Die letzte Fahrt der "C4"

Wie ein republikanisches U-Boot im Bürgerkrieg Briefmarkensammler begeistern sollte und später bei einem Manöver versenkt wurde

29.06.2015 | 19:31
Die „C4" im U-Boot-Stützpunkt von Port de Sóller

Noch über 70 Jahre nach ihrem Untergang wird die „C4" im offiziellen Bestandsbericht der spanischen Marine als „im Einsatz vermisst" geführt. Grund: Weder von dem über 70 Meter langen U-Boot noch seiner 44-köpfigen Besatzung, die nur wenige Seemeilen westlich von Port de Sóller bei einem Manöver verunglückten, wurden jemals Überreste gefunden.

Die „C4" erlangte aber nicht allein wegen ihres tragischen Endes vor Mallorca nationale Berühmtheit. Im spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) hatte sie bereits als erstes Post-Unterseeboot der Welt maritime Geschichte geschrieben.

Die „C4W war 1929 im spanischen U-Boothafen von Cartagena vom Stapel gelaufen. Zu Beginn des spanischen Bürgerkrieges wurde sie von den Republikanern vor allem zur Überwachung der Meerenge von Gibraltar eingesetzt, im Laufe der weiteren Kriegsjahre dann nach Barcelona verlegt.

Paket-Boot zwischen Barcelona und Menorca
Hier wurde dem U-Boot und seiner Besatzung dann eine ganz neue Aufgabe zuteil: der Transport von Briefen und Paketen von der katalonischen Hauptstadt nach Menorca, der einzigen, noch republiktreuen Insel der Balearen nach dem Putsch der Franco-Schergen. Das auf den ersten Blick seltsame Unterfangen, ein Unterseeboot der Kriegsmarine zur zivilen Postbeförderung einzusetzen, hatte natürlich einen tieferen Grund. Denn bevor die „C4" überhaupt zu ihrer ersten Postfahrt nach Menorca auslief, hatte die republikanische Regierung bereits Tausende von Briefmarken mit dem Motiv des ersten Post-Unterseebootes" der Welt drucken lassen. Mit dem Verkauf der Briefmarken – unter anderem an vermögende Sammler weltweit – sollte der Kauf von Waffen und Ausrüstung finanziert werden.

Insbesondere in den Vereinigten Staaten stieß die für damalige Verhältnisse kuriose U-Boot-Briefmarke aus Spanien auf reges Interesse. Und zwar auf ein so großes, dass die Militär­führung in Barcelona einem US-amerikanischen Journalisten im ­September 1937 sogar die Erlaubnis erteilte, die „C4" bei einer ihrer Postlieferungen nach Menorca zu begleiten.

Dabei soll er allerdings nach Strich und Faden hereingelegt worden sein. So fand ein katalanischer Historiker viele Jahre später anhand von militärischen Aufzeichnungen aus der Bürgerkriegszeit heraus, dass die „C4" insgesamt nur zweimal zu einem „Post-Transport" nach Menorca abkommandiert worden war. Und dass sich in einigen der mitgenommenen Paket-Säcke angeblich nur Zeitungspapier befunden haben soll.

Nach der Machtübernahme von Franco wurde die spanische U-Bootflotte größtenteils lahmgelegt. Die „C4" verbrachte den Zweiten Weltkrieg daher vor allem im Trockendock auf dem spanischen Festland. Erst im Sommer 1946 wurde sie nach vielen Jahren unregelmäßiger Wartung wieder zum Einsatz beordert. Dabei handelte es sich um ein See-Manöver vor der Westküste Mallorcas. Die Simulation sah vor, dass mehrere Zerstörer und Fregatten einen U-Bootangriff abwehren sollten.

Beim Auftauchen in zwei Teile gerissen
Am späten Vormittag des 27. Juni verließ die „C4" wie vorgesehen den U-Bootstützpunkt in Port de Sóller. Ihr Manöver-Ziel – ein Zerstörer der spanischen Marine sowie drei weitere Begleitschiffe – befand sich etwa 13 Seemeilen westlich des Hafens. Doch der scheinbar harmlose Einsatz endete einer der größten maritimen Unglücke in mallorquinischen Gewässern.

Aus nie geklärten Gründen tauchte die „C4" am Treffpunkt direkt vor dem Bug des in diesem Moment mit fast 14 Knoten Geschwindigkeit durch die Wellen schneidenden Zerstörers „Lepanto" auf. Das Schlachtschiff hatte nicht die geringste Chance, der anschließenden Kollision auszuweichen. Der Rumpf des fast fünfmal schwereren Zerstörers soll das U-Boot auf Höhe dessen Einstiegsturms in zwei Teile gerissen haben, wie Augenzeugen später berichteten. Innerhalb von wenigen Sekunden sank die „C4" mit ihrer Besatzung für immer in die Tiefe.

Vor zwei Jahren fand im Hafen von Sóller erstmals eine offizielle Feier der spanischen Marine zum Gedenken an die 44 verstorbenen Besatzungsmitglieder statt. Das Wrack wird nach Sonar-Messungen aus den späten 50er Jahren in einer Tiefe von rund 300 Meter vermutet. Doch bis man irgendwann vielleicht einen Tauchroboter dort hinunterschickt, um Bilder von den Überresten zu machen, wird die „C4" weiterhin nach militärischer Vorschrift als „im Einsatz vermisst" geführt.


Wracks rund um die Insel

Name: „C4"
Typ: U-Boot
Länge: 73 Meter
Untergang: 27. Juni 1946
Tote: 44
Wrack-Tiefe: circa 300 Meter

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