Die Rückkehr des Antonio Maura: ein Denkmal und seine Bedeutung

Die restaurierte Statue wurde am Freitag (13.11.) wieder aufgestellt. Fünfmal war der Mallorquiner spanischer Regierungschef – ein Amt, zu dem ihm indirekt auch sein Insel-Akzent verhalf

13.11.2015 | 17:57
Das Denkmal wurde am Freitag (13.11.) wieder aufgestellt.

Der wohl wichtigste Politiker, den Mallorca je hervorgebracht hat, ist wieder da: Antonio Maura y Muntaner. Das Denkmal wurde am Freitag (13.11.) wieder auf der Plaça del Mercat in Palma de Mallorca aufgestellt, nachdem es im November 2014 herabstürzende Äste eines Baumes zum Einsturz gebracht hatten.

In den vergangenen Wochen wurde die Marmorstatue repariert, restauriert und gesäubert. So musste unter anderem ein abgebrochener Finger ersetzt werden. Eine Beule im Kopf dagegen konnte nicht beseitigt werden.

Der Mann, der später ganze fünf Mal das Amt des spanischen Ministerpräsidenten bekleiden sollte, wurde am 2. Mai 1853 in Palmas Viertel Calatrava geboren. In dem vor allen von Gerbern bewohnten Stadtteil besaß sein Vater eine kleine Fabrik, in der rohe Tierhäute zu Leder verarbeitet wurden. Mauras Mutter Margarita kam aus gutem Haus, in ihrer Familie gab es eine lange Tradition von Malern und Graveuren.

Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahr 1866 besuchte der junge Maura das „Instituto" der Inselhauptstadt, wo er 1868 die Hochschulreife erlangte. Sein eigentliches Ziel, in Madrid Naturwissenschaften zu studieren, gab er aus pragmatischen Gründen auf: Er entschied sich für Jura – der damals einzige Studiengang, den man schon in drei Jahren abschließen konnte.

An der Universität der spanischen Hauptstadt ging Maura durch eine harte Schule: Seine Kommilitonen verspotteten den Insulaner, dessen Muttersprache Mallorquinisch war, wegen seines deutlichen Akzents. Den trainierte sich der so Gedemütigte mit viel Ausdauer ab – und wurde so zu einem geübten Redner, eine Qualifikation, die ihm später noch von Nutzen sein würde.

Ebenfalls an der Universität machte er die wohl wichtigste Bekanntschaft seines Lebens: Der bekannte Anwalt Germán Gamazo nahm den Mallorquiner unter seine Fittiche, verschaffte ihm eine Stelle in seiner Kanzlei, begeisterte Maura für die Politik – und stellte ihm seine jüngere Schwester Constancia vor, die Maura 1878 heiratete.

Es waren bewegte Zeiten damals in Spanien: Historiker sprechen heute von der Epoche der Restauration, in der zwischen der ersten und der zweiten Republik, also im Zeitraum von 1874 bis 1931, die Bourbonen-Monarchie wieder eingesetzt wurde. Um zumindest den Anschein einer parlamentarischen Mitbestimmung zu erwecken, wechselten sich die beiden existenten Parteien „Partido Liberal Fusionista" und die „Partido Liberal Conservador" an der Macht ab – wobei das Königshaus mit Hilfe von Wahlfälschung stets diejenigen Politiker in die Regierung hievte, die den Monarchen genehm waren.

Maura trat, nach einigen Jahren als erfolgreicher Anwalt, auf Vermittlung seines Schwagers Gamazo den liberales fusionistas bei. 1881 wurde er mit 26 Jahren erstmals als Vertreter der Balearen in die Cortes (Parlament) gewählt, wo er seine Heimatregion bis zu seinem Rückzug ins Privatleben 1923 vertreten sollte.

1886 stieg der Mallorquiner zum Vizepräsident des spanischen Kongresses auf, 1892 berief ihn der Vorsitzende der Liberalen zum Minister für Kolonialangelegenheiten. Maura bereitete als solcher einen Gesetzentwurf für eine rechtliche Autonomie Kubas vor, die von der Opposition aber abgelehnt wurde, woraufhin er zurücktrat.

