Logenplatz für die Insel-Erdbeere

Ganz anders als auf dem spanischen Festland: Wie bei Manacor mallorquinische Erdbeeren gezogen werden

05-05-2011  
Die Erdbeeren wachsen in Hydrokultur auf Stellagen aus Metall
Die Erdbeeren wachsen in Hydrokultur auf Stellagen aus Metall Foto: Bendgens

BARBARA POHLE Hier könnte ein Videoclip für den Beatles-Song „Strawberry Fields" gedreht werden. Die Erdbeerfelder in Manacor sind ein ruhiger Ort. Sogar unter den Ernte­arbeitern ist es still. „Wir ernten ausschließlich reife Beeren", sagt Juan Pascual, einer der Betreiber der Plantage Son Murtera. Die süßen Früchte (Span. fresas, Kat. fraula) werden nur auf der Insel verkauft, der Weg zu den Händlern ist kurz. Denn einmal gepflückte Erdbeeren reifen nicht nach.

Der Wecker von Juan Pascual klingelt morgens vor drei Uhr. Kurz darauf macht er sich mit dem Kühltransporter auf den Weg zu Mercapalma, dem Großmarkt der Inselhauptstadt, und liefert dort die tags zuvor geernteten Früchte ab. Ebenfalls im Morgengrauen decken sich in Mercapalma die Einzelhändler ein, so dass der Kunde, der vormittags den Laden betritt, auch wirklich frische Ware bekommt. „Reife Erdbeeren verderben innerhalb eines Tages", sagt Juan Pascual. Seine Kollegen im andalusischen Huelva ernteten die Beeren vier Tage vor der Reife. Dann halten sie sich auf den weiten Transporten von Spanien nach ganz Europa.

Und das ist nicht der einzige Unterschied zwischen den Inselerdbeeren und denen vom spanischen Festland. Auf dem Gut Son Murtera wachsen auf vier Hektar Land 200.000 Erdbeersträucher, es handelt sich um die größte Erdbeerplantage Mallorcas. 300 Kisten werden dort in der Haupt­erntezeit von Mai bis Juli täglich gefüllt, in jede passen vier Kilogramm. „Im Einzelhandel werden sie für 3 Euro das Kilogramm verkauft", sagt der Landwirt. Die Pflanzung, die der 58-Jährige mit seinen Geschwistern Maria, Mateu und Toni betreibt, ist keine Hochertragsplantage. „In Huelva gelten nur Betriebe mit einer Million Erdbeerpflanzen als rentabel", sagt Pascual.

Allerdings bezieht auch er seine Pflanzen vom spanischen Festland. Die Setzlinge werden in Segovia aus Ablegern gewonnen und dann zwischen November und ­Februar auf Mallorca eingepflanzt, mit einem kleinen Stängel und zwei bis drei Miniblättchen. Die Kunst besteht darin, die Pflänzchen nach und nach so zu ziehen, dass später jeden Tag geerntet werden kann. Die ersten Triebe müssen gestutzt werden, damit die Pflanze kräftig wächst. Von der Blüte bis zur Reife vergeht ein Monat.

Die Erdbeerpflanzen wachsen in einer Höhe von einem Meter auf Eisengestellen. Ein Logenplatz gewissermaßen, der aber praktische Gründe hat: „Die Stellagen verhindern Staunässe", erklärt der Erdbeerzüchter. Auch für Schnecken sind die Erdbeeren so außer Reichweite. Die Eisengestelle sind oben mit weißen Plastikplanen umhüllt, in denen Steinkügelchen die Erde ersetzen. Die Pflanzen werden in Hydrokultur gezogen. Ökologische Dünger könnten so sparsam und gezielt zum Einsatz kommen. Ein weiterer Vorteil der Stellagen-Kultur: Die Erntearbeiter kriegen keine Rückenprobleme.

In der Haupterntezeit von April bis Juni sind 20 Erntearbeiter auf dem Gut im Einsatz. Heute pflücken sie in einem mit ­Plastikplanen abgedeckten Beet. Sie prüfen jede Beere, bevor sie in die Vier-Kilo-Kisten kommt. Sind sie zu klein oder überreif, legt man sie in kleine, um den Bauch gebundene Behältnisse. Sie werden dann zum halben Preis verkauft.

Pascual erklärt auch die weiteren Vorzüge gegenüber der Festland-Erdbeere: Auf Son Murtera würden keine giftigen Insektizide gesprüht. Für die Bestäubung der Blüten sind Bienen im Einsatz, ihr Papp-Bienenstock wird immer dort aufgestellt, wo Sträucher intensiv blühen. Gegen gefräßige Vögel, die, so Pascual, „sich von roten Früchten magisch angezogen fühlen", hat er Aromasäckchen aufgehängt. Sie verströmen einen Geruch, der den Vögeln flugs den Appetit auf Erdbeeren vertreibt. „Bei Millionen von Erdbeersträuchern wie in Huelva kommt man hingegen nicht ohne Gift aus", sagt Pascual. Und man braucht viel Wasser.

In Manacor sind Tröpfchenbewässerungssysteme im Einsatz, das Wasser kommt aus eigenen Brunnen. „Wir können es genau dosieren", der Anbau auf den Stellagen helfe zudem Wasser zu sparen.

Um die Eisheiligen (11. bis 15. Mai) brauchen sich die Geschwister Pascual keine Gedanken zu machen. Die kalte Sophie, die jedem Gärtner in Deutschland mit ihren eisigen Temperaturen ein Graus ist, gibt es auf Mallorca nicht. „Das Klima ist für Erdbeeren ideal", sagt Pascual.

In der Printausgabe vom 5. Mai (Nummer 574) lesen Sie außerdem:
- Zwischen den Welten auf der Feria de Abril
- Kindermenü:Topp, die Wette gilt

Diese Artikel finden Sie auch hier.


Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |