NIA: Tanz der Elemente

Die Aktivität vereint Yoga, Kampfsport und Tanz. Vor allem aber macht sie Spaß

11.11.2016 | 17:36

Drei Männer aalen sich auf ihren Handtüchern, einige Badegäste drehen noch eine Runde im Wasser. Die Sonne steht schon tief. Langsam kommt eine Teilnehmerin nach der anderen an den Strand von Illetes, direkt neben der kleinen vorgelagerten Insel. Hier geht die Sonne am schönsten unter und der Vollmond demnächst auf.

Wir ziehen die Schuhe und Socken aus, stellen uns in mehreren Reihen hintereinander auf mit Blick auf das Meer. Gleich wird es losgehen mit den drei Buchstaben: NIA. Es steht für Neuromuskuläre Integrative Aktion und kommt ursprünglich aus den USA. Debbie und Carlos Rosas, zwei Aerobic-Lehrer, entwickelten diese Tanzform in den 80er-Jahren.

NIA ist Tanz und gleichzeitig noch viel mehr: Es vereint spielerische Bewegungen, Kraft und Meditation. Ein Tausendsassa unter den Bewegungsformen: Yogaelemente wechseln sich mit Karate, Modern Dance und Achtsamkeitsübungen aus der Alexandertechnik ab.

Bettina Hering leitet heute die Gruppe. Die gebürtige Schwäbin lebt seit vier Jahren auf Mallorca. Neun Jahre arbeitete sie als Desig­nerin von Bekleidungsfirmen in China, reiste viel herum, lernte Chinesisch und meisterte ihr Leben in der 20-Millionen-Metropole Schanghai. Sie lernte dort Kung-Fu, aber schaffte es erst mit NIA, beim Tanzen richtig zu schreien und Dampf abzulassen. „Es ist das Spielerische bei NIA, das dabei hilft, loszulassen", sagt sie. Seit sie auf Mallorca ist, unterrichtet sie diese Tanzform.

NIA folgt immer einer bestimmten Choreografie, die Musik ist passend zu den Schritt- und Bewegungsfolgen ausgewählt. Ein bestimmtes Thema dominiert jede Stunde. Bettina Hering hat sich heute für das Thema „Love" entschieden. NIA wird normalerweise auf Englisch abgehalten, „wenn es aber nur deutsche Teilnehmer sind, spreche ich auch Deutsch", sagt Bettina Hering.

Wir beginnen mit einem Warm-up, lassen die Füße in den Sand sinken, verankern uns. Die drei männlichen Zaungäste schauen interessiert zu. Es folgt der dynamische Teil mit Kicks und kräftigen Schlägen in die Luft. „Es gibt immer drei Schwierigkeitsstufen, leicht, mittel und schwierig", sagt Bettina Hering, wobei jeder Teilnehmer selbst die Grenzen bestimmt. Wie kräftig der Kick mit dem Bein sein soll oder wie tief man in die Knie gehen möchte, bestimmt der eigene Körper – es gibt kein falsch oder richtig.

Das Besondere dieses Kurses liegt allein schon am Ort. Statt in einem abgeschlossenen Raum zu tanzen, sind hier die ­Elemente Licht, Wasser, Luft und Erde, in diesem Fall Sand, unmittelbar spürbar. Die Wolken ziehen in Fetzen über den Himmel, der Sand ist angenehm weich. „Schüttelt euren Oberkörper, vibriert mit den Hüften", ruft Bettina Hering der Gruppe zu.

Vor lauter Kicks, Wellenrauschen und Abendstimmung sind die Zuschauer irgendwann vergessen. Wir ballen die Fäuste, zertrampeln den Sand, schreien imaginär die Besitzer der ankernden Boote an. Dann kommt auch noch der freie Tanz hinzu. „Bewegt euch jetzt, wie ihr möchtet", ruft die Kursleiterin uns zu. Die meisten lassen sich das nicht zweimal sagen, sie hüpfen durch den Sand, die Arme kreisen. Wer es lieber ruhiger mag, kann aber auch nur einfach auf der Stelle stehen bleiben und die Füße in den Sand graben. Die drei Handtuch-Männer stützen sich ein wenig auf, um einen besseren Blick zu erhaschen.

„Ich versuche auch Werte in den Tanz zu integrieren. Werte wie Dankbarkeit oder Freude und Achtsamkeit. Dabei möchte NIA keine spirituelle Bewegungsart sein", sagt Bettina Hering. Der Vollmond driftet hinter den
Wolken hervor. Das Cool-Down beginnt. Wir dehnen uns, atmen tief ein und aus. Ganz zum Schluss breitet jeder ein Handtuch aus, rollt sich zusammen wie bei der „Haltung des Kindes" aus dem Yoga, dreht sich auf den Rücken und verschraubt den Oberkörper mit dem Becken. Die Stunde endet hier, das NIA-Erlebnis noch nicht.

Wir legen Decken aus, entkorken Weinflaschen, breiten selbst gemachte Dips und Häppchen auf dem Boden aus. Das Vollmond-Picknick beginnt. Auch das ist ein Teil der NIA-Community auf Mallorca. Die Boote leuchten silbern, während der Wein die Runde macht.

NIA-Unterricht am Strand von Illetes, jeden Donnerstag, 10 Euro. Kontakt sowie Informationen zu Workshops und Retreats über
Facebook: NIA Mallorca.

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