Von der Arme-Leute-Meile zur Spaßpiste

Den Carrer de Sant Magí gab es schon im Mittelalter. Trotz des rasanten Wandels weht hier noch ein wenig der Stallgeruch des Fischerviertels

20.06.2016 | 01:00
Von der Arme-Leute-Meile zur Spaßpiste

Carrer Sant Magí in Zahlen

  • Länge: ca. 600 Meter Hausnummern: 110 Querstraßen: 6 Marihuana-Laden: 1 Theater: 1 Kirche: 1 Hotel: 1 Japanische Restaurants: 2 Bank: Keine

Es muss ehedem wohl so gewesen sein, dass auf dem Carrer Sant Magí in Palmas früherem Fischerviertel Santa Catalina neben den eher bescheidenen Wohnhäusern die Hunde kläfften und die Katzen streunten und alles ansonsten leise war. Aber das ist lange her. Heute steppt in der ehemaligen Verbindungsstraße zwischen Palma und Andratx vor allem freitags und samstags abends der Bär. Und die Geräuschkulisse der Ausgehwütigen, die die zahlreichen Bars und Restaurants in dem Viertel besuchen, schallt nachts bis tief in die Nebengassen hinein.

Wo früher ärmere Leute wohnten, haben sich bekanntlich in den vergangenen Jahren vor allem wohlhabende Nordeuropäer einquartiert. Dennoch kommt die Gegend nur abschnittsweise gelackt daher. Der Stallgeruch des alten Santa Catalina wabert hier und dort noch, und dies vor allem am Ende der Straße jenseits der Kirche und des Theaters Mar i Terra. Hier ist denn auch nicht alles so chic und teuer wie beispielsweise die Bar Idem. Man kann auch relativ günstig trinken und speisen, zum Beispiel im Traditionslokal Llimona oder in der Bar Lisboa des umtriebigen Àngel Romaguera.

Dass der Namensgeber dieser Straße ein von den Römern im vierten Jahrhundert hingerichteter und später heiliggesprochener Eremit aus Tarragona ist, weiß sicherlich kaum einer der meist jungen Touristen und Einheimischen, die sich hier vergnügen. Was auch für das Hostal Cuba mit seiner Disco im Untergeschoss gilt. Das Gebäude entstand 1904 und verfügt unter anderem über ein Türmchen im maurischen Neomudéjar-Stil.

Im Mittelalter standen hier gleich mehrere Hospitäler: Bis zum 15. Jahrhundert befand sich auf dem Gelände, das jetzt der Sa Feixina-Park ist, das Armenspital Santa Caterina, das später zu einem Kloster umfunktioniert wurde. Auch ein Lepra-Krankenhaus namens Sant Llàtzer dels Mesells gab es einmal. Von einer ganzen Kette früherer Windmühlen, die hier einmal standen, zeugen nur noch die halb zerfallenen Exemplare im Viertel Jonquet, die auch vom Paseo Marítimo aus zu sehen sind, sowie vier molinos im Carrer Industria.

Die heutigen Wohnhäuser, die teuer vermakelt werden, kamen erst vom Beginn des 19. Jahrhunderts an hinzu. Und am Ende jenes Jahrhunderts durchfuhr eine erste eher verhaltene Veredelungswelle den Vorort, die ihn jedoch nicht nachhaltig veränderte: Das Theater Mar i Terra wurde gebaut, und bei Hausnummer 37 entstand ein ansehnliches Jugendstilgebäude. Die Straße ist weiter im Wandel – und die Spuren vom Arme-Leute-Viertel werden zusehends weniger.

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen


Leben

Ein Kran stellte den alten Waggon vor dem Kulturzentrum ab.
Waggon zu besichtigen: So sah Palmas Straßenbahn aus

Waggon zu besichtigen: So sah Palmas Straßenbahn aus

Die ausrangierte Straßenbahn steht noch bis Ende Januar im Kulturzentrum La Misericòrdia

Pollenças Kreuzwegkapelle erstrahlt in neuem Glanz

Über den Sommer wurden das Dach repariert und die Fassade restauriert

Unterwäsche-Lauf in Bunyola: Freibier, Selbstironie und ganz wenig Scham

Großer Ansturm bei der "Correguda en Roba Interior" am Samstag (17.9.)

MZ-Fotowettbewerb ´Mallorca und das Meer´ - das sind die Gewinner!

So unbeschwert ist es nur an der Küste: Mehr als tausend Fotos sind eingegangen

Gastromarkt San Juan steigt bei TaPalma 2016 ein

Gastromarkt San Juan steigt bei TaPalma 2016 ein

Zwölf Restaurants im ehemaligen Schlachthof s'Escorxador organisieren eigene Tapas-Route

Ruhe, Sport und Oktopoden

Ruhe, Sport und Oktopoden

Wer möchte, der hat es in Cala Sant Vicenç sehr beschaulich. Aber auch das Gegenteil ist möglich.

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |