzige, was die drei allesamt verheirateten Hobby-Rennfahrer einbringen. Ein weiterer Faktor heißt Zeit. „Im Jahr sind wir mit Sicherheit an 15 Wochenenden unterwegs", sagt Max Schell. Vor einem Rennen wie auf Mallorca kommt das Rennteam wie schon Tage vorher auf die Insel, um die Strecke abzufahren. Schell ist zudem Vorsitzender der FHR, der Fahrgemeinschaft Historischer Rennsport e.V., Wolfgang Decker dort Schatzmeister.

„Die Begeisterung unserer Frauen hält sich teilweise in Grenzen", sagt Schell. Wenn er mit seinem Team am kommenden Mittwoch auf Mallorca startet, stehen die Ehefrauen natürlich trotzdem am Start – zum Anfeuern. Und Max Schells Frau wird sich damit abgefunden haben, dass der 356, Porsches erster Serienwagen, einen wichtigen Teil im Leben ihres Mannes einnimmt und sich manchmal aufs Eheglück auswirkt: Zur Silberhochzeit gab es eine Spritztour im 356-Cabrio – und zur Goldenen Hochzeit vermutlich auch.


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