Der Bully-Versteher von Palma

So einen gibt es nicht zweimal auf der Insel: Mechaniker Jaume Lladó widmet sein Leben ganz der Marke VW

28.11.2014 | 10:25

Jaume Lladó Comas ist nicht ein Mann allzu vieler Worte. Doch wenn er mit seiner Hand liebevoll über das blitzblankgewienerte Blech seines unter der Sonne glänzenden hellgelb-beigen T1-VW-Busses aus dem Jahr 1966 streicht, wird der zurückhaltende Mechaniker gesprächiger: „Die geteilte Frontscheibe kann man bei diesem Modell nicht mehr herausklappen", sagt der 49-Jährige, und seine Augen leuchten hinter der Brille. Der Wagen ist vor seiner Autowerkstatt „Talleres Coliseo" in Palmas Stadtteil Arxiduc geparkt. Jaume Lladó verweist auf die filigranen Scheibenwischer, die kreisrunden Rückspiegel und vor allem das große VW-Emblem oberhalb der Scheinwerfer. „Und schauen Sie, Steuerrad und Tacho sind Originalteile."

Jaume Lladó hat sich darauf spezialisiert, ältere VW-Fahrzeuge auch für deutsche Insel-Residenten zu reparieren – vor allem Käfer aus den 60ern und den 70ern, Karmann Ghias, auch mit VW-Technik versehene Uralt-Porsches vom Typ 356, wobei ihm ein Mitarbeiter zur Hand geht. Er macht das seit bereits 35 Jahren. Fast ebenso lang richtet Lladó vor allem an den Wochenenden nebenbei alte, auch für Campingurlaube genutzte Bullys für den Eigengebrauch oder zum Verkauf her. Der Mechaniker besitzt noch ein weiteres Exemplar des in Deutschland von 1950 bis 1967 gebauten T1-Busse, und hier ist die Frontscheibe auch noch schön retromäßig herausklappbar. Es ist ein Feuerwehr­auto von 1956 und der ganze Stolz von Jaume Lladó. „Ich habe ihn vor einigen Jahren auf Menorca von einem Briten erstanden, es ist mit Sicherheit der älteste Bully auf Mallorca", schwört er. Der Verkäufer habe ihn bei einer Auktion der Feuerwehr in Deutschland ­erworben. Trotz seiner nur 38.000 Kilometer sei das Gefährt ziemlich durchgerostet gewesen.

Lladó garniert seine immer zahlreicher sprudelnden Sätze zuweilen mit deutschen Worten, den Begriff „Getriebe" etwa spricht er etwa fast akzentfrei aus. In seiner Werkstatt stehen zwischen mehreren Käfern aus den 70ern und einem weißen Triumph-Sportwagen (es ist das einzige nicht deutsche Auto hier) noch zwei weitere T1-VW-Busse herum, darunter ein himmelblauer, der 1974 im VW-Werk bei São Paulo gebaut worden war. Aber die gehören Jaume Lladó nicht. „Das Typische am Brasilien-Bus ist, dass die Fenster an der Seitenfront kleiner sind", weiß er. Ja ja, die Fenster haben es ihm angetan.

Der VW-Narr von Palma geht immer gleich vor, wenn er einen Bully erworben hat oder ihn für einen Kunden auf Vordermann bringt: Die alten, in der Regel schwachen Motoren mit nur etwa 30 PS werden durch starke mit bis zu 200 PS ersetzt, außer dem Chassis und einigen Armaturen wird fast alles ausgewechselt. Holzverkleidungen, die Polsterung, Achsen, Stoßdämpfer, Bremsen, Reifen – das und viel mehr wird mit viel Liebe zum Detail erneuert.

Mit seinem roten und seinem hellgelb-beigen T1-Bully war Lladó bereits mehrfach bei Treffen von Furgoneta-Fans auf dem europäischen Festland, sehr gern in Deutschland, aber vor allem in England. In dem Königreich sei man noch um ein Vielfaches sammelwütiger als im Heimatland des Bullys, weiß Lladó. „100 Kilometer von London entfernt findet jedes Jahr im Sommer das bekannteste Bus-Fest mit mehr als 8.000 Wagen statt." Bei diesem Treffen im Grünen mit Kinder-Betreuung, Show-Programm und vielem mehr ist der VW-Narr von Mallorca fast ein Stammgast. Er fachsimpelt dann dort etwa über die Geschmeidigkeit von Kupplungen von Bullys von 1965 oder die Halbwertszeit von Gangschaltungen. Jaume Lladó fragt auch nach, ob irgend jemand in irgend einem Schuppen oder sonstwo ein kaufenswertes Fahrzeug gesichtet hat und ob gerade viele Bullys auf dem Markt sind.

„Ich mag diese Autos einfach, sie sind so stabil, hart und ausdauernd", begründet der bis unter die Knochenhaut authentische palmesano sein VW-Faible. „Nichts kann ihnen etwas anhaben. Gar nichts." Schon sein Vater, ebenfalls jahrzehntelang Mechaniker in Palma, habe mit Autos des Wolfsburger Konzerns zu tun gehabt, weswegen er schon früh auf den Geschmack gekommen sei. „Mein erstes Auto war ein Käfer."

Jaume Lladó ist inzwischen völlig aufgetaut, zumal der Reporter ihn mit der Information aufheitert, dass dessen Eltern in den 80er Jahren im heimischen Buenos Aires ebenfalls einen Bully mit Camping-Einrichtung besessen hatten, einen durchdringend grünen T2 (Bauzeit von 1967 bis 1979) mit glatterer Front, unbrasilianisch rechteckigeren Seitenscheiben und sogar einer funktionstüchtigen Küche. Mit dem wurden wochenlange pannenfreie Reisen sogar bis Patagonien, Puerto Montt in Südchile, Porto Alegre in Brasilien oder Potosí und La Paz in Bolivien durchgezogen.

„Ja, den T2 finde ich auch ganz wunderbar", sagt Jaume Lladó und zeigt auf eine Frontpartie dieses Fahrzeugs, die fast achtlos ebenfalls in der Werkstatt steht und an diese weitere Bully-Generation erinnert. „Meiner in Belgien lebenden Tochter werde ich einen davon zum 18. Geburtstag schenken."

„Talleres Coliseo", Carrer Arxiduc Lluis Salvador, 95 A, Tel.: 971-29 39 51.

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