Straßen der Stadt: Pariser Charme am Mini-Obelisken

Der Carrer Arxiduc Lluís Salvador beginnt an den Avenidas mit spürbarem Flair, wird dann gutbürgerlich und endet im Nichts

13.06.2016 | 01:00
Straßen der Stadt: Pariser Charme am Mini-Obelisken

Carrer Arxiduc in Zahlen

  • Länge: ca. 1.100 Meter Hausnummern: 150 Querstraßen: 20 Hundefriseur: 1 Tanzschule: 1 Banken: 6 Psychologen-Praxis: 1 Plätze: 2 Obstläden: 3

Sitzt man auf einem der Stühle des Grand Café an der Plaça del Cardenal Reig in Palma, umweht einen ein Hauch von Paris – zumindest ein bisschen. Die Atmosphäre rund um den vom Architekten Antonio García Ruiz gebauten, im Jahre 1954 zu Ehren des österreichischen Erzherzogs Ludwig Salvator (1847-1915) eingeweihten, nur zwölf Meter hohen Mini-Obelisken und die sechs Straßen, die von hier abgehen, erinnern durchaus an gewisse Ecken in besseren Vierteln der französischen Hauptstadt.

Hier, rund um den pirulí (Lolli) genannten Obelisken, ist der Carrer Arxiduc Lluís Salvador noch urbaner als weiter draußen, wo es gutbürgerlicher zugeht. Cafés sowie kleine Obst- und Gemüseläden finden sich hier, der putzig-niedliche Cocoroco-Laden für Kindermode, ein größeres Geschäft für Spielzeug, auch die russische Supermarkt-Café-Kombination mit dem passenden Namen Moscú.

Die bei der Eröffnung während der Franco-Diktatur (1939–1975)noch keusch bedeckten Reliefs des Obelisken, die nackte Menschen zeigen, passen ebenfalls ins Bild. Genauso wie das im rationalistischen Stil im Jahre 1940 gebaute Can-Pellicer-Haus des Architekten Francesc Casas, das die Hausnummer fünf trägt.

Wer sich vorbei an der Plaça Alexander Fleming Richtung Ringautobahn entfernt, passiert immer mehr Eisenwarenfachgeschäfte, den ein oder anderen Chino-Supermarkt und einfache Eck-Bars. Dennoch ist hier nichts verkommen, die Wohnungen sehen recht proper aus, und die dünnstämmigen Bäume spenden überall Schatten. Die deutsche Sprachschule Baumhaus (MZ berichtete) und die Tanzschule Tandem Club fallen denn auch in dieser Umgebung nicht aus dem Rahmen. Das gilt auch für einen Hundefriseur und eine Psychologen-Praxis.

Dass man hier nicht in Paris, sondern in Spanien ist, macht auch die im Jahre 1929 eröffnete Stierkampfarena des Architekten Gaspar Bennazar klar – auch wenn das Coliseo Balear inzwischen häufiger für Konzerte und nur noch für ein paar wenige Stierkämpfe im Sommer genutzt wird, die jetzt im Übrigen ganz verboten werden sollen.

Ganz früher, als der Ingenieur und zeitweilige Bürgermeister Bernardo Calvet (1864–1941) Palma mit zum Stadtrand verlaufenden Sichtachsen versah, wurde diese Straße ganz banal calle M genannt. 1920 änderte sie ihren Namen, hieß zunächst jedoch nur zwischen dem Fleming-Platz hin zum Stadtinnern nach dem in die Balearen vernarrten österreichischen Gelehrten und Adeligen. Der andere Teil trug den Namen Bernardo Riera – bis 1930, als auch dieser Abschnitt dem Erzherzog geweiht wurde.

Auch die Parallelstraße trägt mit Pablo Iglesias einen prominenten Namen. Sie ist allerdings nicht nach dem Chef der linkspopulistischen Partei Podemos benannt, sondern nach dem gleichnamigen, zwischen 1850 und 1925 lebenden Gründer der spanischen Partei der Sozialisten. Genauso wie auch die nur in der Innenstadt stärker befahrene Arxiduc-Straße endet sie nahe der Ringautobahn ganz unspektakulär – an den Schienen, auf denen der Bummelzug Roter Blitz zwischen Palma und Sóller verkehrt – im Nichts.

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