Ganz in Weiß: Besuch im Hochzeitsgarten von Biniagual

Hélène Lindgens und die englischen Rosen für Paare, die sich trauen

14.06.2016 | 06:56
Ganz in Weiß: Besuch im Hochzeitsgarten von Biniagual
Beete mit weißen Englischen Strauchrosen, gesäumt vom Spanischen Gänseblümchen, dahinter eine Rasenfläche mit altem Baumbestand.
Beete mit weißen Englischen Strauchrosen, gesäumt vom Spanischen Gänseblümchen, dahinter eine Rasenfläche mit altem Baumbestand.

Einen romantischen Hochzeitsgarten zu gestalten, dürfte Hélène Lindgens einiges Kopfzerbrechen bereitet haben. Denn die Gartendesignerin aus Zürich ist bekannt für eher minimalistische, lineare Entwürfe. Und so ließ sie sich – nachdem sie von der Bodega Biniagual bei Binissalem den Auftrag erhalten hatte, den alten Garten bei der Kapelle aus dem 17. Jahrhundert zu restaurieren – erst einmal viel Zeit zum Nachdenken. Dann schlug sie den Auftraggebern vor, hauptsächlich auf weiß blühende Gewächse zurückzugreifen. „Weiß ist die Farbe, die fast jede Hochzeit begleitet", sagt Lindgens. Auch in Son Muda, ihrem eigenen Garten, wachsen ausschließlich weiß blühende Pflanzen.

Landschaftsarchitekten nennen häufig verschieden gestaltete Areale ihrer Gärten „Räume", was manchmal etwas befremdlich klingt. Doch für das 750 Quadratmeter große Grundstück in Biniagual passt die Bezeichnung: Es umfasst drei durch Hecken und Mauern eingefasste Bereiche, die Lindgens auf Maß für Hochzeitsgesellschaften gestaltet hat, die nach der kirchlichen Trauung das Brautpaar durch den Garten zum Gebäude der Bodega Biniagual begleiten – dort können Feste gebührend gefeiert werden.

Der Eingang, durch den man den Garten betritt, wird von altem Baumbestand gesäumt. Am anderen Ende begrenzt eine Lorbeerhecke den ersten „Raum". Auf einer Rasenfläche befindet sich ein Springbrunnen mit Sitzgelegenheiten auf einer Rasenfläche. Dahinter liegt der Rosengarten – hier zeigt sich, dass die Zürcherin die romantische Seite einer Hochzeit und das typische Weiß in die Beete übertragen hat, ohne dass auch nur ein Hauch von Kitsch dabei herausgekommen ist.

Umrahmt von duftigen Polstern des Spanischen Gänseblümchens (Erigeron karvinskianus) ließ sie im vergangenen Winter auf etwa 125 Quadratmetern weiße Strauchrosen pflanzen. Jetzt zeigen sie Blütenköpfe, die der Wind hin und her wiegt, eine Wolke von Rosenduft liegt in der Luft. „Ich bevorzuge nach wie vor die Rosen des Züchters David Austin", sagt die Designerin. Der Grund: Sie erinnern an alte englische Rosen, sind meist dicht gefüllt, duftintensiv und blühen mehrfach. Für den Rosengarten wurden unter anderem „Winchester Cathedral", „Margaret Merril", „Little White Pet", „William and Catherine", „Claire Austin" und „Blanc Double de Coubert" ausgewählt. Die Sorten „Schneewittchen" und „Rose Innocencia" stammen vom deutschen Züchter Kordes.

Das Rosenbeet durchqueren Besucher auf einem Weg, der mit ockerfarbenem Ziegelsplitt belegt ist. Er bedeckt auch die Erde über den Rosenwurzeln und die Freiflächen des gesamten Gartens. Unter dem Ziegelsplitt liegen Unkrautfolie und Bewässerungsanlage.

Im zweiten Gartenraum „Arboretum" wächst eine Kollektion Zierbäume, jeweils ein Paar des Peruanischen Pfefferbaums (Schinus Molle), der Weißen Robinie (Robinia pseudoacacia) sowie Lorbeer und Oleander mit Stamm und Krone. Im „Unterholz" blühen hier in Weiß das Strauchige Brandkraut (Phlomis pupurea alba), der Lorbeerblättrige Schneeball (Viburnum tinus), die Prachtkerze (Gaura lindheimeri) und in Rot zwei Zylinderputzer (Callistemon). Ein Kreis mit Orient-Lampenputzergras (Pennisetum orientale) ist dabei, Blütenstände zu bilden. Bäume, Sträucher und Stauden wachsen hier in lockeren Gruppierungen, ebenso die in kugelige Formen beschnittenen Nimmergrünen. In diesem Teil des Gartens wird es ohne große Pausen vom Frühjahr bis Herbst blühen.

Der dritte und letzte Gartenraum wird durch ein gemauertes Tor erreicht. Hier klettern rundherum die reinweißen, doppelt gefüllten Heckenrosen „Iceberg Climbing". Hochzeitsfotografen werden entzückt sein, das Brautpaar in diesem Rahmen zu fotografieren.

Im Gegensatz zur bisherigen, großzügigeren Gestaltung wirkt die Bepflanzung hinter dem Tor dicht gedrängt. Der wiederum mit Ziegelsplitt belegte Weg ist von Gänseblümchen-Polstern gesäumt, rechts daneben wächst eine Reihe der kleinblättrigen Myrte (Myrtus communis tarentina), die bald ihre aromatisch duftenden weiße Blüten öffnen wird.

Linker Hand sind zwei Beete spiegelbildlich mit linearen Bändern aus Pflanzenreihen angeordnet. Hier trifft man noch einmal auf das Strauchige Brandkraut, aber auch auf den Australischen Rosmarin (Westringia fruticosa), der zu einer niedrigen, kantigen Hecke gestutzt ist. Ein Riesenlauch (Allium giganteum „Mount Everst") zeigt winzige Blüten, bald wird er riesige weiße Kugeln bilden. Zwischendrin wächst noch klein eine Reihe Wandelröschen (Lantana). Ihnen folgt ein Band mit „Rose Innocencia" – Strauchrosen –, und nach einer zweiten Hecke des Australischen Rosmarins deutsche Schwertlilien (Iris germanica), die sich das Beet mit der Weißen Schmucklilie (Agapathus) teilen.

Doch bevor sich die Bänder im Spiegelbild wiederholen, führt ein Weg durch die Beete zu einer weißen Bank mit zwei Sitzplätzen, die Mauer dahinter schmückt ebenfalls die Heckenrose „Iceberg Climbing". Auch dieser Ort bietet sich für klassische Fotos des Hochzeitspaars an.

„Dies ist ein intimer, romantischer Platz für das Brautpaar allein", sagt die Landschaftsarchitektin. Vielleicht der letzte ruhige Moment, bevor der Festtrubel beginnt. Denn von hier aus führen Stufen zu den Räumen, die Cateringfirmen schmücken und dort festliche Speisen servieren. Zuvor treffen sich Brautpaar, Familie und Gäste auf einer Terrasse zum Aperitif, von der sie den Blick auf den blühenden Hochzeitsgarten genießen können.

www.bodegabiniagual.com
www.sonmuda.com

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