Mallorca-Topfpflanzen im Sommer: Die Wurzeln als Speicher nutzen

Wie viel Wasser brauchen die Pflanzen? Zwei Experten geben Tipps

13.09.2016 | 01:00
In der Wachstumsphase drosselt ein gelegentlicher Sommerschnitt den Wasserverbrauch.
In der Wachstumsphase drosselt ein gelegentlicher Sommerschnitt den Wasserverbrauch.

„Hallo, mein Freund, wo bist du?," ruft ­Marianne Michi und füllt im Seerosenbecken Wasser nach. Und prompt hüpft ein Frosch auf die schwimmenden Blätter. Bei extremen Temperaturen machen Marianne und Helmut Michi zwei Mal täglich mit dem Schlauch und einer Sprühdusche die Runde zu einer nicht genau feststellbaren Zahl von Topfpflanzen. Wahrscheinlich sind es mehrere Hundert, vielleicht an die Tausend.

Seit Mitte der 90er-Jahre züchtet das Ehepaar – beide stammen aus dem Schwarzwald und beide sind Biologen – im etwas außerhalb von Sa Pobla gelegenen Son Amer Pflanzen. Hier herrscht ex-tremes Klima. Im Winter kommt es zu Minusgraden und heftigen Stürmen. Im Sommer klettert das Thermometer – so auch heute Mittag – auf 40 Grad. Deshalb bekommen hier im Juli und August große Topfpflanzen eine Schattierung von 20 Prozent, kleine 50 Prozent. Das trägt dazu bei, dass die etwa einen halben Meter hohen, blühenden Hibiskuspflanzen noch so frisch wie am Morgen wirken.

„Wasser sparen bei Topfpflanzen – das ist kompletter Unsinn", wettert Michi, der immer sehr direkt sagt, was er denkt. Doch dann schränkt er das Gesagte etwas ein: „Man kann aber dafür sorgen, dass das Wasser richtig gespeichert wird." Der Pflanzenzüchter arbeitet mit kleinen Töpfen, die unten mehrere Öffnungen aufweisen. Sie ermöglichen, dass viel Luft an die Wurzeln kommt, das stärkt sie. Der Botaniker gießt immer so lange, bis an der Basis das Wasser ausläuft. Erst dann kann er sich sicher sein, dass der gesamte Wurzelballen durch und durch befeuchtet ist. Wann erneut gegossen wird, ­entscheiden Standort, Jahreszeit, Pflanzenart und deren Wachstumszeiten.Die im Sommer stark wachsenden Pflanzen, wie beispielsweise Hibiskus und Bougainvillea, dürfen nie ganz austrocknen. Michi klopft schon mal eine Pflanze aus dem Topf, um zu kontrollieren, ob die Wurzeln intakt und gute Speicher sind.

Den so taufrisch wirkenden Hibiskusstöcken stutzt er im Sommer hin und wieder bis zu einem Drittel der Zweigspitzen oder auch etwas mehr. Damit wird der Wasserverbrauch etwas reduziert, und die Pflanze kann kräftiges Holz und ein starkes Wurzelwerk bilden. Beides bereitet sie gut auf die Winterkälte vor.

Das gilt ebenso für die Bougainvillea. Doch Wasser sparen ist bei dieser Pflanze ebenfalls grundverkehrt. Gießt man sie nicht oder zu wenig, bildet sie zwar Blüten, es fehlen ihr jedoch die Reserven, um den Winter zu überstehen. Auch ihr stutzt Michi Seitenzweige, weil sie – wie alle Pflanzen während der Wachstums­phase – innerhalb von 24 Stunden ihre Wunden schließt.

Zeigen Pflanzen gelbe Blätter und man traktiert sie weiterhin mit Wasser, ist dies nicht nur Wasserverschwendung, sondern ein grober Gießfehler. Die Pflanze nimmt dann mehr Wasser auf, als ihr guttut. Zudem ist für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt der Pflanze Nahrung – wie auch beim Menschen – genauso unerlässlich wie Wasser. In ihrem ursprünglichen Habitat sind Nährstoffe immer ausreichend verfügbar. Wenn es sich um nährstoffarme Böden handelt, passen sich die Pflanzen in ihren Bedürfnissen an. „Alle Pflanzen, die ich viel gießen muss, weil sie gerade stark wachsen, muss ich auch während dieser Zeit entsprechend kräftig düngen", berichtet der Experte. Bekommen die Pflanzen keine Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K), allgemein als NPK-Dünger bekannt, kollabieren sie bei Hitze trotz feuchter Wurzeln.

Die einzigen Pflanzen, die das Aussetzen des Gießens im Sommer überleben, sind die Kakteen. Doch auch ihre Wachstumsphase findet im Sommer statt, das heißt, sie haben eigentlich gerade jetzt großen Hunger und viel Durst, denn während der Hitze füllen sie ihre Wasserreserven auf. In Son Amer gießt man zwei Mal die Woche und vergibt Nährstoffe.

Im Gegensatz zu Bougainvillea, Hibiskus und Kaktus legen die Einheimischen, wie Lavendel, Rosmarin und viele andere im Sommer in der Wildnis eine Vegetationspause ein. Im engen Raum eines Topfes jedoch müssen auch sie mehrmals wöchentlich durch und durch feucht gehalten und gedüngt werden.

Marianne Michi empfiehlt ihren Kunden, die Pflanzen nach dem Kauf in größere Töpfe umzusetzen. Hier können sich die Wurzeln kräftiger entwickeln und das Wasser besser speichern. Die Erde kann außerdem mit einer zehn Zentimeter dicken Schicht Häcksel, Rindenstücke oder Mandelschalen vor Verdunstung geschützt werden.

Die Pflanzen, die Marianne Michi auf den Märkten der Insel verkauft, sind bereits im Inselklima aufgewachsen. Viele von ihnen sind Enkel und Urenkel von Gewächsen, die aus Samen, Stecklingen oder mit Wurzel­teilung vermehrt worden sind und deshalb das Inselklima und auch die Hitze gut vertragen.

E-Mail: mahemi@ymail.com

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