Surfen ohne Wind und Segel

Das nächste große Ding? William Nelson gibt Kurse im Stehpaddeln. Ein MZ-Redakteur auf der Suche nach dem Gleichgewicht

01-07-2010  
Sieht schwieriger aus, als es ist: Stehpaddeln.
Sieht schwieriger aus, als es ist: Stehpaddeln.  Fotos: William Nelson

MARTIN ROLSHOVEN Zu wenig Wind und kaum Brandung: Mallorca gilt nicht gerade als Paradies für Surfer. Doch es gibt Lösungen. Paddelsurfen, zum Beispiel. Wie der Name vermuten lässt, bewegt sich der Surfer mit einem Paddel fort – das Segel wird überflüssig. Nicht der Wind treibt ihn an, sondern die eigene Muskelkraft.

Wir probieren es einfach mal aus. Der in Deutschland und Spanien aufgewachsene US-Amerikaner William Nelson (35) und seine mallorquinische Partnerin Mónica García (38) bieten entsprechende Kurse und Ausflüge – als erste auf der Insel. Nelson, im Hauptberuf übrigens Feuerwehrmann, vermarktet die Paddelei unter dem Namen „Uiimohani“. Spricht sich, wie es geschrieben wird und klingt exotisch. „Soll es auch, denn erfunden wurde diese Fortbewegungsart in Polynesien“, sagt Nelson. Nicht aus sportlichen, sondern aus praktischen Gründen.

Die Fischer in Polynesien stehen schon seit Jahrhunderten auf ihren Kanus. So können sie besser harpunieren. Vor rund zehn Jahren entwickelten US-amerikanische Surfer daraus die Wassersportart „Stand Up Paddle“, kurz SUP. Die Anhänger des Sports nennen sich deshalb „Supers“, was auf amerikanischem Englisch auch für Superhelden steht – Verwechselung erwünscht.
Dass ich mit dem Brett, das mir Nelson in die Hand drückt, jemals super durchs Wasser gleiten werde, bezweifele ich beim Erklimmen des Geräts. Rauf geht‘s von der Seite, mit den Knien zuerst. Idealerweise in der Mitte des SUP-Boards, sonst wird‘s wackelig und man landet schnell wieder im Meer. Das Brett sollte längs zum Strand liegen, sonst kippt die Sache schneller – Wellen sei dank.

Der Aufstieg ist leichter als gedacht, sofern man zügig hochklettert. Die einseitige Gewichtsverlagerung könnte sonst zum vorzeitigen Untergang führen. Knieend wird zunächst Paddeln geübt. Vorwärts, rückwärts, links und rechts – Super William macht alles vor.
Auch das ist einfacher als vermutet. Dann geht‘s ans Aufstehen. Wo jetzt die Knie sind, müssen gleich die Füße hin. Es klappt erstaunlich gut, der Körper findet schnell das Gleichgewicht. Da man die Beine stets leicht anwinkeln sollte, melden sich aber auch bald die Beinmuskeln. Sie zittern – anscheinend wurden sie lange nicht mehr gefordert.

Die Anstrengung ist dennoch schnell vergessen: Stehpaddeln macht auf Anhieb Spaß. Die Supers betreiben es auch als Ganzkörpertraining. Neben den Beinen werden auch Bauch und Arme gefordert. Und ohne Paddel wird das Brett zur Isomatte. Liegestützen und Kniebeugen? Kein Problem, auch Yoga-Übungen sind drin. „Da alles anstrengender ist als an Land, muss man auch nicht so lange trainieren“, sagt Nelson. Eine rundum praktische Sportart. Und die Aussicht ist auch schöner als im Fitnessstudio.

Einzelstunden ab 35 Euro, für Gruppen Rabatt. Die Ausflüge finden meist ab der Cala d‘en Blanes im Südwesten der Insel statt. Weitere Infos zum Paddelsurfen bei William Nelson unter Tel. 654-13 64 67, auf www.uiimohani.com (noch im Aufbau) oder unter www.facebook.com (Suchwort „Uiimohani“).

In der Printausgabe vom 1. Juli (Nummer 530) lesen Sie außerdem im Ressort Leben:
- Die vielen Gesichter des mallorquinischen Balkons
- Gratiskonzert in Gebirgsschlucht Torrente de Pareis
- Kindermenü: Bücher gegen Hitze
- Im Restaurant Ca´n Calet werden Träume wahr
- Schmecken nach Pfirsich: Paraguayos
- Wellness für alle Sinne: Besuch im Luxus-Spa in Deià

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