So eine Art heiliger Stuhl

Zwei Altkommunisten fordern die Rückgabe des in Palma ausgestellten Sitzes eines kubanischen Freiheitshelden. Ihre Chancen stehen nicht schlecht

10.07.2016 | 01:00
Bartomeu Sancho (re.) und Gerardo Moyá kämpfen um die Rückgabe der besonderen Sitzgelegenheit.

Bartomeu Sancho bekommt geradezu feuchte Augen, wenn vom Kommandanten-Sitz des Antonio Maceo (1845–1896) die Rede ist. „Es wäre wunderbar, wenn er nach Kuba zurückgebracht werden könnte", sagt der schon 81-Jährige, der auf Mallorca geboren wurde und seit Jahrzehnten in Havanna lebt.

Sancho hat sich aktiv an der 1959 siegreichen kubanischen Revolution beteiligt, und das von Venezuela aus, wo er, das Auswandererkind, damals mit seinen Eltern wohnte. Er kannte den legendären Che Guevara persönlich und holte dessen Tochter, die Kinderärztin Aleida, 2012 zu einer Vortragsreihe nach Mallorca. Kubas Spitzenhistoriker Eusebio Leal rede ihm seit Jahren ins Gewissen, bei der Angelegenheit mit dem Stuhl doch endlich zu Potte zu kommen, so Sancho.

Wenn er ihn doch nur mitnehmen könnte! Auf dem geschnitzten Palmholzblock nahm einst General Antonio Maceo Platz, der nach José Martí (1853–1895) bekannteste Held der Zuckerinsel im Unabhängigkeitskrieg von Spanien (1895–1902). Das gute Stück wird im Militärmuseum in der Festung San Carlos in Palma ausgestellt. Maceo, im kubanischen Heldensprech auch „Titan aus Bronze" betitelt, thronte darauf während der von ihm geschlagenen Schlachten.

Sein Gegenspieler war Mallorquiner: General Valeriano Weyler (1838–1930) versuchte vergeblich die letzte große Kolonie des siechen Reichs für König Alfons XIII. zu verteidigen. In gleicher Mission war er zuvor auch schon auf den Kanaren und den Philippinen stationiert gewesen.

Der 51-jährige Antonio Maceo hatte seinen Palmholz-Sessel am 7. Dezember 1896 im Truppengepäck, als er mit nur etwa 20 Soldaten auf einem Feld bei Punta Brava unterwegs war. Als die Kubaner einen Zaun durchschnitten, tauchte eine große Einheit spanischer Soldaten auf. Maceo wurde von mehreren Kugeln getroffen, eine durchschlug seinen Kiefer und drang in seinen Schädel. Die Kubaner flohen und konnten die Leiche ihres Generals erst am nächsten Tag bergen. Der Kommandanten-Sitz geriet als Kriegsbeute in den Besitz von General Valeriano Weyler. Der ließ den Stuhl nach Mallorca schaffen, wo er jahrzehntelang in einem ­Lager der Stadt ­Palma aufbewahrt und von Termiten angefressen wurde. Die Erben Weylers vermachten das Stück schließlich dem Museum San Carlos. Nachdem der Historiker Eusebio Leal bei einem Besuch 2001 die Rückgabe des Stuhls gefordert hatte, wurde dieser dort immerhin in einer Vitrine platziert und ausgestellt.

Beim Treffen mit dem MZ-Reporter in der Bar Cristal wird Sancho von Gerardo Moyá begleitet, dem Leiter der Vereinigung Casa de Amistad Baleares-Cuba in Palma. Moyá ist jedes Jahr bei der Mai-Parade in Havanna zugegen. Beide sind dem kommunistischen Regime unter Raúl Castro treu ergeben. Und deswegen verhehlen sie auch nicht die Freude darüber, dass eine Delegation von in Miami lebenden Exil-Kubanern, die ebenfalls auf Maceos Stuhl schielte und ihn in die USA holen wollte, vor Jahren in Palma und Ma­drid auf taube Ohren stieß. In Kuba werden die nach der Revolution in den Nachbarstaat geflohenen Menschen vom Regime als gusanos geschmäht.

Momentan sehe man eine günstige Weltlage, um Nägel mit Köpfen zu machen, sagt Gerardo Moyá. Vor allem wegen des Tauwetters zwischen Washington und Havanna. Balearen-Ministerpräsidentin Francina Armengol und Palmas Bürgermeister José Hila seien aufgeschlossen, doch das letzte Wort habe das spanische Verteidigungsministerium. Vielleicht kann sich Madrid ja zu einer freundschaftlichen Geste durchringen, jetzt wo in Kuba so viel in Bewegung gerät und Investitionen auf dem Spiel stehen. Um den Transport des guten Stücks kümmert sich Tomeu Sancho gerne. „Die Rückgabe ist alles, was ich mir in meinem Leben noch wünsche."

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