Drei Tonnen Schoten an der Wand: Neue Chance für die Mallorca- Paprika

16.09.2009 | 19:24
Das ehemalige „Haus des Apothekers" in Santa Maria mit Vorhängen aus Paprikaschoten.
Das ehemalige „Haus des Apothekers" in Santa Maria mit Vorhängen aus Paprikaschoten.

Vor nicht mal einem Jahr war er so gut wie ausgestorben, der mallorquinische Paprika pebre vermell. Nun versucht der balearische Ableger der weltweiten Slow-Food-Bewegung, dem ehemaligen Traditionsprodukt zu einem zweiten Leben zu verhelfen. 16.000 Pflanzen wurden mit Unterstützung des balearischen Landwirtschaftsministeriums auf mehreren Bio-Höfen der Insel angepflanzt. Jetzt hängen drei Tonnen dieser kleinen roten Schoten, gemäß der Tradition aufgereiht an langen Bändern, an einem ehemaligen Herrenhaus in Santa Maria zum Trocknen an den Außenwänden.

Noch rund eine Woche wird man die rote Vorhang-Installation in Santa Maria bewundern können, dann kommen die Schoten zu einem zweiten Trocknungsprozess in den Ofen, um danach in einer Mühle zu Paprikapulver verarbeitet zu werden. Die autochthone – also von den Balearen stammende – Paprika­art wurde traditionell bei der Herstellung der mallorquinischen Wurstspezialität sobrassada verwendet, sowohl zur Konservierung als auch zur Geschmacks- und Farbgebung. Die früher vorwiegend in Santa Marias Nachbarort Pórtol angebauten Pflanzen verschwanden jedoch nach und nach von den Anbauflächen der Bauern. Die Versalzung des Grundwassers, vor allem aber die preiswerteren Paprikaimporte aus Marokko und Brasilien machtem dem heimischen pebre vermell de tap de corti, so der vollständige Name, den Garaus.

Die balearische Slow-Food-Vereinigung mit ihren beiden Vorsitzenden Laura Buadas und Maria Solivellas möchte diesen Prozess nun umkehren. Die beiden wollen den Verbrauchern bewusst machen, dass der pebre vermell ein qualitativ hochwertiges und zudem gesundes Naturprodukt ist. „Wir setzen uns für den Erhalt der Artenvielfalt ein", sagt Maria Solivellas, „und der mallorquinische Paprika ist der importierten Massenware in allen Belangen überlegen."

Allerdings ist die Produktion des Paprikapulvers relativ aufwendig. Insbesondere das Aufziehen der Schoten auf die Schnüre mit Hilfe von Nadeln, die durch die Stile geführt werden, erfordert Geschicklichkeit und beansprucht Zeit. Was früher von den Frauen aus den Dörfern erledigt wurde, organisierten Buadas und Solivellas unter anderem mit Hilfe von Freiwilligen, Rathausbediensteten und Gefangenen aus Palmas Gefängnis. Nach Trocknung der Schoten will Slow Food im Oktober Kurse für Bauern anbieten, um ihnen die Anbaumethoden des Paprikas näherzubringen.

Ob die Rückkehr des pebre vermell in die Verkaufsregale gelingt, wird am Ende von der Nachfrage der Verbraucher abhängen, weiß man auch bei Slow Food. „So ein Naturprodukt ist natürlich teurer", sagt Maria Solivellas, „aber die bisherigen positiven Reaktionen stimmen optimistisch." 


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