Wasserwelten: Seeluft macht hungrig

Das Essen auf Törns von Charter- und Freizeityachten kann über die Stimmung an Bord entscheiden. Meist ist es recht einfach. Aber es gibt ein paar gute Tipps

23.10.2015 | 12:19

Wer längere Zeit auf einem ­Motor- oder Segelboot unterwegs ist, wird es wissen: Seeluft macht in der Regel schnell hungrig. Doch die Zubereitung von Speisen und Gerichten in den räumlich begrenzten Kochnischen oder Kombüsen unter Deck ist nicht jedermanns Sache. Ganz anders im Fall von Birgit Barzen. Die 51-jährige Deutsche mit Wohnsitz auf Mallorca arbeitet seit etlichen Jahren als professionelle Köchin für Besitzer von Privatyachten.

„Vor Reiseantritt verschaffe ich mir zunächst einen genauen Überblick über die Ausstattung an Bord. Die besteht auf den meisten Yachten aus einem kardanisch aufgehängten Herd und einem Kühlfach. Größere Yachten haben Gefriertruhe, Mikrowelle und einen Backofen an Bord", sagt Barzen. Entscheidend für sie sind vor allem die Staumöglichkeiten zur Lagerung der Lebensmittel. „Auf Tagestouren sind belegte Brote und Sandwichs am bequemsten. Für längere Touren empfiehlt es sich, einige Gerichte bereits an Land vorzubereiten. Eintöpfe, wie beispielsweise Chili con Carne, können schnell warm gemacht werden. Als Beilage kann man Reis oder Nudeln in der Regel problemlos an Bord kochen."

Grundsätzlich gilt: Speisen, die den Magen übersäuern, sind auf See zu vermeiden. „Dazu gehören neben Kaffee und Schokolade insbesondere grüne Äpfel, Orangen oder andere Zitrusfrüchte. Auch Müsli mit Milch kann bei unruhiger See Übelkeit oder gar Seekrankheit auslösen. Statt mit Milch sollte man Cornflakes, Haferflocken oder Ähnliches mit heißem Wasser aufgießen und ein paar Minuten lang ziehen lassen."

Barzen empfiehlt, möglichst viele kleine Mahlzeiten über den Tag einzunehmen. „Das Essen an Bord ist vor allem eines: ein Stimmungsaufheller. Das macht sich insbesondere auf längeren Fahrten bemerkbar." Wichtig sei auch, stets die anderen Crewmitglieder und Bordgäste zu fragen, ob sie auch etwas essen möchten, bevor man in der Kombüse verschwindet. Das stärke das Gemeinschaftsgefühl. Als Koch oder Köchin sollte man auf jeden Fall seewetterfest sein. „Bei starkem Wellengang wird selbst erfahrenen Skippern oftmals schlecht, sobald sie unter Deck gehen. Wenn die da unten dann noch etwas Essbares zubereiten sollen, dann kann das richtig in die Hose gehen."

So verpflegen sich erfahrene Schiffer


Tom Eugster
Langstrecke, Überführungen

Bei mir an Bord muss es schnell und einfach gehen: belegte Brote mit Salami, Wurst, Käse. Dazu immer Salzgebäck und für die Nacht Energy-Drinks oder Cola. Auf Segelyachten, die langsamer fahren, haue ich mir unterwegs schon mal ein Steak in die Pfanne. Frisches Obst und Salat gehört auf längeren Törns ebenfalls mit an Bord. Auf dem Wasser verbraucht der Körper mehr Kohlenhydrate als an Land. Nudeln und Pasta-­Gerichte sind daher empfehlenswert. Alkohol trinke ich auf dem Boot grundsätzlich nicht.


Darius Wozniak
Tagestörns, Überführungen

Auf dem Schiff groß zu kochen, halte ich – außer wenn man wirklich auf hoher See ist – für vollkommen unnötig. Dazu gibt es viel zu gute Restaurants in den meisten Häfen, in denen man nach jedem Törn am Abend einkehren kann. Das ist doch viel bequemer als unter Deck in der Kombüse herumzuwursteln. Wem die Restaurants zu teuer erscheinen, der sollte sich eh lieber gleich eine andere Freizeitbeschäftigung suchen. In Port d´Andratx gehe ich in der Regel stets ins „Made in Italy" direkt am Hafen.


Jutta Birfelder
Langstrecke, Regatten

Ich habe stets rohe Gurken, Karotten sowie Nüsse und Trockenobst dabei. Vor dem Törn bereite ich mir das Essen weitgehend vor. So kann ich auch bei unruhiger See schnell und einfach etwas essen. Heißen Tee oder Kaffee aus der Thermos­kanne sollte man ebenfalls schon vor dem Auslaufen vorbereiten. Alkohol rühre ich an Bord nicht an. Rotwein beispielsweise kann sehr schnell Seekrankheit auslösen. Grundsätzlich gilt für mich: Nicht zu viel essen, aber auch nicht zu wenig. Essen steigert die Stimmung an Bord.

Silke Wittstock Regatten, Überführungen

Eine gute Vorbereitung ist alles. Je nach Länge des Törns koche ich zu Hause vor. Bei Regatten und Tagestörns nehme ich mir Schwarz- oder Vollkornbrot mit. Dazu gibt es hartgekochte Eier. Obst – insbesondere Äpfel – und Müsli-Riegel habe ich ebenfalls stets dabei. Da ich unter einer Lactose-Unverträglichkeit leide, ist Käse für mich tabu. Tomaten schmecken mir an Bord ebenfalls nicht. Auf längeren Überführungsfahrten koche ich Reis mit Huhn. Alkohol ist an Bord kein Thema. Dafür trinke ich umso mehr Wasser.


Oliver Ochse
Segellehrer, Regatten

Segeln ist für mich ein echter Sport. Dementsprechend bewusst ernähre ich mich auch an Bord. Kohlenhydrate sind gerade bei Regatten entscheidend, um dem Körper die nötige Energie für die zahlreichen Manöver zu geben. Um 11 Uhr gibt es bei mir stets Kaffee. Auf längeren Törns mache ich auch mal eine Tortilla oder eine Pizza. Alkohol trinke ich grundsätzlich nie an Bord. Der Körper benötigt allerdings sehr viel mehr Flüssigkeit auf See als an Land. Daher bunkere ich ordentlich Wasser. Übrigens: Bananen an Bord bringen Unglück.


Lars Liewald Skipper, Trainer und Überführungen

Als Skipper habe ich den Vorteil, dass meine Crew meist für mich kocht. Bei Chartergästen stehen meist Nudeln mit Tomatensauce hoch im Kurs. Wichtig ist aber, abwechslungsreich zu essen. Gerade Anfänger sind der Meinung, dass sie an Bord keinen großen Hunger haben. Bekommen sie aber etwas serviert, essen sie es in der Regel mit Heißhunger auf. Auf wochenlangen Törns, beispielsweise über den Atlantik, sollte man alle Staumöglichkeiten ausschöpfen, um auch frisches Obst und Gemüse mitzunehmen.

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |