Im Ruhestand ein eigenes Hotel

Mit Mitte 60 noch mal neu starten: Ein Paar aus Berlin und Hamburg geht mit einem Agroturismo das Wagnis ein

03.02.2017 | 15:12
Fotogalerie: Im Ruhestand ein eigenes Hotel

In drei Monaten eine Finca in ein Hotel mit fünf Apartments und sechs Doppelzimmer umbauen? „Das schafft ihr nie", hörten Annette und Gunnar Reinicke auch von Freunden. Und für einen kleinen Moment zweifelten sie Anfang Oktober, als der Umbau losging, selbst an ihrem Vermieter, einem mallorquinischen Bauunternehmer, der ihnen versicherte: ningún problema. Und so war es dann auch, alles kein Problem. Bis zu 20 Arbeiter am Tag waren zwölf Wochen lang im Haus zugange, und so konnte das Paar sein Finca-Hotel Son Pou in Felanitx tatsächlich am 2. Januar eröffnen.

„Die größte Herausforderung bei unserem neuen Unternehmen ist nicht die viele Arbeit, sondern unser Alter", so der Berliner Gunnar Reinicke (67). Der gelernte Koch führte fünfeinhalb Jahre ein Hafenrestaurant in Portocolom, das er vor einigen Jahren verkaufte, um mit seiner Frau Annette (65), einer gebürtigen Hamburgerin, Kauffrau und Gastronomin, zurück nach Deutschland zu ziehen. In Minden in Nordrhein-Westfalen eröffneten sie ein Steakhaus, doch die Sehnsucht nach Mallorca blieb. Und statt mit Mitte sechzig in Rente zu gehen, machte sich das Paar auf die Suche nach einem geeigneten Agroturismo-Objekt auf Mallorca.

„Als wir die Finca Son Pou im Oktober 2014 entdeckten, haben wir nicht lange überlegt", erzählt Gunnar Reinicke, der nicht dafür bekannt ist, die Dinge übers Knie zu brechen. Doch bei diesem Objekt habe einfach alles gestimmt: die Größe, das Umfeld, der Preis. Und das Paar hatte auf Anhieb einen guten Draht zum Vermieter. „Das war ein Gefühl von: Der hält, was er verspricht", so Gunnar Reinicke. Zwei Jahre musste sich das Gastronomen-Paar gedulden, so lange lief noch der Vertrag mit den alten Mietern. Pünktlich zum 1. Oktober 2016 zogen sie mit ihrem Hab und Gut auf die Insel und starteten mit dem Umbau der hundert Quadratmeter großen Finca, die auf 1857 datiert und Ausblick auf das Kloster San Salvador hat.

Im Haupthaus konnten Salon, Esszimmer und Küche so bleiben, wie sie waren, Gunnar und Annette Reinicke richteten sie mit einem Mix aus hundert Jahre alten Tischen und Kommoden, Spiegeln, Leuchtern und bequemen Polstermöbeln ein. Die obere Etage ließen sie umbauen, damit jedes Zimmer ein eigenes Bad bekommt. Vier neue Apartments entstanden im ehemaligen Pferdestall mit Scheune, der zunächst entrümpelt werden musste. Ein Apartment ist über eine angebaute Treppe zu erreichen, ein anderes barrierefrei ausgestattet. Auch der Pool ist dank langer Rampe für Rollstuhlfahrer zu erreichen.

„Um sich heute agroturismo nennen zu dürfen, braucht man mindestens zwölf Doppelzimmer mit Bad ensuite", erklärt Gunnar Reinicke, dessen großer Traum sich mit dem Finca-Hotel erfüllt hat. Für seine Gäste, die Übernachtung mit Frühstück auf Son Pou buchen (DZ ab 95 Euro), möchte er drei Mal die Woche einen kulinarischen Themenabend veranstalten, etwa Fisch kochen, ein mallorquinisches Menü oder Steaks vom Smoker Grill anbieten. Seine Idee war es auch, die ersten Urlauber mit limitierten Winterpaketen anzulocken. Zum Preis von 500 Euro konnte man zwei Gutscheine über je einen siebentägigen Urlaub im Doppelzimmer mit Frühstück erwerben – im Gesamtwert von 1.211 Euro.

Auf Son Pou sei noch vieles denkbar, so Gunnar Reinicke. Auf dem Grundstück befinden sich beispielsweise zwölf Garagen, die an Fahrradfahrer oder Oldtimer-Besitzer vermietet werden können, sowie eine 350 Quadratmeter große Event-Halle für Musikveranstaltungen, Vernissagen, Flohmarkt. Das Gastronomenpaar gehört aber zu sehr zu den alten Hasen, um einfach draufloszumachen. Sie wollen zunächst auf Resonanz warten, um herauszufinden, was Gäste und Residenten sich wünschen.

Wenn man ein Finca-Hotel auf Mallorca eröffnen will, sollte man Erfahrungen aus der Hotelerie oder Gastronomiebranche mitbringen – für die zwei eine der wichtigsten Voraussetzungen. Nachahmern empfiehlt Gunnar Reinicke, sich das Umfeld genau anzugucken: „Bei uns gibt es im Umkreis von 50 Kilometer keinen agroturismo mit 22 Betten." Dafür eine Nachbarin, die Westernreiten für Urlauber anbietet, aber keine eigenen Übernachtungsmöglichkeiten hat. „Das Konzept muss von Anfang an stimmig sein, und keinesfalls darf man erst in der Bauphase damit beginnen, es zu entwickeln", so der Senior-Unternehmer. Natürlich haben die Reinickes die Papiere der Immobilie zuvor genau geprüft. Sie ließen die Verträge von einem Steuerberater einsehen und anschließend von einem Anwalt gegenprüfen: „Das kostet zwar Geld, ist aber besser, als auf die Nase zu fallen."

Um mögliche Probleme von vornherein kleinzuhalten, plante das Paar einen finanziellen Puffer von zwölf Monaten ein, statt auf den letzten Cent zu kalkulieren. Der Mietvertrag läuft zunächst über fünf Jahre, mit Option auf weitere fünf Jahre. In zehn Jahren sind Annette und Gunnar Reinicke Mitte und Ende siebzig, dann kann das Leben ganz anders aussehen, wissen beide. „Doch nur unsere Rente zu genießen, dafür sind wir nicht der Typ, da würden wir eingehen", sagt Annette Reinicke. Einen Gärtner, Putzfrauen und jemanden für die Rezeption hat das Paar bereits eingestellt. Das Frühstück will Gunnar Reinicke zunächst selbst mit vorbereiten, sich in Zukunft aber raushalten: „Son Pou soll kein neuer Rund-um-die-Uhr-Job sein, sondern vor allem Spaß machen."

Finca Hotel Son Pou Felanitx, Tel.: 673-18 28 94, www.finca-hotel-sonpou-felanitx.com

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