Europaweit geschützt, auf Mallorca eine Plage

Der Große Eichenbock setzt den Steineichenwäldern der Insel zu

06.12.2016 | 20:15
Der Große Eichenbock: Die Fühler des Männchens sind länger als der Körper, die des Weibchens etwas kürzer.

Die Raupe Nimmersatt

  • Die erwachsenen, weiblichen und männlichen Käfer leben jedes Jahr im Sommer nur wenige Wochen. Ihr Körper ist schwarzbraun, ihre Flügel sind am Ende rotbraun. In der abendlichen Dämmerung fliegen sie aus und paaren sich.
  • Die Weibchen bohren danach mit ihren Fresswerkzeugen Löcher in die Rinde der Stämme und Äste der Steineichen. In diese Öffnungen legt das Weibchen rund 500 Eier. Nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven aus und ernähren sich zwei bis vier Jahre lang vom Saftfluss der alten Bäume und bilden dabei zahlreiche Fraßgänge.
  • Wenn die Larven eine Länge von sieben bis neun Zentimeter erreicht haben, beißen sie sich einen Hohlraum zur Verpuppung in der Nähe der Rinde – einen Ausgang für den Käfer, der ein Jahr später ausfliegt.
  • Der Steineichenbohrer ist „ortstreu" und hält sich bevorzugt in der Nähe seines Geburtsbaums auf.

Die Steineichenwälder Mallorcas sind in Gefahr. Diesen Standpunkt vertritt man im balearischen Umweltamt für Biodiversität. Denn seit 2002 nimmt die Zahl der Exemplare eines Eichenbohrers in den öffentlichen Fincas der Serra de Tramuntana stetig zu. Es handelt sich um den Großen Eichenbock (Cerambyx cerdo bot., Gran capricornio span., banyarriquer kat.), im Deutschen auch Heldbock, Riesenbock oder Spießbock genannt. „In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der befallenen Steineichen in den fincas públicas von 20 auf 74 Prozent gestiegen", sagt Luis Núñez von der Conselleria de Medi Ambient in Palma.

In Deutschland ist diese Insektenart vom Aussterben bedroht. Nach der Fauna-Flora-Habitat Richtlinie (Anhang II und IV) ist der Große Eichenbock in allen EU-Ländern streng geschützt. Mit einer Länge bis zu 53 Millimeter zählt er zu den größten Käfern Europas. Die Fühler des Männchens sind länger als sein Körper, die des Weibchens etwas kürzer.

Das zuständige Umweltamt der Balearen hat kürzlich mit Einverständnis des Ministerio de Medio Ambiente in Madrid die Dezimierung der Population des Käfers zum Schutz der Steineichen (Quercus ilex bot., encina, span., alzina kat.) erlaubt. Dies allerdings nur so lange, bis das Insekt den Bestand der Steineichen nicht mehr bedroht. „Wir wollen die Zahl des Cerambyx cerdo verringern, ihn jedoch auf keinen Fall ausrotten. Unser Ziel ist, dass die Steineichenwälder wieder gesunden", sagt Núñez.

Putztrupp im Wald
Der Große Eichenbock spielt im gesunden Ökosystem eine große Rolle. Seine Larven schwächen zwar die alten Exemplare der Steineichen, doch durch die Fraßgänge und Bohrlöcher können andere Insekten ins Holz gelangen, mit denen sich die Larven und Puppen des Käfers den Lebensraum friedlich teilen. Außerhalb des noch aufrecht stehenden Baumes machen sich Flechten breit. Fällt die schon morsche Steineiche dann bei einem Sturm, macht sie Platz für nachwachsende Jungpflanzen. Zugleich bietet der Stamm dann, bis er sich zu Erde zersetzt, weiteren Lebensraum.

„Es fällt mir schwer, den Großen Eichenbock als Schädling zu bezeichnen", sagt denn auch Benedikt von Laar, der auf artenschutzrechtliche Belange im Naturschutz spezialisiert ist und sich in Mecklenburg-Vorpommern um Tierarten kümmert, die durch die EU-Richt­linie geschützt sind. Er vermutet, dass das vermehrte Auftreten auf Mallorca auf eine massive Störung des Ökosystems zurückzuführen ist, das auf ganz anderen Schauplätzen ausgelöst wurde.

Unter Naturschutz stehen jedoch auch die Steineichenwälder der Serra de Tramuntana und das nicht erst, seit sie zum Welterbe der Unesco gehören. Insgesamt 16.810 Hektar encinares gibt es auf Mallorca, 95 Prozent der Wälder sind im privaten Besitz. Unter besonderem Schutz stehen darüber hinaus fünf mehrere Hundert Jahre alte freistehenden encinas.

Auch Núñez sagt, dass sich das Ökosystem von Mallorcas Steineichenwäldern verändert hat. Anfang der 60er-Jahre hatten die Köhler ihre Arbeit in den Steineichenwäldern eingestellt. Für ihre Meiler hatten sie bis dahin bevorzugt alte Bäume gefällt. Mit ihnen verbrannten die Larven des Käfers. Danach waren die Wälter fast ein halbes Jahrhundert sich selbst überlassen und verwilderten.

Wenig Fressfeinde
Anfang des Jahrtausends entdeckte man dann das vermehrte Vorkommen des Großen Eichenbocks. Seine Fressfeinde seien auf der Insel knapp geworden. Fledermäuse, nächtlich jagende Greifvögel und Igel könnten die Käfer jagen, doch sie sind in den Inselwäldern, in denen auch viele Menschen unterwegs sind, eher selten anzutreffen. „Wenn man schon Geld ausgeben will, sollte man in die natürliche Abwehr, die Prädatoren, investieren", meint deswegen Benedikt von Laar.

Die Präsenz des Insekts verraten daumengroße Bohrlöcher in der Rinde, sowie grobes Bohrmehl am Stammfuß. Um die Zahl der Käfer zu ermitteln, setzte das Umweltamt in Binifaldó bei Esporles, einem besonders betroffenen Waldstück, Fallen ein (die Käfer werden nach dem Fang getötet). So konnte auch festgestellt werden, dass im Juni und Juli die meisten erwachsenen Käfer in den Steineichenwäldern der Insel unterwegs sind.

Unterstützung für die Entwicklung der Fallen kam von der Universität im andalusischen Huelva. Dort fand man heraus, dass nicht Hormone die Käfer in die Fallen locken, sondern ein süßes Lockmittel. In Andalusien ist man auch deshalb an den Steineichen interessiert, weil ihre Früchte, die bellotas, den Schweinen schmecken, die dann die bekannten würzigen Schinken liefern.

Der Naturschützer Benedikt von Laar steht dem Aushebeln der EU-Verordnung und dem Fang sowie dem Töten der Tiere sehr skeptisch gegenüber: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Große Eichenbock sich den Ast absägt, auf dem er sitzt", gibt er zu bedenken.

Information zum Großen Eichenbock „Ceramyx cerdo": Tel.: 900-15 1617 (Pia) oder www.sanidadforestal.caib.es

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