Die Wildnis lässt grüßen

Guillermo Novoa züchtet in Inca Iberische Wolfshunde. Es ist eine Rasse, die es zuvor nicht gab. Seine Hündin hat gerade zehn Welpen geworfen. Für wen sind diese besonderen Tiere geeignet?

20.02.2016 | 11:19

In Wolfshunden, also der Kreuzung zwischen Wolf und Schäferhund, fließen im Schnitt nur acht bis zwölf Prozent reines Wolfsblut. Der Iberische Wolfshund ist ursprünglicher, aber das ahnen wir noch nicht, als wir auf dem Weg zu Guillermo Novoa sind. Der Züchter hat sich für seine Leidenschaft ein abgelegenes Grundstück zwischen Inca und Selva gesucht und sofort schießen einem Gedanken vom einsamen Wolf durch den Kopf, der unnahbar und verborgen vor den Menschen lebt.

Im Schnitt nur acht bis zwölf Prozent – denken wir vor dem Eingang zum Centro Canino Mallorcan. Doch das Herz klopft trotzdem. Auf den sanften Klingelton am Eingangstor folgt eindringliches Geheul. Dazwischen ertönt klassische Musik aus Lautsprechern.

Guillermo schüttelt uns herzlich die Hand und fragt, ob wir die Wolfshunde sehen wollen. Natürlich, deshalb sind wir ja hier. Die Angst ist verflogen, die Faszination da. Die Faszination für den Urvater der Hunde, um den sich so viele Legenden ranken. Wobei es hier keine Wölfe gibt, auch wenn Guillermos Schützlinge ihnen stark ähneln. Ihr keilförmiger Kopf mit dreieckigen Ohren und gelben bis bernsteinfarbenen Augen, die langen Beine mit breiten, muskulösen Pfoten und das silbergraue, braun durchzogene Fell – das sind alles Wolfsmerkmale, auf die der Zuchtvater des Iberischen Wolfshundes großen Wert legt.

Zehn Wolfshunde hält Guillermo derzeit, darunter russische, europäische und iberische Exemplare. Wenn keine Besucher da sind, bewegen sie sich frei auf der 5.000 Quadratmeter großen Finca. Vor uns im Zwinger steht Kaiser in leicht geduckter Haltung. Der silber-braune Rüde lässt uns keinen Moment aus den Augen. Er ist schlank, hat einen langen Rücken, eine kleine Brust.

Es ist ein Tier aus der europäischen Zuchtlinie Saarloos, dessen Urmutter eine europäische Wölfin ist. Zu den vom Zuchtverband anerkannten Wolfshunderassen gehören der Saarloos und der Tschechoslowakische Wolfhund, für den der Karpatenwolf Pate stand. „Inzwischen wird alles eingekreuzt, was nach Wolf aussieht", sagt Guillermo. Und unter dem Namen Wolfshund für mehrere Tausend Euro verkauft. Ein Geschäft, das er nicht mitmachen wolle.

Guillermo kam vor über zehn Jahren nach Mallorca – und auf den Wolf. Wilde Wölfe hätten ihn schon immer fasziniert, weil sie so schön und extrem schlau sind. Hunde, früher Schäferhunde, züchtet er seit 40 Jahren, bildet sie aus, arbeitet auch mit Problemhunden. Um noch mehr über die Psychologie und das Verhalten der Vierbeiner zu lernen, schaffte er sich zwei echte Wölfe an, von denen ja alle anderen Hunderassen abstammen. Als er 2007 einen der Wölfe mit seiner Deutschen ­Schäferhündin kreuzte, kamen die ersten Iberischen Wolfshundewelpen zur Welt. Deren Nachkommen haben heute 25 bis 30 Prozent reines Wolfsblut. Kostenpunkt: 700 Euro. „Ich wollte meinen Kunden etwas Besonderes bieten, einen Hund mit allen Vorzügen des Wolfes und zugleich mit ausgeglichenem Charakter", so Guillermo, der die Wölfe inzwischen wieder verkauft hat.

Dennoch sind Wolfshunde keine Hunde für Anfänger, sondern extrem anspruchsvoll in der Erziehung. Jede Eigenart, jeder Instinkt ist bei ihnen deutlich ausgeprägter als bei einem Labrador oder Dackel. Er hört besser, riecht besser, sieht besser und wird mit 17 Jahren auch älter. Und ein Wolfshund vergisst nichts. „Man darf ihn niemals schlagen oder ungerecht behandeln", erklärt Guillermo. Während ein Labrador nach einem groben Erziehungsfehler einen halben Tag verunsichert ist, braucht es bei einem Wolfshund Monate, bis man das verloren gegangene Vertrauen langsam wieder zurück gewinnt. Doch wenn man ihm gibt, was er braucht, nämlich Fürsorge, eine konsequente Erziehung und genügend Auslauf, sei der Wolfshund absolut familientauglich, versichert Guillermo, der jeden Interessenten vor dem Kauf eines Welpen intensiv berät.
Wir denken an die klassische Musik bei unserer Ankunft zurück, bestimmt dazu gedacht, die aggressiven Tiere zu besänftigen? „Wolfshunde sind nicht aggressiv", stellt Guillermo klar. „So wie Wölfe gehen sie Konflikten aus dem Weg, sind eher schüchtern und miss­trauisch."
Zum Schluss dürfen wir die drei Wochen alten Welpen sehen. Die zehn flauschigen Kugeln mit vier Pfoten, braun-grauem Fell und rundem Kopf erinnern ein wenig an Igel. „Die Welpen sind so gut wie verkauft", sagt Guillermo. Und da Wolfshündinnen nur einmal im Jahr läufig werden, rechnet der Züchter nicht vor Ende September mit dem nächsten Wurf.

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