Playa de Palma: Rambazamba am Strand der Strände

In Mallorcas Urlauberhochburg schlechthin steht die Geselligkeit im Vordergrund. Zumal jetzt, wo viele Rheinländer da sind

02.11.2016 | 10:44

Die Playa de Palma ist die größte, aber auch umstrittenste aller Urlauber­hochburgen auf Mallorca. Während bei den einen ein Urlaub am Ballermann jenseits von jeglicher Vorstellungskraft liegt, ist es für die anderen der geilste Ort der Welt – und das seit vielen, vielen Jahren. Der Urlaub hier ist Tradition. Gerade in der zweiten Septemberwoche, die sich auch als „Rheinische Woche" etabliert hat, trifft man sich jedes Jahr wieder.

Hans Pickartz aus dem Stadtteil Eller in Düsseldorf, der mit seiner Frau Marlies und seinen Freunden wie in jedem Jahr sein Lager am Balneario 7 aufgeschlagen hat, ist dafür ein Stück weit mitverantwortlich. Er rief das mittlerweile mehr als 25 Jahre alte „Radio Eller" ins Leben, dessen Name nichts mit einem Radiosender zu tun hat, sondern vielmehr dem DJ-Pseudonym geschuldet ist, unter dem Pickartz früher auflegte.

Marlies Pickartz erzählt die Geschichte: „Zunächst war mein Mann mit der Altherren-Fußballmannschaft vom TuS Eller 04 hier und hatte eine kleine Musikbox dabei. Das hat sich dann Jahr für Jahr vergrößert, und es kamen immer mehr Leute hinzu, die erst den Ballermann 5 und anschließend den Ballermann 7 belagerten." Im Laufe der Jahre wurde die Reisegruppe um Hans Pickartz größer und größer. Viele buchten selbstständig, da sie wussten, dass „Radio Eller" vor Ort war.

„Wir haben einen Getränkeausschank und eine Essensausgabe organisiert und alle 300 Liegen reserviert. Einige brachten dann noch Campingstühle mit." Bis zu 500 Strandbesucher kamen so zusammen. Das zog auch die Schlager-Prominenz der Insel an. „Frank Zander oder Michael Wendler sind hier auf der Promenadenmauer für uns aufgetreten, und Olaf Henning wurde bei ,Radio Eller´ entdeckt", sagt Hans Pickartz.

Mittlerweile ist es dank diverser Benimmregeln ruhiger geworden am Strand. Vor vier Jahren gab Hans Pickartz die Organisation in andere Hände. Unter dem Namen „New Radio Eller" trifft man sich aber weiter zur traditionellen großen Party im MegaPark. Mit dabei ist seit vielen Jahren auch Günter „Trömmelchen" Korth, Präsident der Karnevalsgesellschaft „Düsseldorfer Radschläger". „Hier ist in den ganzen Jahren viel getrunken worden, aber es gab nie eine Schlägerei", sagt er.

Etwas weiter auf der Promenadenmauer am Balneario 10 sitzt Dieter Zaksek aus Dinslaken. Auch er hat die Hochzeiten von „Radio Eller" miterlebt. Zaksek kommt seit 1971 an die Playa. Es sei nicht mehr der Flair von früher, aber Spaß mache es immer noch. „Eine Woche Rambazamba und danach braucht man erst mal Urlaub", sagt er und lacht. Für ihn müsse es auch nicht immer die Schinkenstraße sein. Zwischendurch miete er sich ein Auto und fahre damit über die Insel. Außerdem sei er mehrmals im Jahr da. „Ich komme auch im Februar oder März, wenn die meisten Läden noch geschlossen haben. Das ist dann ein ganz anderer Urlaub – ruhig und erholsam."

Am Balneario 6 ist daran zu dieser Zeit der Saison nicht zu denken. Fahnen von Fußballvereinen schmücken die Strandlager – die Oberhand hat klar der 1. FC Köln. Eine Gruppe aus Wattenscheid hat zwei knallpinke Pavillons aufgebaut, aus den Boxen schallen altbekannte Schlager.

Auch ein Teil der 15-köpfigen Gruppe „Die Synchronschwimmerinnen" sitzt unweit davon. Seit über zehn Jahren kommen die Frauen aus Bottrop Anfang September an die Playa. Die Altersspanne­ reicht von 45 bis 75 Jahre. Das Motto: tanzen, bis die Füße qualmen­. Viel Schlaf gebe es nicht, dafür umso mehr bekannte Gesichter. „Man fährt immer zur gleichen Zeit und trifft immer die gleichen Leute. Darauf freut man sich besonders", sagt Sandra Laurich. Etwas betrübt sind die „Synchron­schwimmerinnen", dass es ihr Lieblingslokal, den Riu Palace, nicht mehr gibt. „Jetzt gehen wir ins Paradise zu Marita", sagt Beate Becker. Die Kölnerin Marita Köllner lädt seit Anfang September in die bekannte Ballermann-Disco ein (MZ berichtete).

Sein eigenes Ding macht der Kegelclub „Gib mir die Kugel" am Balneario 3. Mit einem großen schwarzen Kreuz im Sand ist hier ausdrücklich das „Niveau begraben" worden, ein roter Teppich ebnet den Weg ins Meer. Unter dem lila Pavillon macht es sich die Gruppe in ihren Liegestühlen bei Kölsch und Schlagermusik gemütlich. „Wir sind jeden Morgen um neun die Ersten am Strand und bauen alles auf", sagt Michael Zemke. „Gib mir die Kugel" kommt schon seit 15 Jahren; das Equipment – inklusive eigens bestellter Kölsch-Fässer – wird immer umfangreicher.

Mit 23 Schützenbrüdern sind die „Musketiere" aus Kempen am Niederrhein angereist. Daheim organisieren sie jedes Jahr eine große Benefizparty. Die Feier ist für alle Helfer eine Woche lang sehr viel Arbeit, als Belohnung geht es dafür alle zwei, drei Jahre an den Ballermann. Das Alter der Mallorca-„Musketiere": zwischen 24 und 65 Jahren. „Man muss gucken, dass für jedes Alter etwas dabei ist. An der Playa de Palma ist das so", sagt Rainer Brüggemann, einer der „Musketiere".

Fazit: Bei all den negativen Schlagzeilen, die der Playa de Palma anhaften und die immer wieder auf den Tisch kommen – viele Menschen sind hier sehr glücklich, haben eine schöne Zeit und feiern friedlich eine Auszeit vom Alltag.

Und keine Sorge: Hier und da findet sich auch noch der eine oder andere ruhigere Strandabschnitt.

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