Die Wand lebt

Ein Brasilianer und Neu-Insulaner fertigt tropische Kulissen für die mediterrane Finca

25.10.2015 | 09:10
Wagner Santos (re.) und Jaime Martínez auf einer von ihnen gestalteten Innenwand in Sencelles.

Es ist erst etwas mehr als drei Monate her, da hatte Wagner Santos nach eigenen Angaben genug von seiner Heimat Brasilien, setzte sich in ein Flugzeug – und landete auf Mallorca, auch weil hier seine spanische Freundin lebt. „Es wurde mir einfach zu kriminell dort", sagt der 40-Jährige, der aus der Umgebung der Hauptstadt Brasilia stammt. Wagner Santos beschäftigt sich seit Jahren damit, Hauswände, Gärten oder die Umgebung von Spielplätzen mit Spezialzement in der Regel überladen-verrückt, zuweilen farbenfroh und immer phantasievoll aufzuhübschen und – wenn sich das Objekt unter freiem Himmel befindet – mit einem widerstandsfähigen, weil ­wasserresistenten Acryl-Überzug zu vollenden. Damit hält er das wilde, grüne und wuchernde Selbstverständnis seiner tropischen Heimat in Ehren. „Es ist eine Arbeit, die völlig aus dem Rahmen des Normalen ­herausfällt", sagt Wagner Santos.

Auf der Insel hat der Auto­didakt mit 20-jähriger Erfahrung in Zusammenarbeit mit dem ­Mallorquiner Jaime Martínez von der Einrichtungsfirma Marbay bereits mehrere Aufträge erfolgreich ausgeführt – zunächst im Einrichtungsladen Gomila Gost im Gewerbegebiet Can Valero in Palma, wo er eine Verkaufstheke mit seinen täuschend echt aussehenden Ranken und Stämmen verschönerte. Dann war er in einem Anwesen in Son Sardina bei Palma tätig, wo er eine Blume auf eine Wand zauberte. In einem Landhaus jwd an einem Schlaglochweg hinter Sencelles gestaltete er erst kürzlich in einem Landhaus gleich eine ganze Wand in nur drei Wochen so wuchtig, dass man sich in irgend einem verwunschenen Maya-Tempel im tiefsten Urwald wähnt. Wobei sich über Geschmack selbstredend streiten lässt.

„Manchmal fallen mir Motive in Träumen ein, dann male ich sie erst einmal auf, später frage ich den Auftraggeber, ob es ihm recht ist, und wenn er einwilligt, lege ich los", sagt Wagner Santos. „Ich arbeite mit Txt-Zement, weil der besonders langsam trocknet, sodass ich genügend Zeit habe, alles mit Messern und Meißeln mit Maserungen zu versehen." Das Innere seiner Ranken und Wurzeln sind Plastikschläuche, die er mit dem Zement umhüllt. Anschließend bemalt der ­Brasilianer ­alles. „Gern modelliere ich auch falsche Türen oder Schlangen und Vögel", so der ­umtriebige Neu-Insulaner.

Sein Ziel sei es, Wänden Leben einzuhauchen. „Auch nach zwei Jahren kannst du, wenn du so etwas betrachtest, noch immer ein neues Detail finden, das dir vorher noch gar nicht aufgefallen war", verspricht er. Die Wände sollen die Betrachter zudem dazu anregen, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen, etwa im Geiste Traumreisen zu unternehmen.

Ganz billig ist es nicht, Wagner Santos zu beschäftigen: Für eine Wand wie in dem Haus bei Sencelles verlangt er zwischen 3.000 und 4.000 Euro, wobei er aber durchaus mit sich verhandeln lässt. Weniger kostet es, wenn man ihm etwa den Auftrag gibt, eine Dusche am Pool zu einem Baumstamm umzugestalten, oder ein Wandstück dahinter urwaldtechnisch aufzupeppen.

Kontakt: Tel.: 617-57 84 22

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