Bougainvillea - der Patio-Klassiker einmal anders

In der Gärtnerei Sa Porrassa in Magaluf wird die Pflanze mehrfarbig und in vielen Formen gezüchtet

13.06.2015 | 08:29
Bougainvillea - der Patio-Klassiker einmal anders

Blüten in mehreren Farben an einer Bougainvillea? So scheint es auf den ersten Blick. Die wuchsfreudigen Pflanzen berühren das Dach des etwa drei Meter hohen Gewächshauses der Gärtnerei Sa Porrassa in Magaluf und machen den Eindruck, als füllten sie mit ihrem wilden Durcheinander von Weiß, Orange, Pink und Violett den Raum zur Gänze aus. Eigentlich sorgen jedoch nicht Blüten für die Farbenpracht der Bougainvilleen, sondern sich verfärbende Blätter. Die eigentlichen Blüten sind klein und unscheinbar.

Weil die Form einiger Drillings­blumen – so wird der Patio-Kletterer auch genannt – am oberen Ende eine Spitze bildet, nennt man sie in der Gärtnerei piramides. „Wir haben vor fünf Jahren begonnen, diese verschiedenfarbigen Kletterpyramiden zu züchten", sagt Agrar­ingenieur Gerardo López. Der Schein trügt jedoch. Aus jedem der dunklen Kunststofftöpfe wachsen mehrere Stämme, die an langen Schilf­stangen
befestigt sind.

Der Farben-Mix entsteht also, weil eng nebeneinander mehrere Bougainvilleen verschiedener Farben wachsen. In fünf Jahren hatten die Lianen Zeit, sich so eng umeinander zu schlingen, dass sie heute wie eine einzige Pflanze wirken. Botanisch handelt es sich um die Sorte Bougainvillea glabra (Bouganvilia span., Buguenvíl·lea kat.). Eine genaue Bestimmung ist schwierig, weil die Pflanze zur Hybridisierung neigt und der Markt voll von Zuchtformen ist.

„Die Kletterpyramiden können das ganze Jahr über in die Erde gepflanzt werden", sagt der 34-Jährige. Die Jungpflanzen hätten in den Räumen der Gärtnerei lange genug Zeit gehabt, ein widerstandsfähiges Wurzelwerk zu entwickeln. Wenn die Sträucher bei ihren neuen Besitzern einen Standort mit viel Licht und Sonne vorfinden, würden sie in Bälde mit ihrer Farbenpracht Mauern, Fassaden oder ein Vordach zieren.

Bougainvilleen müssen aber nicht unbedingt Kletterer sein, wie ein paar Dutzend Pflanzen mit dicken Ästen und Stämmen zeigen, die in einem anderen Gewächshaus in Sa Porrassa wachsen und Anfang Juni nur zögerlich Blüten zeigen. „Wir nennen sie Bonsai", sagt der Experte. Mit den Winzlingen der Bonsai­züchter haben diese zwischen zwei und drei Meter großen Riesen allerdings nichts zu tun. Aber man muss auch sie regelmäßig stutzen.

Denn die Lianen werden in Formen aus Maschendraht festgebunden, die an den Enden der dicken Äste stehen. Derzeit werden abstehende Äst noch gestutzt und festgebunden. Verwelkte Blätter müssen abgepustet werden. „Jeder Ast wurde mit einem Zweig einer anderen Farbe veredelt", sagt der Experte und zeigt auf Verdickungen an den Ästen. Die Blüte ist im Juli zu erwarten. Dann wird sich jede Form in einer anderen Farbe zeigen. Einfarbig sind dagegen die Blätter von Bougainvilleen, deren Stämme sich hinter einem abgestorbenen knorrigen Olivenholz verbergen, das als Kletterhilfe dient. Die Krone wurde rund als Formschnitt gestutzt.

Für kleine Gärten oder Terrassen eignen sich ´Mini-Thai´-Arten, die bis zu zwei Meter hoch werden können. Bei dieser Sorte kommt es nicht – wie bei der kletternden Verwandtschaft – zur Lianenbildung. Deshalb benötigen diese Büsche auch keine Kletterhilfe. Die Farbe ihrer Blüten ist dunkles Purpur.

Mit Stamm und Krone züchtet man in Magaluf die Bougain­villea sanderiana, deren Hochblätter meist violett sind. Sie gilt als widerstandsfähiger gegen Kältegrade als andere und wirft an warmen Standorten weniger Blätter ab. Sie wird in der Gärtnerei in Magaluf auch mit Stamm und Kugelkrone gezüchtet. „Wir sind auf der Suche nach einer weißblühenden Variante, haben sie jedoch noch nicht gefunden", sagt Gerardo López.

www.porrassa.com

Viele Mineralien, aber wenig Giesswasser

Die Bougainvilleen wachsen in der Gärtnerei Sa Porrassa zur Veredelung viele Jahre, ja Jahrzehnte, in Pflanzgefäßen. Als Substrat setzt man die als umweltfreundlich bekannte Kokosfasern ein.

Im Winter wird sehr sparsam gegossen, im Sommer mehr. Doch grundsätzlich gilt: Diese Pflanze mag es trocken. Nach dem Kauf empfiehlt sich, zwar wenig zu gießen, das Wasser jedoch genau auf den Durchmesser des Wurzelballens zu geben. Eine vermehrte Wasserzugabe während der Anwachszeit benötigt die Bougainvillea nicht. Erwachsene Pflanzen können während der Hitzezeit Wasser vertragen, Staunässe ist jedoch unbedingt zu vermeiden.

Die Nährstoffe gibt man in der Gärtnerei über die Bewässerungsanlage an die Pflanzen. Vor und während der Blütezeit braucht die Pflanze vermehrt Stickstoff, Phosphate und Magnesium. Gartenbesitzer können die Bougainvilleen jedoch auch mit den gängigen NPK-Blühdüngern versorgen, die in Spanien als NFP-Produkte im Handel sind. Oder aber mit organischen Düngemittel, wie Kompost oder Mist.

Vor alle weiße Bougainvilleen-Sorten – sie sind empfindlicher als andere – können auf Kalk in der Inselerde oder im Gießwasser mit Eisenmangel reagieren, der an einer hellen Verfärbung der Blätter zu erkennen ist. Mit Präparaten wie „Quelato de Hierro" kann der Eisenmangel behoben werden.

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