Monti Galmés: "Die Menschen müssen gerne wiederkommen"

Sommerinterview: Der Präsident von Real Mallorca und Robinson-Club-Chef über begeisterte Urlauber und geduldige Einheimische

09.09.2016 | 11:54
Armdrücken mit dem ehemaligen Spieler von Real Mallorca, Emilio Nsue: Monti Galmés ist ein Tausendsassa, der sich im Tourismus genauso wie im Fußball zu Hause fühlt.

Wer wie Montserrate „Monti" Galmés nun schon knapp 28 Jahre auf der Position des Regionaldirektors der Robinson Clubs Spanien und Portugal durchhält, muss eine wahre Frohnatur sein. Dass der aus Manacor stammende Touristik-Betriebswirt für (fast) jeden Spaß zu haben ist, beweist er schon mit dem Foto rechts. Galmés, der auch eine Zeit in Deutschland gelebt hat, spricht die Sprache fließend und legt Wert darauf, das Interview auf Deutsch zu führen. Seit Juni ist der 68-Jährige zusätzlich Präsident des Fußball-Zweitligisten Real Mallorca, nachdem er von Vorbesitzer Utz Claassen 2015 zum Vizepräsidenten ernannt worden war.

Das Thema des Sommers ist die volle Insel. Sind Sie die Menschenmassen auch manchmal leid?
Grundsätzlich: Ein Tourist stört nie, Einzelfälle mal beiseitegelassen. Wir freuen uns prinzipiell über jeden Besucher. Schließlich ist das unsere Hauptindustrie. Die meisten Menschen auf Mallorca leben direkt oder zumindest indirekt vom Tourismus.

Bleiben wir noch gleich bei den Mallorquinern €
Die Mallorquiner sind ein sehr geduldiges Volk. Sie sind im Allgemeinen sehr tolerant und regelrechte Spezialisten darin, nur das zu sehen, was sie sehen wollen, und das zu ignorieren, was sie nicht sehen wollen.

Die Folgen des Ansturms mit Verkehrskollaps, überall langen Warteschlangen und Wasserknappheit sind schwer zu übersehen €
Klar kann es mitunter sein, dass manche Straßen, Städte und Strände den Eindruck erwecken, überfüllt zu sein. Es wäre sicher auch besser, wenn nicht an einem Tag fünf Kreuzfahrtschiffe kämen, sondern wenn man diese Schiffe über die Woche verteilen würde. Da ist die Hafenbehörde gefragt, die da positiv dagegensteuern könnte. Aber beim Straßenverkehr geht es doch nicht darum, ob man für zehn Kilometer statt zehn eben mal zwölf Minuten braucht. Es geht darum, ob auch die Sicherheit gewährleistet ist, dass es nicht zu Unfällen kommt. Im Übrigen: Der Markt reguliert sich doch meistens von selbst. Aus meiner Sicht ist wichtig, dass die Unternehmen, die mit dem Tourismus auf Mallorca Geschäfte machen, auch hierzulande ihre Steuern bezahlen. Die Geschäfte sollten auf legaler Basis ablaufen, das ist im Interesse der Kunden und der mallorquinischen Bevölkerung.

Sie sprachen sich 1998 in einem Interview mit dem „Focus" dafür aus, die Zahl der Touristen zu begrenzen. Inzwischen sind 18 Jahre vergangen, aber es sind deutlich mehr Urlauber geworden.
Es kommt auf Qualität an und nicht so sehr auf Quantität. Wir könnten mit weniger mehr erreichen. Das ist natürlich nicht so einfach zu steuern, aber immerhin scheint man sich inzwischen auf der Insel mit diesem Gedanken zu beschäftigen. Der Tourist darf aber natürlich auf keinen Fall den Eindruck bekommen, dass er auf Mallorca nicht erwünscht ist. Wir müssen gerade jetzt, wo es brummt, in Qualität und Nachhaltigkeit investieren, um die Beliebtheit weiter aufrechtzuerhalten. Die Menschen müssen gerne wiederkommen und vor allem begeistert nach Hause fahren.

Begeistert? Vor allem erholen sollen sie sich doch.
Erholung ist langweilig. Hast du dich gut erholt? Das ist eine öde Frage. Das wollen die Leute nicht mehr. Klar, es gehört zu den Basics, Erholung ist ein Bestandteil des Urlaubs, aber längst nicht mehr alles.

Schafft es Mallorca, die Urlauber begeistert heimzuschicken?
Die Begeisterung hängt von vielen Details ab. Man muss mehr bekommen, als man erwartet. Du kannst Leute auch mit einem Feuerwerk nachts vor dem Hotelzimmer begeistern. Jedes Land ist in der Lage, Menschen zu begeistern.

Sind Sie denn begeistert von der Entwicklung der Insel in den vergangenen Jahrzehnten?
Die Entwicklung von Mallorca ist, bis auf so manches Krisenjahr, positiv. Wenn man nur die Logistik anschaut, die einwandfrei funktioniert. Wer schafft es schon, 1.000 Flüge an einem Wochenende zu bewältigen? Die Erfahrung der Fachleute im Tourismus ist extrem hoch. Und wir müssen immer besser werden. Zum Beispiel bei der Belebung der Nebensaison – das klappt schon ganz gut.

Diese Entwicklung hat das Gesicht der Insel verändert.
Mallorca ist natürlich nicht mehr, was einmal war. Auf manchen Schulen gibt es inzwischen Kinder von 150 verschiedenen Nationalitäten.

Ist das positiv oder negativ?
Das hat vor allem viele Vorteile. Die Kinder wachsen mit einer sehr offenen Mentalität auf und denken international. Sie merken schnell, wie unerlässlich Sprachen sind, um mit den anderen Menschen und Kulturen in Kontakt zu kommen.

