Carrers d´en Morei und Miramar: ein gehobenes Pflaster voller Flair

Durch die beiden Straßen im alten Zentrum von Palma wabert der Odem von Jahrhunderten. Ein Rundgang zwischen Kutschen und Palästen

18.03.2016 | 10:55
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morei/miramar in zahlen: Länge: ca. 400 Meter Hausnummern: 16/14 Querstraßen: 2 Bars/Restaurants/Cafés: 3 Hotel: 1 Sprachschule: 1 Perlengeschäft: 1 Künstleratelier: 1 Antiquariat: 1

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Kaum eine Straße im alten Zentrum von Palma vereint so gelungen wie der Carrer d´en Morei und der anschließende Carrer Miramar den langen Atem der Geschichte mit zurückhaltender Ehrwürdigkeit und unaufdringlicher Geschäftigkeit. Mitglieder mehrerer Adelsgeschlechter wohnten hier nahe der Kathedrale und der Kirche von Santa Eulàlia ehedem in Palästen mit großzügigen Innenhöfen, deren Pracht von außen kaum zu erahnen ist. Darunter waren die Grafen von Ayamans, die Familien Togores und Pax-Fuster und die Villalongas. Wobei in diesen Kreisen nicht immer alles glückselig zuging: Der Namens­geber des Carrer d´en Morei war ein Ritter namens Bernat Morei, der König Ferdinand von Aragón 1501 bis 1504 bei der Eroberung von Neapel begleitet haben soll. Er wurde 1531 hingerichtet, warum genau, ist nicht überliefert.

Und so fühlt man sich in andere Jahrhunderte zurückversetzt, wenn eine Kutsche daherrumpelt. Wie prachtvoll es hier einst zuging, erlebt man heute noch im schon lange zum Fünf-Sterne-Boutiquehotel umgebauten Palacio Ca Sa Galesa im Carrer Miramar nahe der Stadtmauer. Dessen Interieur ist voller Brunnen, altem Porzellan, Büsten und Leuchtern, der gebohnerte Holzfuß­boden im Frühstücksraum stammt aus dem 16. Jahrhundert. „Uns gibt´s hier schon seit 1995", sagt Sara, die an der Rezeption der Elf-Zimmer-Edelherberge Dienst tut. Gegenüber sind besonders gut erhaltene verglaste Balkone mit riesigen Blumenvasen darin zu ­bestaunen.

Ähnlich edel dürfte es bis vor Kurzem im Ende des 17. Jahrhunderts errichteten Stadtpalast Ca´n Olesa im Carrer d´en Morei zugegangen sein. „Das Haus wurde vor zwei Jahren von einem Schweden erworben, und seitdem tut sich dort nichts", sagt Petra Rechenauer. Die Deutsche betreibt an der Nummer 8 einen von zwei in der Straße befindlichen „Cachivache"-Geschenkartikel-Läden. „Im Ca´n Olesa gibt es einen riesigen Ballsaal, so etwas könnte man doch eigentlich gut vermarkten", findet sie. Die Stadtverwaltung tue da zu wenig. Stattdessen hat sie an der Wand des Olesa-Palastes ein hässliches gelbes Netz spannen lassen, um Passanten vor herabfallenden Hausteilen zu schützen. Auch ein allem Anschein nach echter römischer Grabstein, der verloren im Innenhof neben Rechenauers Laden steht, kenne „kaum wer".­

Sowohl die Morei- als auch die Miramar-Gasse heißen schon seit Jahrhunderten so, hatten aber ganz früher andere Namen: Erstere hieß mal Barbacana, mal Cos und mal Ca´n Cos, bevor sie bereits 1576 den noch heute gültigen Namen erhielt. Die Miramar-Gasse wurde einst Carrer Forat genannt, hatte aber parallel immer schon den weiter gültigen „Meerblick"-Namen.

Dass diese Ecke der Altstadt ein ganz besonderes Flair hat, hebt Jörg Humke ausdrücklich hervor. Der Deutsche ist Leiter der im ersten Stock der Nummer 8 des Carrer d´en Morei gelegenen Sprachschule „Die Akademie" „Das Niveau der Menschen, die hier wohnen, ist gehoben, es leben hier zum Beispiel viele Anwälte", sagt er. „Das ist hier alles sehr familiär, man kennt sich gut".

Früher gab es hier gar keine Geschäfte und erst recht keine Sprachschule. „Das hier war eine reine Wohnstraße", sagt Angelika Zacherl, die vor
20 Jahren in der Carrer d´en Morei den ursprünglichen Cachivache-Laden an der Nummer 4 eröffnete, den sie auch weiterhin führt. Jetzt ist sie nicht mehr die einzige Ladeninhaberin: So nah an der Kathedrale und von Kreuzfahrttouristen frequentiert, ist der Carrer d´en Morei geschäftstechnisch ein gutes Pflaster.

Wiewohl die Zahl der Geschäfte weiterhin überschaubar ist und die Zeiten nicht immer rosig waren. „Als vor etwa 13 Jahren das unterirdische Müllsystem eingebaut wurde, war hier das Pflaster vier Jahre lang aufgerissen", erzählt Zacherl. „Das hat uns fast Kopf und Kragen gekostet." Die Müll-Hydraulik ist inzwischen wieder abgebaut, und die Geschäfte laufen akzeptabel, weshalb es „in dieser Straße auch kaum Wechsel gibt", so die Unternehmerin. Und das wird wohl auch so bleiben. China-Läden jedenfalls sind in dieser herrschaftlichen Umgebung nur schwer vorstellbar.

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