1901 starb Mauras Schwager. Der Mallorquiner übernahm dessen Rolle als parteiinterner Oppositionsführer und hielt eine seiner bedeutendsten Reden, in der er eine „Revolution von oben" forderte: Maura war klar, dass das Volk mit den herrschenden politischen Zuständen zunehmend unzufrieden war und sprach sich deshalb für deren Reform aus – ansonsten drohten gewaltsame Aufstände, die zu einer Auflösung des spanischen Staates führen könnten: „Eine Revolution von unten wird verheerend, ineffizient und beschämend ?
Wenn wir selbst dem Volk diese Revolution schenken, geben wir ihm unmittelbar den Glauben an sich selbst zurück", so Maura in seiner berühmten Rede.

Wenig später überwarf er sich mit den Liberalen und trat zu den Konservativen über. 1902 wurde er Innenminister und rief das Institut für soziale Reformen ins Leben, zudem reformierte er das Kommunalrecht – die 1903 nach dem neuen Gesetz durchgeführten Wahlen gelten als die saubersten in der Geschichte Spaniens.

Maura selbst wurde im selben Jahr erstmals zum spanischen ­Ministerpräsidenten gewählt, einen Posten, den er fünfmal für relativ kurze Zeit innehatte – was wegen der Anfang des Jahrhunderts herrschenden Umstände und den ständigen Einmischungen des Königshauses nicht ungewöhnlich war. Tatsächlich werden die Jahre 1907 bis 1909, in denen Maura ununterbrochen an der Macht war, in den spanischen Geschichts­büchern als „die lange Regierung Maura" bezeichnet.

Zwar bemühte sich der Mallorquiner, das Wahlrecht und das Sozialwesen zu reformieren und die politische Korruption zu beenden, doch sein anfangs erfolgversprechendes Mandat wurde von der semana trágica im Juli 1909 überschattet: Nach Angriffen von marokkanischen Einheimischen auf eine spanische Bergwerks­gesellschaft in Melilla wollte Maura 44.000 Reservisten, darunter viele Verheiratete und Väter, als Verstärkung der Kolonialtruppen nach Nordafrika schicken. Es kam zu Generalstreiks und Anti-Kriegsdemonstrationen, die Maura mithilfe des Militärs niederschlagen ließ.

Vor allem auch die Erschießung des Reformpädagogen Francesc Ferrer i Guàrdia, der ohne ordentliches Gerichtsverfahren oder handfeste Beweise einer Verwicklung in die anarchistischen Aufstände beschuldigt wurde, ließ Mauras zuvor hohes Ansehen in Spanien und auch in Europa in den Keller sinken, König Alfonso XIII – der den Erschießungsbefehl wohlgemerkt unterschrieben hatte – entzog ihm sein Vertrauen.

Während des Ersten Weltkriegs setzte sich Maura für die Neutralität Spaniens ein, in den Jahren von 1918 bis 1922 bekleidete er noch drei weitere Male für jeweils wenige Monate das Amt des Ministerpräsidenten. Als der König 1923 Miguel Primo de Rivero als Ministerpräsidenten einsetzte, protestiert Maura energisch gegen diese Entscheidung – de Rivero etablierte nur Tage später seine Militärdiktatur, die sechs Jahre lang anhalten sollte. Enttäuscht zog Maura sich daraufhin aus der Politik zurück. Seine letzten Jahre verbrachte er in seinem Anwesen in Torrelodones bei Madrid, wo er 1925 starb.

Vier Jahre nach dem Tod des Mannes, der 1920 zum Ritter geschlagen worden war und zu Lebzeiten nicht nur der Real Academia Española (Sprachakademie) vorstand, sondern sich auch in der spanischen Juristenkammer sowie für die schönen Künste einsetzte, wurde in Palma auf der Plaça del Mercat sein Denkmal enthüllt – das nun endlich wieder an seinen Platz zurückgekehrt ist. /ff

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