Keine Spur von der Wunderrobbe

11-06-2009  
Vor gut einem Jahr wurde vor Mallorcas Nordküste eine Mönchsrobbe gesichtet.
Vor gut einem Jahr wurde vor Mallorcas Nordküste eine Mönchsrobbe gesichtet. Foto: Gerald Hau

KARL-HEINZ EIFERLE Die Sensation war perfekt. Vor ziemlich genau einem Jahr wurde das für unmöglich Gehaltene Wirklichkeit. Eine Mittelmeer-Mönchsrobbe war in balearische Gewässer zurückgekehrt. Das Medienecho war nicht umsonst enorm. Denn die Gattung Monachus monachus ist hochgradig vom Aussterben bedroht. Weltweit wird ihr Bestand auf gerade einmal 400 Tiere geschätzt. Seit dem vergangenen Herbst fehlt jedoch von der „Wunderrobbe" jede Spur. Die eigens vom balearischen Umweltministerium für die Robbenbeobachtung installierte Unterwasserkamera wurde wieder abgebaut. Weit und breit keine Robbe mehr.

Dabei fing alles so gut an: Schon Anfang Mai 2008 meldeten Skipper ein Tier, das verdächtig nach einer Robbe aussah. Am 14. Juni dann die Bestätigung. Bei einem Tauchgang gelang Alvaro Garí der fotografische Beweis. Der Taucher schoss in einer Höhle an der Nordwest-Küste ein Unterwasserfoto des auf Mallorca vell marí genannten Tieres. Bei der Robbe handelte es sich um ein etwa 2,8 Meter großes, ausgewachsenes, aber noch recht junges Exemplar, dessen Geschlecht nicht zu ermitteln war. Wo genau es abgelichtet worden war, wurde vom balearischen Umweltministerium nicht mitgeteilt, um einen Besucheransturm zu vermeiden. Irgendwo zwischen Calvià und Valldemossa soll das Foto entstanden sein, hieß es. Also nicht weit von der Cala Tuent entfernt, in der im April 1958 das vermutlich letzte auf den Balearen angesiedelte Robben- Exemplar getötet wurde.

„Die Freude war natürlich riesengroß", erinnert sich Joan Mayol, der für den Artenschutz verantwortliche Direktor im Umweltministerium. Schon seit Jahren beschäftigt sich seine Behörde mit der Idee, wieder Mönchsrobben in balearischen Gewässern anzusiedeln. „Wir haben hier die am strengsten kontrollierten Meeresschutzgebiete im gesamten Mittelmeerraum." Die Rückkehr der vell marí sei ein Beweis, dass sich hier noch intakte Reviere fänden. „Gleich nach der ersten Sichtung hatten wir mehrsprachiges Informationsmaterial verteilt und die Bevölkerung und Urlauber aufgerufen, uns jeden Kontakt mit der Robbe unverzüglich über die Notrufnummer 112 mitzuteilen."

Und offensichtlich verbrachte das Tier tatsächlich einen angenehmen Sommerurlaub auf Mallorca. Immerhin hielt es sich ein halbes Jahr rund um die Insel auf. Zwischen Mai und Oktober sei es 13 Mal gesichtet worden. „Aber seitdem haben wir keine Informationen mehr", sagt Mayol. Dies liege entweder daran, dass das Tier nicht mehr da sei, oder daran, dass im Winter nur sehr wenige Menschen auf dem Meer unterwegs sind und sich damit die Wahrscheinlichkeit einer Sichtung drastisch reduziere.

Sollte es auch nur den kleinsten Hinweis auf den Verbleib der Robbe geben, werde das Umweltministerium unverzüglich wieder die automatische Kamera aufstellen und noch ein halbes Dutzend mehr installieren. „Wir haben 35 Höhlen ermittelt, die für die Robbe optimale Bedingungen bieten." Diese seien auch relativ gut zu kontrollieren.

Daran, dass sich die Mönchsrobbe auf Mallorca wieder heimisch fühlen könnte, zweifelt auch Gerald Hau nicht. „Aber mit einer Robbe allein ist man noch weit von einer Population entfernt", relativiert der Sprecher für die ausländischen Medien der Umweltschutzgruppe GOB die Robben­euphorie der Balearen-Regierung. Bei der hier gesichteten vell marí, so Hau, handle es sich möglicherweise um ein junges Männchen, das den Machtkampf um den Harem bei einer kleineren Kolonie vor Nordafrika verloren habe und vertrieben worden sei. Denn: „Robben sind im Allgemeinen keine Einzelgänger." Deswegen solle es auch vorrangig darum gehen, die Robbe vor dem Aussterben im Mittelmeer zu retten – etwa in Griechenland, wo es noch kleinere Kolonien gibt. Erst wenn ihr Überleben gesichert sei, könnte über eine Wiederansiedlung in balearischen Gewässern nachgedacht werden.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem

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