600 (+10) Fragen zu Mallorca

Er hat ein Standardwerk für Insel-Fans geschrieben, nun testen wir ihn: Reiseleiter und Autor Joan-Antoni Adrover beantwortet zehn Zusatzfragen - und kündigt eine mögliche Fortsetzung seines erfolgreichen Buches an

02-12-2010  
Damit Mallorca-Besucher mehr erfahren – und keinen Unsinn aufschnappen – schrieb Joan-Antoni Adrover i Mascaró seinen Mallorca-Führer der anderen Art.
Damit Mallorca-Besucher mehr erfahren – und keinen Unsinn aufschnappen – schrieb Joan-Antoni Adrover i Mascaró seinen Mallorca-Führer der anderen Art.  Foto: Nele Bendgens

THOMAS FITZNER Joan-Antoni Adrover arbeitet seit 38 Jahren als Reiseleiter und hat in dieser Zeit ein Gespür dafür entwickelt, was Inselbesucher wissen wollen. Und er gehört zu jenen, die offene Fragen nicht auf sich beruhen lassen. Also recherchierte er und wurde allmählich zu einer wandelnden Insel-Enzyklopädie. Weil bei Führungen zu wenig Zeit ist, um all die interessanten Details, Anekdoten und Hintergründe zu erklären, veröffentlichte er vor vier Jahren das Buch: „600 Fragen zu Mallorca". Vor kurzem warf er die zweite Auflage dieses nur auf Deutsch erschienenen Werkes auf den Markt. Wir nutzten ein Gespräch mit dem Mallorca-Experten, um ihm zehn Fragen zu stellen, die in seinem Buch nicht beantwortet sind.

Warum wissen Sie so viel?
Ich habe mir in all den Jahren ein Netzwerk an hilfsbereiten Experten geschaffen, die mir behilflich sind. Schauen Sie mal in die Danksagung im Buch (dort sind 39 Namen verzeichnet, Anm.d.Red.).

Gibt es eine Frage, die Sie nicht beantworten konnten?
Ein Thema ist mir bis heute nicht vollständig klar: diese ´Denkmaschine´ des Philosophen Ramon Llull, die eine Art früher Vorläufer des Computers war.

Llorenç Villalonga wird als großer mallorquinischer Autor verehrt, dabei war er Falangist und hat im Bürgerkrieg Propaganda für die Faschisten gemacht. Wie passt das zusammen?
Man muss unterscheiden zwischen dem Menschen und dem Schriftsteller. Und man muss berücksichtigen, dass der franquismo auf Mallorca die Hölle war. Villalonga war ein Opportunist. Auf Katalanisch hat er wahrscheinlich nur geschrieben, weil er mit seinen spanischen Werken keinen Erfolg hatte. Aber trotz allem hat er mit dem Roman ´Bearn´ eines der großen Werke der katalanischsprachigen Literatur geschaffen. Abgesehen davon: So sehr verehrt wird er nun auch nicht, sein Image als Person ist nicht das beste.

Haben die im ganzen katalanischen Sprachraum sehr häufigen Nachnamen Alemany und Cifre tatsächlich einen deutschen Hintergrund?
Schon im Mittelalter gab es eine starke Verbindung zwischen den deutschen und den katalanischsprachigen Regionen, vor allem wegen der Handelsbeziehungen. Der erste deutsche Sprachführer für die Iberische Halbinsel – und europaweit das erste Sprachwörterbuch ohne Latein – war ein deutsch-katalanisches und katalanisch-deutsches Wörterbuch eines in Perpignan lebenden Deutschen (Hans Rosenbach, 1502, Anm.d.Red.). Der Name Alemany als Hinweis auf die Herkunft stammt wohl aus dieser Zeit. Und Cifre dürfte eine Verballhornung des deutschen Vornamens Siegfried sein.

Was ist ein Alodio und gibt es ihn wirklich noch?
Auf Mallorca sagen wir alou. Es handelt sich um eine Abgabe, die bei jedem Verkauf eines Grundstücks zu bezahlen ist. Also eine Art mittelalterliche Adeligen-Steuer. Meine Familie war selbst damit konfrontiert, als sie ein Grundstück kaufte, das mit einem alou belastet war. Aber das ist heute selten, und wir konnten den alou auch problemlos aus dem Grundbuch rausstreichen.

Das größte Privatgrundstück der Insel?
Sa Vall der Familie March in Ses Salines. Seit einem Zukauf vor einigen Jahren rund 2.800 Hektar groß.

In Ihrem Buch listen Sie berühmte Mallorquiner auf. Warum fehlt Kolumbus?
Ein heikles Thema. Ich glaube, Kolumbus ist politisch eine Bombe. Der spanische Staat hat kein Interesse daran, dass jemals mit Sicherheit festgestellt wird, woher der Amerika-Entdecker tatsächlich stammte. Vor kurzem wurden aus einem Kolumbus-Grab DNA-Proben genommen, und dann hat man nichts mehr darüber gehört. Das ist schon merkwürdig. Seine Muttersprache war jedenfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit Katalanisch.

Zuletzt eine Fangfrage: Was denken die Mallorquiner tatsächlich über die Deutschen?
Winston Churchill hätte da geantwortet: ´Ich weiß es nicht, ich kenne sie ja nicht alle.´

Damit kommen Sie nicht davon.
Na gut. Jene Deutsche, die ich kenne, sind diszipliniert, schätzen gut gemachte Arbeit, sind sehr sauber und lieben Mallorca.

Anders formuliert: Was fällt Mallorquinern an Deutschen negativ auf?
Dass sie unter sich bleiben, ihre Grüppchen bilden. Aber das ist andererseits auch verständlich. Je älter man bei seinem Herzug auf die Insel ist, umso schwieriger fällt es, sich zu integrieren, auch sprachlich. Das ist vollkommen normal.

Werden Sie Ihr Buch überarbeiten oder ergänzen?
Ich hatte ursprünglich 1.100 Fragen recherchiert, aber 500 weggestrichen, weil das Buch zu dick geworden wäre. Ganze Themenbereiche wie Höhlen, Folklore und Legenden mussten wegfallen. Vielleicht mache ich damit einen zweiten Band.

600 Fragen zu Mallorca. Erhältlich per Internet, bei Dialog, Palma, sowie bei Macià Batle, Santa Maria. Preis: 22 Euro.

www.dasmallorcabuch.de


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