In der MZ-Druckerei: Wir machen Ihre Zeitung!

Wir stellen die Menschen vor, deren Leidenschaft die Arbeit mit Papier ist

20.01.2017 | 02:30
In der MZ-Druckerei: Wir machen Ihre Zeitung!

Während die Namen der Journalisten über den Artikeln stehen, werden jene, die das Blatt produzieren,
häufig vergessen. Patrick Schirmer Sastre und der Fotograf Sebastián Terrassa haben in der Druckerei der MZ
und des „Diario de Mallorca" mit Menschen gesprochen, deren Leidenschaft die Arbeit mit Papier ist.

 

Er kennt die Druckmaschine auswendig


 

Das Handy ist immer an. Auch im Urlaub. „Länger als vier oder fünf Tage war ich ohnehin nie weg", sagt Pedro Martínez. Der 46-Jährige ist im Verlagshaus der MZ der Verantwortliche für die Bereiche Druck-plattenbelichtung und Rotationsdruck-maschine. „Die Maschinen hier sind so komplex, dass spätestens nach fünf Tagen irgendein Problem auftaucht." Das klingt nach Stress, aber Martínez sieht einen Vorteil: „Viel zu wissen und viel Verantwortung zu haben, macht süchtig." 

Angefangen hat er Ende der 80er-Jahre als 19-Jähriger, nach seiner Elektriker-Ausbildung. 1991 legte sich der Verlag eine neue Druckerei zu. „Ich war damals einer der wenigen im Haus, die Englisch konnten. Also habe ich mitgeholfen, als die deutsche Firma KBA die Maschinen aufgebaut hat. Ein Jahr lang hat das gedauert. Zwölf bis vierzehn Stunden haben wir täglich gearbeitet." Der Vorteil: Martínez kennt die Maschinen seither praktisch auswendig. „Es gibt keinen Teil, den ich nicht schon ausgetauscht oder repariert habe. Auch bei jeder Modernisierung war ich dabei." Seit 1993 ist er Abteilungsleiter. „Bisher ist die Zeitung immer rechtzeitig fertig geworden." Und das unter teilweise abenteuerlichen Bedingungen: „Im ersten Jahr, als die Druckerei schon gebaut war, saß die Redaktion noch in einem anderen Gebäude in der Altstadt. Die Firma hat einen Taxifahrer engagiert, der ein Jahr lang die Seiten als Negative von der Redaktion in die Druckerei brachte."
 

Der Mann für die Belichtung

 

Bei ihm sammeln sich die fertigen Seiten, die aus den Redaktionen des Hauses geschickt werden. Kiko de Fuertes ist für die digitale Druckplattenbelichtung CTP verantwortlich. Wenn der 40-Jährige um 18 Uhr zum Dienst erscheint, sind noch kaum Seiten fertig, deshalb überprüft er zuerst die Maschinen auf ihre Funktionstüchtigkeit. Seit zwölf Jahren ist er beim Verlag angestellt. Sobald eine Seite und ihre Gegenseite, also etwa Titelblatt und letzte Seite, fertig sind, kann De Fuertes die Aluminiumplatten belichten lassen-. -Mittwochs, wenn die MZ gedruckt wird, beginnt der intensive Teil der Arbeit etwas früher. „Die MZ ist normalerweise gegen 23 Uhr komplett da. Die anderen Blätter sind erst nach Mitternacht fertig." In der Abteilung CTP wird auf Nachhaltigkeit gesetzt. Die benutzten Druckplatten werden an eine Recyclingfirma geschickt. Zudem werden umweltschonende Chemikalien verwendet. Die Leidenschaft für seine Arbeit hat er weitergegeben: „Seit meine Tochter zum ersten Mal hier war, ist sie ganz begeistert von meinem Job."
 

Zur Stelle, wenn die Schlacht beginnt


 

Früher hat er die Tinte noch mit der Spachtel angerührt, seit ein paar Jahren macht das eine Maschine. „Das war das schönste Drei-Königs-Geschenk, das ich je bekommen habe", sagt Cayetano Martínez lachend. Seit 22 Jahren arbeitet er von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens in der Druckerei. „Üblicherweise sind wir in der Nachtschicht immer zu dritt." Seine Hauptaufgabe besteht darin, die Rotationsdruckmaschine vorzubereiten, die Druckplatten anzubringen und das Papier einzustellen. Das Druckpapier der MZ ist mit 49 Gramm pro Quadratmeter vergleichsweise hochwertig für eine Zeitung. Während die Maschine läuft, prüft der 46-Jährige die frisch gedruckten Ausgaben und justiert bei Bedarf die Farbgebung am Computer nach. Wenn die Maschine einmal läuft, muss alles zügig und korrekt gehen: „Das hier ist eine Schlacht", beschreibt Cayetano Martínez seine Arbeit. Eine Schlacht, an der derzeit insgesamt
16 Menschen beteiligt sind: elf in der Druckvorstufe und an der Druckmaschine, fünf bei Verpackung und Versand.
 

