Keramik mit Karibik-Flair

Stanislas Carrelet lernte auf Ibiza, töpferte auf St. Barth und hat nun eine Werkstatt in Felanitx

06.05.2016 | 14:51

Es sind die haptischen Oberflächen, die man sofort berühren möchte. Weil die flaschengrün lasierte Vase das Licht wie Glas reflektiert, die erdfarbenen Lampen mit Rillen-Struktur an raues Holz erinnern und das schuppen­artige Muster auf den Gefäßen mit Korkstopfen Schlangenhaut ähnlich sieht. Wir stehen in der Töpferstube von Stanislas Carrelet (56) in Felanitx – bisher ein Geheimtipp, da der Laden offiziell noch nicht eröffnet ist. Statt im Rathaus stundenlang für die nötigen Papiere anzustehen, nutzt der Franzose die Zeit derzeit lieber zum Töpfern.

Der gebürtige Pariser lernte das Handwerk von einem der letzten alten Keramik-Meister Ibizas. Und das kam so: Als er 15 Jahre alt war, zog Stanislas mit der Mutter nach Ibiza, und für den Jugendlichen begann eine aufregende, „goldene" Zeit. Die Mutter, (Lebens-)Künstlerin und Malerin, unterstützte ihn in der Idee, eine Ausbildung an der Kunsthandwerkerschule in Sant Josep de Sa Talaia zu machen. Er wurde angenommen und lernte bei Joan Daifa (1907–1982). Bis heute zählt der Bildhauer und Töpfer zu den berühmtesten Kunsthandwerkern Ibizas, da er für seine Arbeiten traditionelle ibizenkische Töpferkunst mit eigenen, neu erdachten Formen, Farben und Strukturen kombinierte. Als Stanislas ihn kennenlernte, war Daifa bereits Ende 60, doch er unterrichtete und arbeitete noch immer „mit seiner ihm eigenen Energie und Leidenschaft" , erzählt der Franzose. Von seinem Meister lernte er nicht nur die Schönheit der Töpferkunst kennen, sonder wurde auch dazu ermuntert, mit Formen und Oberflächen zu experimentieren.

Was dabei herauskommt, zeigt zum Beispiel seine umfangreiche Kaktus-Serie: Lampenfüße, Vasen und Kerzenständer in Form eines Kaktusstamms, mit organischen Strukturen wie Rauten und Wellen. Oder das sanft geschwungene Blatt des Feigenkaktus – als Servierschale auf dem ein echter Hingucker (ab 50 Euro). Die Oberfläche zieren, ebenso wie bei den Krügen und Trinkbechern der Serie, die runden bis länglich ovalen Areolen. So nennt man die Polster der Kakteen, aus denen üblicherweise die Borsten und Dornen entspringen. Diese Areolen sind auf der Töpferware nicht nur angedeutet, sondern deutlich zu sehen und zu fühlen. „Die Kaktus-Serie entstand auf St. Barth", erzählt Stanislas.

St. Barth? Nach der Kunstschule auf Ibiza war ihm die spanische Hippie-Insel bald nicht mehr exotisch genug. Daher besuchte Stanislas mit Anfang 20 eine seiner drei Schwestern (er hat auch noch zwei Brüder), die auf St. Barth lebte. Er landete wieder auf einer Insel, diesmal in der Karibik. Dieser grün bewachsene Felsen im Meer war nicht nur ein cooles Ferienparadies, sondern ein Ort, an dem es Kunsthandwerker wie ihn Ende der 70er-Jahre noch nicht gab. Er baute sein eigenes Töpferstudio auf und fing an, für die Ferienhäuser der Schönen und Reichen aus dem Film- und Musikgeschäft Geschirr, Vasen und Lampen zu entwerfen. „Meine Arbeit war inspiriert von der Natur. Fische, Schildkröten, Ananas und vor allem Kakteen gab es auf der Insel in Hülle und Fülle", so Stanislas. Zwölf Jahre lebte er auf St. Barth, lernte dort seine Frau kennen und gründete eine Familie. Als die Kinder ins Schulalter kamen, zog die Familie nach Frankreich zurück und lebt heute zwischen Mallorca und Paris, Stanislas allerdings fest auf der Insel.

Da er ein Haus zwischen Porreres und Felanitx fand, entschied er sich, seine Werkstatt in Felanitx zu eröffnen. Mit einem Ofen im Hof, einer Töpferscheibe im hinteren Bereich des Lokals und vielen Holzregalen, auf denen die Tonstücke trocknen können. „Ich hatte immer eine kleine Produktion, die ich vor Ort verkauft habe", sagt Stanislas, „und dazu Auftragsarbeiten." So soll es auch auf Mallorca funktionieren. Zurzeit arbeitet er intensiv an einer Serie mit Leuchten. Zur Lichtquelle im Schirm gibt es eine zusätzliche im Lampenfuß, die sich getrennt schalten lässt. Die Lampenfüße gestaltet er mit Strukturen und perforierten Mustern. Abends, wenn es dunkel wird, werden exotische Schattenbilder an die Wand geworfen – inspiriert von der Karibik und dem Mittelmeer.

Kontakt: Stanislas Töpferei, Passeig Ernest Mestre 57, Felanitx, 633-24 67 34.

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