Urlaub auf der Yacht: Kurswechsel in der schwimmenden Ferienbranche

Jüngere Kunden, größere Schiffe, kürzere Mietzeiten: Ein neuer Marktbericht zeigt, wie sich das Charter-Geschäft in Spanien und auf Mallorca ändert

27.11.2015 | 14:55
Mallorca steht in der Gunst von Yachturlaubern spanienweit an erster Stelle. Auch wenn das Angebot hier nicht unbedingt am günstigsten ist.

Schaukelnde Masten, in der Sonne blitzende Relings und doppel- und gar dreistöckige Schiffsdecks so weit das Auge reicht: Die vielen Boote und Yachten sind in Mallorcas Häfen nicht zu übersehen. Anders sieht es mit den Firmen und Unternehmen aus, die mit einem nicht
unbeachtlichen Teil dieser Freizeit­flotten ihr Geld verdienen. Umfassende Marktberichte über das Angebot und die Nachfrage in der Welt der schwimmenden Urlaubsdomizile sind seit vielen Jahren rar gesät.

Licht ins Dunkeln will jetzt die spanische Online-Agentur „Nautal" bringen, die seit rund zwei Jahren unter anderem das Charterangebot an der spanischen Mittelmeerküste, auf den Balearen sowie auf den Kanaren bündelt und vermarktet. Das Unternehmen mit Sitz in Barcelona veröffentlichte vor Kurzem den ersten „Saisonbericht über den Chartersektor in Spanien". Für den Bericht wurden die diesjährigen Buchungen von rund 1.400 Charteryachten in ganz Spanien herangezogen. „Unsere Studie repräsentiert sicherlich nicht jedes einzelne Charterunternehmen, bietet aber interessante Einblicke in eine Branche, die insbesondere in Spanien eines der attraktivsten Urlaubsangebote für Ausländer stellt", sagt Anke Schreiber, Vertriebsmanagerin bei Nautal für den deutschen Markt.

Ihrer Meinung nach spiegelt der Bericht drei deutliche Trends wider. Zum ersten ein im Vergleich zu früher steigendes Angebot an größeren Charter­booten und Yachten. „Der spanische Sportbootführerschein PER ermöglicht seit etwa eineinhalb Jahren auch das Führen von Booten mit einer Länge von über zwölf Metern Länge. Das hat im gleichen Zeitraum dazu geführt, dass in Spanien mehr Yachten dieser Kategorie gekauft wurden. Und somit auch dem hiesigen Chartermarkt zur Verfügung stehen, der zu über 90 Prozent aus Privatyachten besteht", so Anke Schreiber.

Zweitens: Kundenprofil und Buchungsverhalten sind im Wandel begriffen. „Das durchschnittliche Alter von ausländischen Charter­urlaubern liegt traditionsgemäß bei 50 plus. Wir haben in diesem Jahr jedoch einen deutlichen Zuwachs an jüngeren Kunden feststellen können", sagt Schreiber. Ein Grund dafür könnte der durch das Internet vereinfachte Zugang zu den Angeboten sein, vermutet die Deutsche. „Charterurlauber waren in der Vergangenheit vor allem Wiederholungstäter, die beim Buchen oftmals jahrzehntelang auf den gleichen Anbieter zurückgriffen. Heutzutage ermöglichen Internet-Portale einen zeitgemäßen und transparenteren Preisvergleich. Will heißen: Wem das Angebot bei seiner bisherigen Charteragentur zu teuer scheint, kann per Mausklick einfach ein besseres wählen."

Wobei besser nicht immer gleich für günstiger steht. „Gerade Frischlinge unter den Yacht­urlaubern können nicht verstehen, warum die Preise für eine vermeintlich identische Yacht in der gleichen Destination teilweise erheblich auseinanderklaffen", erklärt Schreiber. Im Gegensatz zu Mietwagen, die bei fast allen Anbietern in der Regel nagelneu sind, bestehen die Haupt­unterschiede bei Charteryachten in deren Alter. „Eine sechs oder sieben Jahre alte Segelyacht ist in der Regel immer billiger, weil sie nicht über den gleichen Komfort oder die Ausstattung verfügt wie ein nur ein oder zwei Jahre altes Boot. Das merkt man dann meist erst nach dem Ablegen, wenn der Kühlschrank an Bord nicht mehr richtig kühlt, die Schoten klemmen oder der Dinghi-Motor beim Übersetzen zur Strandbar den Geist aufgibt."

Und drittens: die Mietzeiten in der Charterbranche werden kürzer. „Insbesondere der Tages­charter für Motorboote und Ribs verzeichnet einen spürbaren Zuwachs. Viele Urlauber möchten während ihres Aufenthaltes verschiedene Freizeitangebote nutzen. Der klassische ­Wochencharter wird deshalb nicht verschwinden. Doch die Charterfirmen werden ihr Angebot in Zukunft sicherlich zeitlich flexibler gestalten", meint
Schreiber.

Hinsichtlich der beliebtesten Törnreviere für europäische Charter­urlauber in Spanien liegen die Balearen – und insbesondere Mallorca – weiterhin mit Abstand an der Spitze. „Der vielfältige Küstenverlauf mit seinen zahlreichen Ankermöglichkeiten sowie die ausgezeichnete Wasserqualität sind neben dem ganzjährig guten Klima und den zahlreichen Fluganbindungen dafür ausschlaggebend." Keine andere Region in Spanien verfüge zudem über ein so breit aufgestelltes Angebot an Booten und Yachten. Auch wenn die Charterpreise im Schnitt höher seien. „Sie liegen im Vergleich zur Costa Blanca um bis zu 30 Prozent drüber", meint Schreiber.

Einer wachsenden Beliebtheit erfreue sich auch Mallorcas Nachbarinsel Menorca. „Wir haben dort in diesem Jahr einen erheblichen Buchungszuwachs verzeichnet, was sicherlich mit dem wachsenden Charterangebot sowie den im Vergleich zu Ibiza und Mallorca günstigeren Liegeplatzpreisen in den Häfen zu tun hat", glaubt Schreiber.

Ansonsten sei die Stimmung in der Branche durchweg positiv. „Die überwiegende Mehrzahl der von uns befragten Charter­unternehmen war mit der Saison 2015 vollauf zufrieden". Und wie wird es voraussichtlich nächstes Jahr laufen? „Das ist nicht einfach zu beantworten, da die Buchungen aufgrund des größer gewordenen Angebotes immer kurzfristiger werden. Die Zahl derer, die wie in der Vergangenheit bereits ein Jahr im Voraus ihren Charter­urlaub reservieren, nimmt langsam aber stetig ab", so Anke Schreiber.

Auf den letzten Drücker eine Motor- oder Segelyacht zu buchen, halte sie trotzdem nicht für empfehlenswert. „Insbesondere in den beliebten Destinationen wie Mallorca läuft man in der Hochsaison Gefahr, am Ende auf dem Trockenen sitzen zu bleiben."

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