Apnoetauchen: Atemlos in der Tiefe

Wie Yoga unter Wasser: In Palma gibt ein ehemaliger Judoka Unterricht. Der Sport muss gar nicht so gefährlich sein

13.11.2014 | 14:18

Ob im Schwimmbad, an der Playa oder in der Badewanne: Unter Wasser die Luft anzuhalten, hat bestimmt jeder schon einmal ausprobiert. Der Versuch, es den Fischen gleichzutun, endet aber meist nach kurzer Zeit. „In der Regel nach weniger als 60 Sekunden", weiß Juan Amengual. Spätestens dann sei der sogenannte breath-holding breakpoint erreicht, der Punkt also, an dem sich der Atemreiz nicht länger unterdrücken lässt – und uns das Gehirn aus purem Überlebens­willen zwingt, erneut nach Luft zu schnappen.

Amengual hat es schon einmal geschafft, diesen Punkt fast neun Minuten lang herauszuzögern. Er gehört zu einer Jahr für Jahr größer werdenden Community von Apnoe-Tauchern auf Mallorca. Vor rund sechs Jahren gründete er in Palma eine der ersten Schulen in Spanien zum Erlernen des Freitauchens. Über 200 Schüler pro Jahr melden sich seitdem bei dem ausgebildeten Sportlehrer für einen Anfänger- oder Fortgeschrittenkurs an. „Apnoe-Tauchen ist eben nicht nur eine Sportart. Es ist auch eine Lebenseinstellung. Und die hat für viele einen ganz besonderen Reiz", sagt Amengual.

Er selbst habe früher viele Jahre lang Judo praktiziert. Warum er irgendwann seine weiße Uwagi-Jacke gegen einen schwarzen Neopren-Anzug getauscht habe, weiß er selbst nicht mehr so genau. „Ich sah zufällig ein Video vom Freitauchen und war davon so fasziniert, dass ich es einfach mal ausprobieren wollte. Wie beim Judo kommt es auch beim Apnoe-Tauchen auf absolute ­Körperbeherrschung an. Vielleicht war das der Auslöser".

Als Sportart wird das Freitauchen in drei Disziplinen praktiziert: dem Zeittauchen (Static), dem Streckentauchen (Dynamic) sowie dem Tieftauchen, für das es wiederum eine Vielzahl weiterer Unterkategorien gibt. Juan Amengual bietet die Möglichkeit, die Grundlagen des Apnoe-Tauchens in einem viertägigen Aufbau-Kurs zu lernen. „Tauchkenntnisse sind nicht nötig, lediglich eine gesunde körperliche Verfassung ist Voraussetzung", so der Mallorquiner.

Er erzählt seinen Schülern zu Beginn des Unterricht erst ­einmal über die lange Geschichte des Apnoe-Tauchens. „Bereits vor der Besiedelung Mallorcas durch die Römer wurde das Freitauchen praktiziert, die Unterwasser-Fischerei hat auf der Insel eine lange Tradition", so Amengual. Ein Beleg hierfür seien nicht zuletzt die zahlreichen Gold- und Silbermedaillen, die Mallorquiner bei Europa- und Weltmeisterschaften in der sogenannten Unterwasser-Sportfischerei, der pesca submarina, bereits eingeheimst hätten. Auch diese Sportart wird ohne Sauerstoffflasche praktiziert.

Um unter Wasser möglichst lange die Luft anzuhalten, müssen zwei wesentliche Techniken erlernt werden: „Zum einen muss man es schaffen, vor dem Tauchgang die Herzfrequenz stark zu senken, um somit den Sauerstoffverbrauch im Körper zu reduzieren. Zum anderen muss das Lungenvolumen erhöht werden, um mit einem Atemzug möglichst viel Sauerstoff aufnehmen zu können." Ein durchschnittlicher Mensch schöpfe im Alltag etwa 60 Prozent seiner Lungenkapazität aus. Beim Freitauchen seien es bis zu 95 Prozent. Bereits nach dem ersten Kurs würden es seine Schüler in der Regel schaffen, die Luft mindestens drei Minuten oder länger anzuhalten.

Mithilfe spezieller Atem-, Konzentrations- und Muskelaufbauübungen bereitet Amengual sie dann auf die ersten Freitauchgänge vor. Anfangs im Schwimmbad, später im offenen Meer. „Sowohl für das Strecken- als auch das Tieftauchen müssen außerdem bestimmte Unterwasser-­Schwimmtechniken gelernt werden, um sich möglichst schnell, aber ohne große Kraftanstrengung zu bewegen. Denn das kostet alles nur Sauerstoff." Auch der Umgang mit Monoflossen sowie die verschiedenen Techniken zum Druckausgleich stehen bei seinen Kursen auf dem Programm.

Und dann geht es atemlos auf Unterwasser-Fischjagd? „Nein. Viele meine Schüler nutzen das Apnoe-Tauchen vor allem zur Entspannung. Das ist ähnlich wie beim Yoga oder anderen Meditationstechniken, die allesamt auf dem Erlernen von tiefen Atemzügen und ruhigen Herzfrequenzen beruhen", sagt Amengual. Und unter Wasser erlebe man die Erfahrung einer Tiefenentspannung um einiges intensiver als an Land.

Wachsende Nachfrage am Freitauchen auf der Insel herrsche aber auch unter vielen Hobby-Fotografen und -Filmern. „Im Gegensatz zum konventionellen Tauchen fühlt man sich ohne eine auf den Rücken geschnallte Sauerstoffflasche wesentlich leichter und befreiter. Man erscheint den Meeresbewohnern auch nicht wie ein ständig Blasen blubbender Eindringling, sondern vielmehr wie einer von ihnen. Das ist bei der Unterwasser-Fotografie natürlich von entscheidendem Vorteil." Wer möchte, kann über den zur Schule gehörigen Apnoe-Tauchverein sowohl an speziellen Ausflügen als auch an den mehrmals im Jahr organisierten Wettkämpfen ­teilnehmen.

Den oftmals gehörten Vorwurf, Apnoe-Tauchen sei eine der gefährlichsten Extremsportarten der Welt, will Amengual übrigens nicht so stehen lassen. „Freitauchen ist, wenn man es denn richtig gelernt hat, eine sehr sichere Freizeitbeschäftigung". Die in den vergangenen Jahren immer wieder durch die Presse geisternden Tieftauchwettbewerbe in der so genannten No-Limits-Kategorie, bei denen sich Taucher mit Bleigewichten bis zu 200 Meter in die Tiefe ziehen lassen, um es anschließend nicht mehr rechtzeitig an die Oberfläche zu schaffen, hätten rein gar nichts mit der Idee des Apnoetauchens zu tun.


www.apneabalear.com

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