Abtauchen in vergangene Zeiten im Hotel Palacio Ca Sa Galesa

Herrschaftlicher Wohnpalast mit Terrasse über den Dächern von Palmas Altstadt

08.11.2016 | 19:48
Hotel Palacio Ca Sa Galesa.

Serie: Hideaways auf Mallorca – Unangemeldet kommt niemand he­rein. Höchstens eine Katze, die durch die verschnörkelten Stäbe passt und auf Samtpfoten die Stufen hoch zur
„Kauernden Frau" schleicht. Die Skulp­tur von Esperanza d´Ors sitzt auf dem Treppenabsatz und schaut Besucher, die ihre Nasen durch das schmiedeeiserne Tor stecken, interessiert an. „Kommt doch herauf", scheint sie zu raunen. Klar, würde man ja gerne, aber da sich Hotel­direktorin Sonia Marzo ein wenig verspätet hat, bleiben wir wartend auf einer Holzbank neben dem Tor des Palacio Ca Sa Galesa sitzen – einem Fünf-Sterne-Hotel gleich hinter Palmas Kathe­drale.

Das Viertel: nobel. Die Gassen: nicht autofreundlich. Einige Gäste haben trotzdem ein Fahrzeug gemietet. Damit sie bequem ab Hotel gen Ausflugsziel starten können, rangiert die Rezep­tionistin sie um Punkt neun Uhr zentimetergenau im Innenhof. Bis alle mit der Kühlerhaube Richtung Ausgang gucken.

Das Ca Sa Galesa stammt aus dem 16. Jahrhundert, den dreistöckigen Palast mit mehreren Treppenaufgängen, Kassettenholzdecken in Wohnräumen und Patio, Rundsteinbögen, Bodega und kleinem Gärtchen bewohnten einst gut si­tuierte Familien aus Palma. Als das Altstadtflair beliebter und Wohnraum teurer wurde, stand das Haus einige Jahre leer und wurde zu Mietwohnungen umgebaut. Dann kaufte ein walisisches Paar den Palast, wollte einen Gebäudeteil selbst bewohnen, den anderen als Bed?&?Breakfast an Touristen vermieten.

Da Anfang der 90er-Jahre offiziell kein B?&?B-Modell in Palma existierte, entschieden sich die Besitzer aber um und beschlossen, ein Fünf-Sterne-Hotel zu eröffnen. Nach umfangreicher Renovierung 1995 eröffnet, wurde das Ca Sa Galesa, das Haus der Waliser, vier Jahre später erneut verkauft, an eine mallorquinische Familie. Sie beauftragte einen Antiquitätenhändler, die leeren Räume mit passenden Möbeln auszustatten, baute die Bodega in einen Spa-Bereich mit Pool, Sauna und Erlebnisduschen um, benannte die Gästezimmer nach berühmten Komponisten und bestückte das Haus mit Originalwerken von Künstlern.

So empfangen einem im Frühstücksraum, dem Café Ricks, klassische Musik und Bilder mit Szenen aus dem berühmten Spielfilm „Casablanca". „Eine typische Eingangshalle wie in anderen Hotels gibt es bei uns nicht", erklärt Sonia Marzo. Die Gäste sollen Ca Sa Galesa wie ein Privathaus erleben, das sie über den Patio, einen Fahrstuhl oder die breite Außentreppe in den ersten Stock betreten können. Statt für ein größeres Zimmerkontingent entschieden sich die Hotelbesitzer für Originalität. Dahinter steht die Idee, Gästen die Geschichte und das luxuriöse Wohnflair eines Altstadtpalastes näherzubringen. Wer ausspannen möchte, kann sich im kleinen Innenhof mit bunten Kacheln und Brunnen zurückziehen. In der ursprünglichen Küche des Hauses wird nachmittags Tee, Kaffee, Gebäck serviert. Das Esszimmer beeindruckt mit Kronleuchter, kunstvollen Glasarbeiten in Fenstern und Türen, seidenen Tapeten und Original­werken von Joan Miró.

Wir fahren mit dem Aufzug auf die Dachterrasse – mit freier Sicht auf Kathedrale und Meer. Statt Pool kühlen sich die Gäste unter einer Regendusche ab und sitzen mit den Füßen im Wasser auf einem der Sonnenstühle. Die großzügigen Daybeds, eine Erweiterung des Hotelzimmers, kann man tageweise mieten. In einem abschließbaren Sideboard verstecken sich TV, Wi-Fi-Zugang sowie der Schalter für den Ventilator. Gleich nebenan lädt ein kleiner Sitzbereich zum Verweilen ein. Im Kühlschrank stehen verschiedene Salate und Tapas bereit, für Extra­wünsche oder Service reicht ein Griff zum Telefonhörer. „Wir sind rund um die Uhr erreichbar und verstehen uns als Personal Assistent unserer Gäste", sagt Sonia Marzo. 14 An­gestellte kommen auf zwölf Doppelzimmer und Suiten (Preis 250–600 Euro/Nacht), auch Kinder und kleine Haustiere sind willkommen.

Auf die Frage nach Berühmtheiten, die im Palacio Ca Sa Galesa abgestiegen sind, gibt sich Sonia Marzo verschwiegen. Nur so viel: „Wir hatten schon viele Gäste, die an hohe Standards gewöhnt sind." Anfangs würden sie nervös nach dem Klingelknopf fürs Personal fragen. Sobald sie merkten, dass immer jemand unsichtbar parat steht, um ihre Wünsche zu erfüllen, würden sie sich blitzartig entspannen.

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