Aber ist davon der 80-jährige Rentner in s´Alqueria Blanca genauso begeistert wie Sie?
Gott sei Dank gibt es ja, wie bei Asterix und Obelix, auch immer noch Dörfer, die ihre Identität nicht verloren haben. Schauen Sie, Spanien hat im Jahr 60 Millionen Besucher. Wir leben davon. Der Tourismus hat uns alles ermöglicht. Wir müssen dankbar sein. Natürlich gibt es immer Menschen, die am liebsten alles wie vor 50 Jahren hätten. Aber mit dem Einkommen und den Lebensbedingungen wie heute. Die berühmte Ruhe der Insel ist sicher teilweise Vergangenheit, aber es gibt immer noch viele Ecken, an denen man abschalten kann.

Wie sieht Montis Mallorca aus? Welches Programm würden Sie einem Urlauber empfehlen?
Montis Mallorca ist eine Mischung aus verschiedenen Dingen: ein Strand, ein Garten – am liebsten mein eigener –, ein Spaziergang, ein typisches Dorf, ein Kaffee auf einer Plaza, ein paar historische Gebäude, die die Geschichte der Insel widerspiegeln, einmal mallorquinisch essen, einen guten Wein trinken, eine Mountainbike-Tour, Padeltennis lernen und eine Woche im Robinson Club verbringen.

Und welchen Eindruck der Mallorquiner sollten die Touristen mit nach Hause nehmen?
Ihr Charakter ist ja klassisch für Insulaner. Sie machen nicht sofort die Arme auf, aber wenn, dann meinen sie es ernst und für immer. Sie sind mit den Jahren etwas vorsichtiger geworden, die Herzlichkeit ist aber geblieben. Sie sind dabei vielleicht nur nicht so expressiv wie die Südspanier.

Ist es nicht schade, wenn Urlauber, sich eine Woche an den Strand legen und abreisen, ohne etwas von der Insel gesehen zu haben?
Wir haben hier ein großzügiges Verständnis für die Wünsche unserer Besucher. Es gibt ein Angebot für kulturell Interessierte, für ­diejenigen, die nur Spaß suchen und feiern wollen und für Strandurlauber. Wir könnten auch nicht alle ins Museum schicken, dann wäre es dort ja schrecklich überfüllt. Wir haben nun mal 300 Kilometer Küste und unzählige Strände. Es ist schon in Ordnung, dass sich die meisten da tummeln. So verteilen sie sich zumindest.

Welcher Urlaubertyp ist der Gast im Robinson Club?
Der Club ist eine Stadt für sich. Diejenigen, die zu uns kommen, erwarten eine gewisse Leistung. Dass sie nicht so oft das Gelände verlassen, ist eine logische Konsequenz des Angebots bei uns.

Es gibt so gut wie keine Spanier, die im Robinson Club Urlaub machen. Würden die sich dort überhaupt wohlfühlen?
Die Spanier, die zu uns kommen, sind immer sehr zufrieden. Klar, es sind nicht viele, aber wir haben auch Verständnis für Minderheiten. Zurzeit sind zum Beispiel einige spanische Familien im Haus und genießen das Angebot mit großer Freude.

Hat Sie das Robinson-Konzept als Nicht-Deutscher nicht am Anfang auch verschreckt?
Nein, um Gottes Willen. Ganz im Gegenteil: Ich verstehe den Robinson Club als ein Hotel „plus". Wir verstärken das klassische Angebot mit Entertainment, Sport, Wellness und setzen auf starke Kommunikation. Mir ist die deutsche Kultur seit vielen Jahren bestens bekannt. Außerdem habe ich das Robinson-Konzept mit Begeisterung mitentwickelt und mich damit identifiziert.

Sehen Sie sich inzwischen ein Stück weit als Deutscher?
Ich sehe mich immer als weltoffener Mensch. Da denke ich nicht an Nationalitäten. Aber ich habe natürlich Verständnis für die Eigenheiten der Deutschen und ihre Art zu denken. Genauso wie für die Spanier oder Engländer oder andere. Dabei vergesse ich aber nie, wo ich herkomme. Und ich bin nun mal in Manacor geboren, also auf Mallorca.

Es heißt immer wieder, die Ausländer kaufen die Insel auf. Stört Sie das?
Nein, aber ich bedauere es ein bisschen. Es hat allerdings auch Vorteile. Viele Ausländer renovieren Häuser oder investieren, dann gereicht es der Insel zum Vorteil. Aber die zunehmende Landversiegelung vor allem im Inselinneren stört mich gewaltig. Da kann man nur mit härteren Gesetzen dagegensteuern.

Beim Fußball scheinen Sie nichts dagegen zu haben. Real Mallorca gehört inzwischen US-Investoren, Sie sind Präsident.
Das ist, wie wenn einer ein Haus auf Mallorca kauft. Das kann man nicht mitnehmen. Der Club bleibt auf der Insel, seine Geschichte kann man nicht verpflanzen. Auch die Zukunft können wir nur hier gestalten. Ich habe ein sehr gutes Gefühl bei den Investoren und bin fest überzeugt, dass sie ein Projekt mit mittel- und langfristigen Zielen begonnen haben.

Sind Sie für das Mallorquinische im Club zuständig?
Schon ein bisschen. Ich spreche in der Regel überall mallorquí, bei Interviews, bei Behördengängen oder wenn ich Fanclubs besuche. Damit möchte ich die Identifikation mit der Kultur verstärken. Im Club haben wir viele Mitarbeiter und Spieler von der Insel. Aber es ist genauso wichtig, einen Clubmanager wie Maheta Molango zu haben, der fünf Sprachen spricht und so viel besser die Internationalisierung vorantreiben kann.

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