20 Kilometer und anderthalb Tonnen


 

Auch Andrés Barceló ist für den Druck verantwortlich. Seit zwölf Jahren ist der 48-Jährige beim Verlag angestellt, im Zeitungsdruck ist er aber schon seit 1990 beschäftigt. „Ich kümmere mich vor allem um das Papier. Unter anderem bin ich dafür verantwortlich, die großen Papierrollen einzusetzen und zu kontrollieren, dass der Wechsel zwischen ihnen reibungslos abläuft." Knapp 20 Kilometer ist das Papier der Rollen lang, jede bringt knapp anderthalb Tonnen auf die Waage. Mit einer Rolle können knapp 20.000 Exemplare des „Diario de Mallorca" gedruckt werden. Bei der MZ sind es wegen der größeren Seitenanzahl etwas weniger.
 

Gründlichkeit und Sorgfalt


 

Im Zeitungsdruck darf nichts schiefgehen. Auch wenn zumindest die Tageszeitung ein sehr kurzlebiges Produkt ist, muss sie doch jeden Tag erscheinen können. Damit die Maschinen keinen Strich durch die Rechnung machen, kommen Xisco -Bernat (li.) und Pep Gómez jeden Morgen um 8 Uhr ins Haus, um die Wartung zu übernehmen-. Hier wird auf besondere Gründlichkeit gesetzt. „Der Hersteller stellt eine umfangreiche Wartungsanleitung, der wir jeden Tag folgen", sagt Gómez. Besonders achten sie auf die Faltmaschine. Hier werden die bedruckten Bögen geschnitten und zusammengelegt. „Die Maschine verlangt besondere Sorgfalt."
 

An zwei Tagen im Jahr bleibt das Handy ausgeschaltet

An den Krach hat er sich schon lange gewöhnt. Während die Maschinen laufen, ist es laut genug, um jedes Gespräch zumindest anstrengend zu machen. Der Krach ist wichtig: „Wenn es irgendein Problem gibt, höre ich das sofort am Geräusch." Eduardo Álvarez ist der Verantwortliche für Verpackung und Vertrieb. „Als ich vor 21 Jahren im Verlag anfing, gab es nur einen sehr kleinen Kreuzleger. Damals mussten wir etwa die Beilagen der Zeitung per Hand beilegen. Mittlerweile läuft vieles automatisch." 

Es gibt exakt zwei Tage im Jahr, an denen Eduardo Álvarez sein Diensthandy ausschalten kann: den 25.12. und den 31.12. Da werden keine Zeitungen gedruckt. „Das sind die einzigen Tage, an denen ich wirklich entspannen kann." An dieNachtarbeit habe er sich gewöhnt, auch seine Familie kenne das von ihm gar nicht anders. 

Eduardo Álvarez, der vor seinem Job im Verlag als Soundtechniker gearbeitet hat, ist ein Tüftler, der die Probleme, die an den Maschinen auftauchen, gern selbst löst. „Mir sind auch ein paar Verbesserungen eingefallen, um die Prozesse zu verselbstständigen." Wenn ihm etwas einfällt, gibt er es an die Schweizer Herstellerfirma Müller Martini weiter. „Manchmal sieht man, dass die Ideen übernommen werden. Aber das will ich mir nicht auf die Fahne schreiben. So wie mich gibt es viele andere Techniker, die täglich mit den Maschinen arbeiten."
 

Konstante an der Packstation

Seit 16 Jahren ist Antonio Rosado dabei. Er arbeitet in der Verpackung. Auch sein Arbeitstag beginnt um 22 Uhr, Feierabend ist, wenn alles gut geht, um 6 Uhr morgens. „In dieser Zeit muss nicht nur darauf geachtet werden, dass die Maschinen einwandfrei laufen und dass alles richtig verpackt wird. Auch die Wartung müssen wir in unserer normalen Arbeitszeit unterbringen. Wenn eine Maschine spinnt, muss schnell eine Lösung gefunden werden." Der 47-Jährige sagt, die Nachtarbeit mache sich langsam bemerkbar: „Es wird mit der Zeit belastend. Man schläft, wenn die anderen wach sind, und verpasst sehr viel von dem, was in der Familie passiert." Bevor er im Verlag anfing, arbeitete er schon Nachtschichten in der Wartung bei einem Hotel. „Aber so ist der Job eben."
 

Die MZ ist nicht leicht zu heben

„Die MZ ist ein ganz anderes Kaliber als das Diario de Mallorca", sagt Xus Rabanal lachend. Die 54-Jährige arbeitet seit zwölf Jahren an der Verladestelle im Hof der Druckerei und ist die einzige Frau in der Abteilung. „Eure Zeitung ist dicker, zudem liegen häufig Beilagen drin. Da muss ich viel mehr heben als bei den anderen Blättern." Von Mitternacht bis mindestens 3 Uhr morgens steht sie draußen, bei Regen und Sturm ebenso wie in schwülen Sommernächten, und lädt die Zeitungspacken auf Paletten und in die Lieferwagen der Verteiler. Auf der Insel werden die Zeitungen von einer zentralen Vertriebsstelle aus verteilt. Zudem gibt es die Lieferung an den Flughafen. Von dort geht es dann auf die anderen Balearen-Inseln oder etwa nach Deutschland. José Antonio Perez, der Mann auf dem Foto, ist für die Verteilung an die Abonnenten in Palma zuständig.

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