Shooting im Meer: Iker Larburu ganz in seinem Element

Der gebürtige Kanarier hat fast sein ganzes Leben am und im Wasser verbracht. Dass er nun auch seine Shootings ins Meer verlegte, war da nur die logische Konsequenz

11.09.2015 | 12:43

Es waren genau zwei Monate, die Iker Larburu nicht am Wasser verbrachte. 2013 war das, auf seiner einjährigen Asienreise, die ihn acht Wochen nach Nepal, in den Himalaya führte. Sein restliches Leben hat der 30-Jährige immer ganz nah an seinem bevorzugten Element verbracht: geboren auf Gran Canaria, aufgewachsen in Alicante, Studium in Valencia; vor sechs Jahren kam er dann nach Mallorca, um für einen großen Hotelkonzern Websites zu programmieren.

Doch damit wurde die Wasser­ratte Larburu, der schon als Jugendlicher mit seiner ersten selbst erstandenen Kamera den Wellen hinterherjagte, nicht glücklich. Nach reichlichem Überlegen hängte der Informatiker seinen Bürojob 2014 endgültig an den Nagel, um fortan seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Seitdem fotografiert der Autodidakt Hochzeiten, Taufen, Erstkommunionen und Familienfeiern – das ist die Pflicht. Die Kür aber findet unter Wasser statt, wofür ihm die Strände und Buchten seiner Wahlheimat mit ihrem kristallblauen Wasser und viel natürlichem Sonnenlicht traumhafte Bedingungen bieten.

Zwischen Meeresgrund und Wasseroberfläche setzt Larburu Frauen in weißen Kleidern wie Meerjungfrauen in Szene oder fängt die Küsse von Verliebten und Frischvermählten ein. Unter dem Motto trash the dress darf das Paar auf Wunsch auch im Hochzeitsoutfit antreten. Buchen können die Unterwasser-Shootings, die am besten zwischen Mai und Oktober stattfinden, aber auch Schwangere, Inselbesucher, die Lust auf ungewöhnliche Urlaubsfotos haben, oder Familien. Sogar die mallorquinische Band Hattori Hanzo Surf Experience hat schon angefragt, um etwas ausgefallenere Bandfotos machen zu lassen.

„Man muss dafür kein super Taucher sein, wichtig ist nur, dass die Leute sich im Wasser wohl fühlen und schwimmen können." Die Sessions – die mit kleinen Kindern alternativ auch im Swimmingpool möglich sind – dauern in der Regel zwischen einer halben Stunde und einer guten Stunde. „Wobei ich, wenn die Kunden Spaß daran haben, auch noch weitermache", sagt Larburu. Unterwasser­fotografie sei zwar anstrengend für die Modelle und eine Herausforderung für den Fotografen, habe aber auch einen hohen Suchtfaktor.

Vermutlich weil anders als in einem Studio die Bedingungen nicht bis aufs Letzte optimiert werden können. Die Kulisse wird schließlich in erster Linie von Wind und Wetter bestimmt. Im Vorfeld eines Shootings prüft der Fotograf deshalb sorgfältig die Vorhersage. Sonnenschein ist Grundvoraussetzung, doch zudem sollte das Wasser möglichst ruhig sein. Vor Wind und Wellen macht Larburu, der sich als langjähriger Surfer mit der Materie auskennt, einen großen Bogen – und sucht nach Orten, wo es am vereinbarten Termin möglichst windgeschützt ist. Ob die Aufnahmen in einer Bucht in Calvià oder doch eher im hohen Norden bei Pollença stattfinden, erfahren die Kunden somit immer erst am
Vortag.

Auch die eigentliche Arbeit hat wenig mit dem zu tun, was ein Studiofotograf tut. Die Modelle bekommen zunächst eine Einweisung, um typische Anfängerfehler zu vermeiden: Die Augen nicht zu weit aufreißen, die Backen nicht aufblasen, Hände und Füße möglichst gestreckt halten. Einmal im Wasser, müsse dann alles sehr schnell gehen. „Das Licht ändert sich, die Farben, die Tiefe, ja sogar die Kleidung", sagt Larburu. Deswegen dürfe er nicht lange fackeln und müsse genau im richtigen Moment auf den Auslöser drücken. „Solche Szenen, eine Pirouette im Wasser etwa oder einen Kuss, das kann man ja nicht zigmal wiederholen." Neben einer speziellen Ausrüstung im Wert von mehreren Tausend Euro kommt es beim Fotograf deshalb sehr wohl auch auf die körperliche Fitness an: Er muss sehr lange unter Wasser bleiben können und wendig sein wie ein Fisch.

Jedes Shooting ist eine neue Herausforderung – die Larburu gerne annimmt. „Man muss sich heutzutage, im Zeitalter der Bilderflut, etwas Neues einfallen lassen", sagt er. Will heißen: den Leuten Fotos bieten, die sie nicht selbst mit Handy und Selfie-Stick schießen können. Die Rechnung scheint aufzugehen – auf der Insel hätten seine Sessions mittlerweile schon ein paar Nachahmer gefunden, erzählt der Spanier. „Aber ich war der Erste." Bereut hat Iker Larburu seinen Wechsel vom Schreibtisch in die Unterwasserwelt bisher keine Sekunde. „Ich verbringe mehr Zeit in der Natur, in meinem Element, dem Wasser, und vor allem mit Menschen." Am Computerbildschirm führt allerdings nach wie vor kein Weg vorbei: Nach getaner Arbeit im Wasser wählt Larburu zu Hause die besten Bilder für die Kunden aus und bearbeitet sie ein bisschen nach. Das ließe sich nicht vermeiden, da der Kontrast unter Wasser zu gering sei. „Ich fasse jedes Foto noch einmal an, nur so kann man das Beste aus jedem Bild herausholen."

Info und Buchung unter www.ikerlarburu.com

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