Auf den Spuren von Mallorcas Eisenbahn

Das wäre doch was: Zwischen Arenal und Llucmajor könnte an der ehemaligen Bahnstrecke nach Santanyí ein Wander- und Radweg entstehen. Erkundung einer Via Verde in spe

18.06.2016 | 06:52

Am Ende des Weges, in Las Palmeras im Süden von Mallorca, steht ein drei Meter hohes Gitter, das dem Spaziergänger den Weg versperrt. Propiedad privada, Privateigentum. Die sogenannte Via Verde - der grüne Weg - von Arenal bis nach Llucmajor steckt noch in den Kinderschuhen. Gerade erst haben sich die Verwaltung von Llucmajor und die Mitglieder der Eisenbahnfreunde Mallorcas getroffen, um über das Projekt zu beraten.

Das Ziel: die ehemalige Eisenbahnstrecke zwischen El Arenal und Llucmajor zu einem Wander- und Radweg auszubauen, wie es ihn auch schon zwischen Manacor und Artà gibt. Zwischen Arenal und der Siedlung Las Palmeras, einem Abschnitt, der etwa drei Kilometer lang ist, scheint das kein Problem zu sein. „Hier sind die Eigentumsrechte weitestgehend geklärt", sagt Miquel Rigo, eines der Mitglieder der Eisenbahnfreunde und selbst Zugführer.

Der Weg beginnt in Arenal, mitten im Wohngebiet. „Hier lagen die Gleise." Miquel Rigo zeigt den Verlauf. Heute würde der Zug in einem Meter Entfernung von den Wohnblocks entlangfahren. Die Gleise verliefen auch über eine hohe Brücke, die Pont des Jueus (Judenbrücke), die heute als Fußgängerweg genutzt wird. In Betrieb war die Strecke, die Palma mit Ses Salines und Santanyí verband, zwischen 1917 und 1964. „Der offizielle Grund der Schließung war, dass kein Mensch mehr Bahn fahren würde, dass es sich nicht lohne", sagt Miquel Rigo. Er vermutet aber Anderes: „Damals wurde der Flughafen erweitert, die Umlegung der Gleise hätte wahrscheinlich zu viel Geld gekostet."

Keine Spur mehr von der Trasse

In Arenal erinnert nicht mehr viel an die ehemalige Trasse. Nur an der Plaça Estació – dem Bahnhofsplatz – könnte man vielleicht erahnen, dass dort einmal ein kleiner Bahnhof gestanden haben muss. „Das ist schade, denn so gerät ein Stück mallorquinische Geschichte in Vergessenheit", sagt Miquel Rigo. Sollte man die Via Verde einrichten, würden zumindest ­Informationsschilder an die Strecke erinnern.

Durch den Ort führt die Via Verde nach etwa einem Kilometer in einen Wald hinein. Gleich rechts neben den Parkplätzen des Aqualands ist schon jetzt ein Trampelpfad zu sehen. „Es gibt viele Spaziergänger, die den Weg bereits nutzen, ohne zu wissen, dass hier einmal ein Zug entlangfuhr", sagt Miquel Rigo. An einer kleinen Brücke bleibt er stehen und zeigt auf das rostbraune Geländer. „Das ist noch das Original von vor 100 Jahren." Auf der Strecke finde man häufiger Dinge von damals.

Er schaut auf den Boden und hebt einen schwarzen Stein auf. „Das ist verbranntes Eisen von den Arbeiten an den Gleisen", weiß er. Die ehemalige Trasse lässt sich noch erahnen, anhand der etwa einen Meter hohen Mauern, die sie vom Weg daneben abtrennten, und anhand der Erhöhung, auf der die Gleise lagen. Ein ganzes Stück lang lässt es sich auf den ehemaligen Gleisen gemütlich entlangschlendern. Und dann: ein Baum, eine Kiefer, mitten im Weg. Dahinter wuchert die alte Trasse so zu, dass Spaziergänger auf den Pfad hinter der Mauer ausweichen müssen.

Historische Fundstücke entlang der Strecke

Eine feine Nase sollte man übrigens nicht haben. Der Weg führt kurze Zeit vorbei an einer Kläranlage, an die sich das wohl auffälligste Bauwerk des ganzen Weges anschließt: die Eisenbahnbrücke Pont de Ses Set Boques, die Brücke der sieben Münder, weil sie sieben Torbögen hat. „Das ist eine von drei alten Brücken der Strecke", sagt unser Führer. Sie ist mehr als 100 Jahre alt.

Das historische Geländer, das bei der ersten kleineren Brücke noch intakt war, gibt es dort nicht mehr. „Vielleicht war es zu instabil", vermutet Miquel Rigo. Über die Brücke führt eine Frau ihren Hund spazieren. „Das alles ist zwar in Privatbesitz", sagt Miquel Rigo. Das sei auf diesem Abschnitt aber kein Problem, „weil Passanten es ohnehin schon für Spaziergänge nutzen". Es gebe ein öffentliches Interesse daran, die ehemalige Trasse zu einem Wanderweg umzufunktionieren.

Finanzierung wird geprüft

Das bestätigt auch das Rathaus von Llucmajor. In einer Presseerklärung heißt es, die Via Verde sei bereits seit Jahren eine Forderung der Bürger, „nicht nur für die Anwohner selbst, sondern auch als touristische Attraktion in der Nebensaison". Über die Kosten für das Projekt könne man allerdings noch nichts Konkretes sagen. Derzeit würden Studien durchgeführt, um Finanzierungsmöglichkeiten zu prüfen. „Das Thema betrifft viele verschiedene Institutionen", sagt Lucia Escribano, Tourismusbeauftragte im Rathaus von Llucmajor. Deswegen sei es noch nicht möglich, Genaueres zu sagen.

Am schwierigsten werden wohl die Verhandlungen mit den Eigentümern, denen nach Las Palmeras ein Großteil des Landes gehört, auf dem die Via Verde entlangführen soll. „Deswegen steht in Las Palmeras der Zaun. Bis dahin kommt man problemlos. Dann folgt der Privatbesitz, und es geht erst einmal nicht mehr weiter", sagt Miquel Rigo.

Hinter der Brücke wird die Via Verde so richtig grün. Nach einer Weile rahmen Feigenbäume und andere Sträucher und Blumen den Weg ein, ohne ihn abzuschneiden. Die Via Verde würde der Gegend guttun, findet Miquel Rigo. So hätten die Anwohner einen schönen Spazierweg, und für Touristen gäbe es eine Alternative zum Strand.

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