Castell Son Claret: ein Ort, um anzukommen

Einfach mal abtauchen dürfte in dem Hotel gelingen: Das Anwesen hat mit 132 Hektar Golfplatzgröße

29.09.2016 | 10:26
Auf dem weitläufigen Gelände am Fuße der rauen Berge gibt es viele Rückzugsorte. Mit seinen zwei Türmen ähnelt Castell Son Claret einer Trutzburg.
Auf dem weitläufigen Gelände am Fuße der rauen Berge gibt es viele Rückzugsorte. Mit seinen zwei Türmen ähnelt Castell Son Claret einer Trutzburg.

Marketing-Direktorin Anette Andersen „flippt aus", wenn sie auf dem Weg in ihr Büro an Hunderten blühender Duftrosen vorbei kommt. Gast Xavier liebt den frühen Morgen, wenn der Pool noch spiegelglatt am Fuße der rauen Berge liegt. Und die Redakteurin würde den Tag am liebsten hinter dem Fitnessstudio vertrödeln, wo sich ein tropisch anmutender Garten mit Königspalmen versteckt. Lieblingsplätze, -düfte und -blicke gibt es überall im Castell Son Claret.

Das Hotel, das seit Eröffnung 2013 zur Hotelallianz The Leading Hotels of the World gehört, sollte anfangs gar keines sein. Doch das 132 Hektar große Anwesen mit Haupthaus, Nebengebäuden und Stallungen war schlichtweg zu groß, um es als Familie zu bewohnen. So beschlossen der gebürtige Hamburger Klaus-Michael Kühne und seine Frau Christine – die das Logistik- und Gütertransportunternehmen Kühne + Nagel führen – ihr Ferienhaus zwischen Es Capdellà und Galilea für Freunde im engen und weiteren Sinn zu öffnen. Drei Jahre lang renovierten sie das Anwesen, spendierten ihm eine komplett neue Inneneinrichtung und schufen 38 Zimmer und Suiten (Preis pro Nacht inklusive Frühstück 295 Euro bis 1.850 Euro).

Gäste, die von der schmalen Landstraße in die Hoteleinfahrt abbiegen, rollen wie auf einem roten Teppich Richtung Unterkunft. Flankiert von roten Rosen links und rechts, den Blick auf die zwei Türme der Trutzburg geheftet, endet die Prachtallee nach einer sanften Kurve auf dem Parkplatz. Mögliches Gepäck kann warten und später von einem freundlichen Mann mit Golfcaddy abgeholt werden.

Castell Son Claret ersteigt man sich zu Fuß und folgt dem plätschernden Wasserlauf gegen die Strömung nach oben. Die Außenanlagen erdachte die Landschaftsarchitektin Tatjana von Griesheim, kurz flammen Erinnerungen an Bundesgartenschauen aus der Kindheit auf: mit perfekt eingefassten Beeten, der schier grenzenlosen Vielfalt an blühenden und immergrünen Pflanzen – hier sind das beispielsweise Jasmin, Koriander, Bergamotte, Rosen, Vetiver-Gras – und den unverhofft auftauchenden Sitzecken zwischen dem Grün.

Über einen letzten Treppenabsatz erreicht man das Aussichtsplateau, auf dem das Haupthaus thront. Der Herr im dunkelblauen Anzug ist kein Gast, sondern ein Hotel-Mitarbeiter und hält uns lässig die Tür auf. Im Empfangsbereich befand sich einst die Kapelle des Anwesens, das 1450 erstmals als Areal aus fünf Liegenschaften erwähnt wurde. Im 18. Jahrhundert führte Namensgeber Don Gabriel Claret die Finca zu einem großen Herrschaftssitz zusammen, Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden der heutige Grundriss und die Fassade. „Das älteste Zeugnis der Anlage ist eine Steinmauer, die sich in den Waschräumen befindet", erklärt Marketing-Chefin Andersen.

Die gebürtige Dänin zeigt uns auf einem zügigen Rundgang das Haus: Bar, Bibliothek, das Restaurant Zaranda von Chefkoch Fernando P. Arellano, das als Einziges auf Mallorca zwei Michelin-Sterne trägt, sowie das Restaurant Olivera mit Wintergarten und Terrasse – an den Frühstückstischen sitzt ein internationales, heute vorwiegend junges Publikum.

Auf dem Weg begegnen uns mallorquinische Kunst von Ramon Canet und Agueda Gayá, florale Arrangements mit Blumen aus dem Garten, moderne Polstersessel sowie ein gläserner Weinkeller. Im Untergeschoss befindet sich der Spa mit Indoorpool und zwei Saunen, im Obergeschoss die Deluxe-Doppelzimmer sowie zwei 70 Quadratmeter große „Tower Suites" mit privater Sonnenterrasse.

„Freiraum bedeutet Luxus für unsere Gäste", sagt Andersen. Damit meint sie weniger die Größe der Zimmer als vielmehr die immense Gartenanlage, zu der neben Palmen, Oliven- und Orangenbäumen auch Tennisplätze sowie ein sieben Kilometer langer Joggingweg zählen. „Luxus ist die Steigerung von dem, was man nicht hat", fährt sie fort. Für Stadtmenschen sei es der unbegrenzte Blick. Und Geschäftsleute, die viel unterwegs sind, möchten einfach mal ein paar Tage am selben Ort verbringen, zum Beispiel in einer der 80 Quadratmeter großen „Pool Suites" mit eigenem Garten, Sonnendeck und Swimmingpool.

„Abends kann man zu Fuß von seinem Apartment ins Zwei-Sterne-Restaurant laufen, wo geht das sonst", sagt Anette Andersen. Für sie persönlich bedeutet Luxus, das schicke Businesskleid gegen T-Shirt und Jeans einzutauschen und den Familienurlaub auf einer kleinen dänischen Insel aus ihrer Kindheit zu verbringen. „Dort fühle ich mich komplett", sagt die blonde Dänin, „bei mir angekommen."
Auch auf Son Claret dürfte es Gästen gelingen, ihren inneren Frieden zu finden. Erste Empfehlung: ein Besuch im tropischen Garten hinter dem Fitnessstudio.

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