Diese Pflanzen haben auf Mallorca nichts verloren

Für die einheimische Flora gefährlich: eingeführte Arten, die sich auf der Insel zu invasiven Gewächsen entwickeln

21.12.2016 | 02:30
Die Rosetten der Amerikanischen Agave bilden nach zehn Jahren einen Blütenspross.

Importierte Pflanzen können für die Inselvegetation und ihr sensibles Ökosystem zur Gefahr werden. Der Verkauf und die Zucht „invasiver" Pflanzen ist deswegen verboten. Im Garten dürfen sie – so das balearische Umweltamt für Biodiversität – wachsen. Doch die Besitzer müssen Sorge tragen, dass sie sich nicht über den Gartenzaun davonmachen und auswildern. Tun sie das, nehmen sie einheimischen Pflanzen Licht und Platz und entziehen den Böden für die Inselflora wichtige Nährstoffe. Manche bilden mit Verwandten auch Hybride. Von den 2.000 auf den Balearen vorkommenden Spezies gelten rund 40 als invasiv. Hier die wichtigsten.

Die Amerikanische Agave (Agave americana bot., pita span., kat.) verbreitet sich großflächig. Manchmal verdrängt sie die einheimische Zwergpalme (Chamaerops humilis). Die aus Südamerika stammende Agavenart kam als Zierpflanze auf die Insel. Man pflanzte die Rosetten mit den etwa einen Meter hohen sukkulenten Blättern, um Wege oder Grundstücksgrenzen zu markieren. Nach zehn bis fünfzehn Lebensjahren bildet die Pflanze einen etwa acht Meter hohen Blütenspross, danach stirbt die Mutterpflanze ab. Die Pflanze vermehrt sich durch Samen und die Bildung von Tochtergewächsen zugleich. Will man diese Agavenart auf dem Grundstück loswerden, hilft nur eines: Das Roden und Zerkleinern der Blätter und Blütenstängel. Bevor diese auf dem Kompost kommen können, müssen sie lange trocknen.

Der Nickende Sauerklee (Oxalis pes-caprae bot., agrios span., vinagrella kat.) stammt aus Südafrika. Das Kraut kam mit landwirtschaftlichen Samentransporten unbeabsichtigt auf die Insel. Hier entwickelt die Pflanze ab November gelbe Blüten, die an Kleeblätter erinnern. Gegen den Nickenden Sauerklee hilft nur eins: Die Pflanze mehrere Jahre in Folge kurz vor der Blüte jäten, dann haben sich die Knollen noch nicht vermehrt. Denn sie sind es, die den einheimischen Pflanzen den Platz für die Wurzeln rauben, eine Knolle entwickelt jedes Jahr 20 neue.

Die Rote Mittagsblume (Carpobrotus acinaciformis bot., hierba del cuchillo span., patata frita) ist, wie auch die Essbare Mittagsblume (Carpobrotus edulis) eine große Gefahr für die Inselflora. Sie kam als Ziergewächs in die Gärten, mit dem man Hänge und sandige Beete befestigte. Doch dann wilderte die anspruchslose Sukkulente in den Dünen aus und muss heute mühsam gerodet werden. Pflanzt man anschließend schattenspendende Gewächse, kann die Sukkulente nicht nachwachsen, denn sie benötigt Vollsonne.

Die Trichterwinde (Ipomoea indica bot., maravillas span., campanetes de jardí kat.) kam als Zierpflanze auf die Insel und begrünt viele Mauern, Zäune und Fassaden. Die Windenart ist in Sóller oder Esporles häufig und immer dort anzutreffen, wo reichlich Wasser fließt. Nicht selten wildert sie in leeren Bachbetten aus und bildet mit anderen Wucherpflanzen Kolonien, die im Herbst zu Wasserstaus in den torrentes führen. Wenn die Gemeinden die Bachbetten reinigen lassen, reißt man die Lianen mit ihren Wurzeln aus und kompostiert das zerkleinerte Schnittgut.

Der Feigenkaktus (Opuntia maxima bot., chumbera span., figuera de moro kat.) verändert den pH-Wert des Bodens, nimmt allein durch seine Größe schwächeren Inselpflanzen das Licht und ist ihnen auch bei der Vermehrung haushoch überlegen. Wer sich von einer großen Opuntia trennen will, muss für die Entsorgung ein Unternehmen beauftragen. Bei den Recyclingcentern der Insel dürfen nur kleine Mengen abgeliefert werden. Kleinere Exemplare können mit einer Handsäge zerkleinert werden, das Schnittgut muss lange trocknen, bevor man es auf den Kompost geben kann. Wird die Opuntia maxima jedoch für die Gewinnung ihrer Früchte gepflanzt, darf sie – so das balearische Umweltamt – kultiviert und verkauft werden.

Das Pampasgras (Cortaderia selloana bot., carrizo de la Pampa span. plomes Kat.) kam aus Südamerika als Zierpflanze auf die Insel. Das immergrüne Gewächs wird bis zu drei Meter hoch und vermehrt sich mit Samen, die der Wind zu Orten trägt, wo sie in fruchtbarer Erde keimen. Weidetiere rühren das Pampasgras wegen seiner scharf schneidenden Stängel nicht an. Vorsicht ist deshalb auch beim Roden angesagt. Die Wurzeln müssen dabei restlos entfernt werden, nur so kann man neues Austreiben verhindern.

www.mapama.gob.es
„Atlas de las plantas alóctonas invasoras de España"

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