Feld und Garten: 160 Meter künstliche Romantik

Nicht wirklich königlich, aber beeindruckend dicht: ein botanischer Rundgang durch die meistbesuchte Gartenanlage der Insel: s´Hort del Rei in Palma

21.08.2015 | 12:10

Das Hochzeitspaar posiert vor einem Hibiskus, der Fotograf hat den Zeitpunkt für das Shooting richtig gewählt. Am frühen Morgen kurz nach 8 Uhr sind im s´Hort del Rei am Fuße des Palau Reial de l´Almudaina nur die Gärtner-Brigaden der Stadt Palma unterwegs. Sie kehren die Blätter auf dem kunstvoll verlegten Naturstein­mosaik. Blüten zeigen sich im August eher spärlich, um so mehr beeindrucken die vielen Töne des erfrischenden Blattgrüns. Doch noch ist es zu früh für den Rundgang. Im Café Lírico – wir kehren später hierher zurück – wartet Pere Lofriu, Autor verschiedener Bücher über Mallorcas Pflanzen und Bäume. Er wird durch die Gartenanlage führen und die botanischen Pflanzennamen benennen.

Der 160 Meter lange Spaziergang durch den meistdurchquerten Garten der Insel beginnt am Eingangstor nahe der Plaça de la Reina. Genau in der Sichtachse des Tors befinden sich zwei Wasserbecken mit sich kreuzenden Fontänen, rechts und links wachsen in Reih´ und Glied
Zypressen, die oben akkurat beschnitten sind. Eingesäumt sind die Beete von Pityrosporum-­Hecken. Vier sorgfältig rund gestutzte Kronen von auf hohen Stämmen wachsenden Orangen­bäumen geben den Kontrast zu der ansonsten linearen Gestaltung. Die von Beeten umrahmten Wasserspiele, so erzählt man sich, sollen häufiger als Fotomotiv für Urlauber dienen als die gotischen Hintergründe der Kathedrale.

Über alledem schweben die gefiederten Blätter riesiger ­Tipuana-Bäume, auch Gelbe Jakaranda genannt. Das aus Südamerika stammende Zier­gewächs ist hier in großer Zahl vertreten, im Frühjahr bildet es eine gelborange­farbene Blütenpracht. Wenn man dann links von den Wasserspielen weitergeht, tauchen markante Baumstämme auf. Es sind Kentia-Palmen, (Howea forsteriana), die an deutlichen, von alten Blattscheideresten stammenden Ringen am Stamm und fiedrigen Wedeln zu erkennen ist. Auch der Florett­seidenbaum (Chorisia speciosa) ist botanisch leicht zu bestimmen: Er hat eine dicht mit Spitzen besetzte Rinde, seine pinkfarbenen Blüten zeigen sich hoch oben in der Krone.

Hinter den Wasserbecken trifft man dann auch auf verschiedene Japanische Palmfarne. Die Cycas gelten als Pflanzfossilien, sie haben sich aus den Farnen entwickelt, ohne die Evolutions­stufe der Palmen zu erreichen.

In der Mitte des Weges wächst die mit fiedrigen Blättern ausgestattete Cycas circinalis mit männlicher zapfen­förmiger Blüte. Am Rande eines Wasserbeckens stehen vier hochstämmige Exemplare der Cycas revoluta. Einer dieser Farne zeigt dieser Tage eine weibliche Kugelblüte.

Auf einer gepflasterten Terrasse dahinter werden bereits Verkaufsstände für Souvenirs aufgebaut. Es ist an der Zeit, wieder ins Café Lírico zurückzukehren. „Ihr müsst aber noch den Ficus elastica sehen", sagt Llofriu. Der riesige Gummibaum gedeiht eng verschlungen mit einem einheimischen Palmito.

„Es sind damals zu viele Pflanzen gesetzt worden", sagt Llofriu im Café. Heute wollen sie alle hoch hinaus und behindern sich auf der Suche nach Licht gegenseitig. Das ergibt für die Besucher ein Schattendach wie im Regenwald.

Und für die Stadtgärtner ein wohl bei der Eröffnung im Jahre 1968 nicht vorgesehenes Problem. Die Anlage wurde von dem mallorquinischen Architekten Gabriel Alomar und dem deutschen Landschaftsgärtner Uli Werthwein entworfen. Zuvor stand auf einem Teil der Anlage ein Opern- und Theaterhaus. „Es sollte ein historischer Garten entstehen", doch wie im Franco-Regime üblich, habe man sich in ganz Spanien von der maurischen Gartenkultur Andalusiens inspirieren lassen. Die Idee für die Wasserspiele gab damals die nahe bei der Alhambra gelegenen Gartenanlage des Palastes Generalife in Granada.

Der Name s´Hort del Rei sollte dagegen an den mittelalterlichen Hortus des Königspalasts im 14. Jahrhundert erinnern, in dem sich die Könige nur selten aufhielten. Hinter Mauern – es könnten auch die eines Klosters gewesen sein – gab es einen Nutzgarten, in dem neben Orangen-, Lorbeer- und Pflaumenbäumen auch Reben und Gemüsepflanzen wuchsen. „Die Anlage heute ähnelt dem alten Garten nicht", sagt Pere Llofriu, „und mit der Insel hat sie wenig zu tun". Aber sie treffe genau den Publikumsgeschmack.

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