Sternschnuppen zum Geburtstag

In der Nacht auf den 13. August gibt es wieder die "Tränen des Laurentius" zu bewundern - am besten in der Sternwarte von Costitx. Dort wird der Himmel seit bald 25 Jahren zum Event

12.08.2015 | 10:43
Viel zu gucken im Planetarium.

Es gibt bessere Standorte für eine Sternwarte als Mallorca. Die hohe Luftfeuchtigkeit ist von Nachteil. Und wirklich hohen Berge wie etwa den Teide auf den Kanaren gibt es auch nicht. Hätte Sálvador Sánchez damals auf die Skeptiker gehört, aus dem Observatori Astronòmic de Mallorca (OAM) wäre wohl nichts geworden.

„Aber wir wollten etwas auf die Beine stellen", sagt der Leiter der Sternwarte von Costitx über die damalige Gruppe von Sternguckern, die sich zu Vorträgen versammelte und ihrem Hobby in einer privaten Sternwarte in Sencelles nachging. Hinzu kam die Begeisterung über den Kometen Halley im Jahr 1986. Bis die Landesregierung das Projekt genehmigte und die Sternwarte am 21. Mai 1991 offiziell in Betrieb genommen werden sollte, strichen aber noch einige Jahre ins Land.

In den folgenden knapp 25 Jahren hat sich das einstige Projekt ambitionierter Amateure mit seinen ferngesteuerten Teleskopen und seinen Entdeckungen einen internationalen Namen gemacht – zahlreich sind die erspähten Asteroiden – von denen einer etwa Rafael Nadal heißt –, Kometen, Supernovae oder erdnahen Objekte. Studenten und Wissenschaftler in Deutschland oder England greifen übers Internet auf die Infrastruktur zu. Aber auch auf Mallorca kennt praktisch jedes Kind die Kuppeln im Niemandsland von Costitx, schließlich werden fast täglich staunende Schulklassen über das Gelände geschleust.

Für das begonnene Jubiläumsjahr sind nun zahlreiche Vorträge und Workshops geplant. Das nächste Mal gibt es in der Nacht vom 12. auf den 13. August volles Haus, um die „Tränen des Laurentius" zu beobachten: Dann wird ab 22.30 Uhr eine 360-Grad-Liveübertragung des Sternschnuppenregens vom 2.400 Meter hohen Vulkan Teide auf Teneriffa gezeigt. Mitarbeiter Joan Guillem Capó Caldentey stellt sich auf einen Marathon ein: Gruppenweise und stundenlang erklärt er dann das Phänomen, bis mindestens um 3 Uhr nacht. Manche legen sich auch einfach draußen in die Wiese und schauen in den Himmel. Zwar könne man die „Tränen des Laurentius" von überall aus beobachten, so Capó, aber hier bei Costitx würden die Perseiden eben zum Event (Anmeldung per E-Mail: ­astroam@gmail.com).

Die Sterngucker haben dafür gesorgt, dass es im Laufe der Jahre immer wieder etwas Neues zu bestaunen gab. 1997 kamen dank Fördergeldern der EU sieben kleinere Kuppeln mit voll ausgerüsteten Teleskopen hinzu. Nun konnten sich internationale Studentengruppen in Costitx die Nacht um die Ohren schlagen und tagsüber im Hotel schlafen. 2003 wurde dann mit Geldern des Inselrats auch das Planetarium eingeweiht – das Projekt war ursprünglich für Inca geplant, aber sei dort im „politischen Desinteresse" versackt, so Sánchez. Mit dem ­Planetarium konnte dann auch die breite Bevölkerung für das Thema Astronomie begeistert werden, ein Übriges taten etwa eine Dauerausstellung über Meteoriten oder der Nachbau der legendären Raumfähre Apollo 11.

Der bislang letzte Meilenstein war die Einrichtung zweier Lehr- und Ausbildungsteleskope, dem „Pirate" mit 43 Zentimetern Durchmessern, das in Zusammenarbeit mit der Open University in England betrieben wird, sowie dem PTST (Planet Transit Search Telescope) mit 60 Zentimetern Durchmessern, dank dem Studenten im verregneten Hamburg freien Blick auf den Sternenhimmel haben im Inselinneren haben.

Die Fernsteuerung der Teleskope wurde immer weiter verfeinert – inzwischen sei es nicht mehr notwendig, vor Ort auf Mallorca zu sein, erklärt Vadim Burwitz, der die Entwicklung des OAM von Anfang an intensiv begleitet und die internationalen Kooperationen vermittelt hat. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in München nutzt die Sternwarte von Costitx auch heute noch in seiner täglichen Arbeit, etwa bei der Vorbereitung von eROSITA, einem Instrument, das 2017 an Bord des russischen Satelliten Spektrum-Röntgen-Gamma in den Orbit geschossen werden und die erste vollständige Himmelsdurchmusterung im mittleren Röntgenbereich ausführen soll. Burwitz, Leiter der Röntgentest­anlage, greift auf die Sternwarte von Costitx zurück, um etwa ­Helligkeitsmessungen von Objekten oder Simultanbeobachtungen vorzunehmen.

Umgekehrt kann Costitx inzwischen auch auf Teleskope auf dem Teide auf Teneriffa zugreifen – Sánchez verweist auf eine seit sechs Monaten bestehende Kooperation mit dem Astrophysischen Institut auf den Kanaren. „Jetzt können wir auch hier den besten Himmel in ganz ­Spanien sehen." Umso mehr ärgert den Direktor die in seinen Augen stiefmütterliche Behandlung durch die politischen Institutionen – die Förderanträge an Mallorcas Inselrat seien zeitraubend, die Zahlungen unregelmäßig. Deswegen soll jetzt unter der neuen Linksregierung ein neuer Anlauf für die geplante Stiftungsgründung unternommen werden.

Von den Mitteln hängen nicht nur neue Projekte wie ein kleines Apollo-11-Museum ab. Es ist vor allem die Wartung des bislang Erreichten, die viel Zeit und Energie verschlingt. Das zeigt sich im Großen wie im Kleinen. Mitarbeiter Capó zeigt die verschlissenen Sitze im Planetarium, die erneuert werden müssen. Auch eine neue Software sei vonnöten. Und die wertvollsten Meteoriten hat Sánchez vorsorglich in in seinem Dienstzimmer weggeschlossen, weil ein Exemplar beschädigt worden war.

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